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Spiel der Elemente in Farbe eingefangen

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Angela Rittershaus (r.) mit ihrem Bild »Hohe Woge« vor einer Unterwasser-Landschaft von Irmgard Seiffert-Schludi. (Foto: Mergenthal)

In fantastische Welten – unter Wasser und hoch in den Lüften – entführt eine anregende Ausstellung in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus. Irmgard Seiffert-Schludi mit ihren 3D-Acryl-Bildern und Angela Rittershaus mit ihren Landschaften in Öl ergänzen sich trotz ihrer Unterschiede – darum nannten sie ihre Ausstellung auch »Kontrast« – perfekt. Noch bis zum Sonntag sind die Bilder täglich von 11 bis 18 Uhr zu besichtigen.


Links vom Eingang fühlt man sich wie auf einer Tauch-Expedition. Stark ist die Wirkung der farbkräftigen Bilder der Traunsteinerin Irmgard-Seiffert-Schludi bereits ohne 3D-Brille. Doch mit dieser Brille entstehen auf wundersame Weise mehrere Ebenen, das Werk wird in der Tat dreidimensional. Der Bildhintergrund gewinnt mit zunehmendem Abstand des Betrachters eine fast unwirkliche Tiefe.

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Von Kurt Iwanschuetz aus München hat Seiffert-Schludi bei einem Tageskurs in einem Künstlerfachgeschäft die 3D-Technik erlernt und durch ständiges Experimentieren weiter ausgefeilt. In einem speziellen Verfahren, das die Künstlerin natürlich nicht ganz verraten möchte, wird Alkohol in den Malprozess integriert. Die Bilder, oft im quadratischen Format und teils zu einem Diptychon oder Triptychon kombiniert, lassen Korallen, mit der Strömung schwingende Anemonen, Seepferdchen oder auch in allen Farbschattierungen schillernde Felsen oder Fische erahnen, eingebettet in fluoreszierende Blautöne und bewegte Farbflächen. Ein Bild im extremen Querformat mit einer üppigen Unterwasserlandschaft, die an unterirdische Blumenwiesen erinnert, ist der Traunsteinerin besonders ans Herz gewachsen. Ein türkis-gelbes Bild scheint den Torso einer Meerjungfrau anzudeuten. Ein anderes Motiv ist das Thema »Urwald«. Zwischen den sich schräg über das Bild spannenden, lianenartigen Gewächsen sah so mancher schon ein Tigerauge auf sich gerichtet.

Einen deutlichen Kontrast zu diesen wässrigen bis erdigen oder auch mal feurigen Thematiken bilden die luftigen Ölbilder der Grassauerin Angela Rittershaus. Die Luft ist ein dominierendes Element bei ihr, egal ob sie Meere oder Wolken bewegt, auf ruhige oder auf äußerst stürmische Weise. Rittershaus malt grundsätzlich Fantasielandschaften, inspiriert von realen Eindrücken im Urlaub, zum Beispiel an der Nordsee in Holland oder auf Sylt, oder angeregt durch Fotografien. Meist trägt sie die Farbe fein lasierend auf, nur bei Wolken manchmal einen Hauch pastos. »Man kann ja so wunderbar mit Öl modellieren«, schwärmt sie. Für ihre luftigen Wolkengebilde, die manchmal unheimliche Gewitterstimmung ausstrahlen und ein andermal auf mystische Weise das Licht durchschimmern lassen, bearbeitet sie die weiche, geschmeidige Ölfarbe auch gern direkt mit den Händen. »Wolken und Meer ist zurzeit mein Thema«, erklärt sie.

Besonders modern und flott hingefetzt wirken zwei Bilder mit einer ganz besonderen Farbskala mit hellem Lindgrün, Blau-, Grau- und Weißtönen: Im Bild »Am See« sehen manche Besucher den Königssee mit der Kirche St. Bartholomä, »aber das ist ein zufälliger Fleck«, betont die Malerin. Mehrere Farbschichten hat sie übereinandergelegt und noch einmal frech mit einer weichen Bürste schräg darübergewischt. In einer »Wasserlandschaft« mit baumbewachsenen Inseln ziehen die durchschimmernden hellen Grüntöne in Bann.

Ein anderes Gemälde zeigt eine hohe Meereswoge mit ihrer weißen Schaumkrone kurz vor dem Überkippen. Das hell leuchtende Orange im Himmel und Meer bildet einen Komplementär-Kontrast zur dunkelblauen Wand der Woge. »Durch die Wolken« präsentiert die luftigen Gebilde aus der Vogelperspektive, und die »Sommerwolke« bildet den freundlichen Gegenpol zu den düsteren Caspar-David-Friedrich-Himmeln. Am Rande gibt es »Recycling-Schmuck« aus Kaffee-Kapseln zu bewundern, den Irmgard Seiffert-Schludi an zum Malen zu heißen Sommertagen kreierte. Veronika Mergenthal