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Spiel mit dem Feuer

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Der Ehemann (Franz Josef Fuchs) beobachtet sorgenvoll das Techtelmechtel seiner Frau Gabi Trattler) mit dem Jäger (Michael Gallinger). (Foto: Heel)

»Ich bitte Sie, das ist doch Blut und Boden pur!«, soll Regisseur Georg Tressler (»Die Halbstarken«) gesagt haben, als ihm Mitte der 1960er Jahre der Filmproduzent Otto Dürer vorschlug, eine Neuverfilmung des Schauspiels »Der Weibsteufel« anzugehen.


Dabei hatte Tresslers Vater Otto 1915 die Uraufführung von Karl Schönherrs Stück am Wiener Burgtheater inszeniert – und auch eine der Hauptrollen in dem alpinen Dreiecksdrama gespielt. Tressler griff dennoch zu, und interessanterweise gelang ihm die definitive »Weibsteufel«-Version, packend inszeniert, perfekt besetzt und fern jeder völkischen Ideologie.

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Inwieweit diese »teuflische Kraft des Weibes« auch heute noch die Zuschauer anspricht, davon konnte man sich jetzt in der vollbesetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS ein Bild machen. In einer Aufführung des Traunsteiner Fabriktheaters e. V. agierte Gabi Trattler in der Rolle des (namenlosen) Weibs, ihr Mann wurde von Franz-Josef Fuchs gespielt, der Dritte im Bunde war Michael Gallinger als junger Grenzjäger. Regie führten Willi Schwenkmeier und Anderl Osenstätter, die das Stück auch bearbeitet hatten.

Der Kern der Story ist schnell erzählt: In einer einsam gelegenen Hütte in den Tiroler Bergen hausen eine schöne, junge Frau und ihr älterer, kränkelnder Ehemann, der sein Brot als Schmuggler verdient. Da ihm bislang nichts nachzuweisen war, wird ein junger, gut aussehender Grenzjäger damit beauftragt, sich an die Frau heranzumachen, um sie auszuhorchen. Als der Ehemann Wind von dem Plan bekommt, ermuntert er seine Frau, auf die Avancen des Jägers einzugehen, damit er ungestört sein im Keller gelagertes Schmuggelgut loswerden kann. Dann hätten sie nämlich genug Geld, um sich unten im Dorf ein schönes Haus kaufen zu können. Doch der Jäger verliebt sich in die Frau, die bald nicht mehr weiß, zu wem sie halten soll. Also beginnt sie ihr eigenes Spiel und wird zum kalt berechnenden Weibsteufel, der die beiden Männer so lange gegeneinander ausspielt, bis es zur Katastrophe kommt.

Der Titel suggeriert eine bösartig und berechnend handelnde Frau, die ihrem Geliebten zu verstehen gibt, dass aus ihnen nichts wird, so lange ihr Mann lebt. Getrieben wird sie dabei jedoch nicht von sexueller Lust, sondern weil dies ihre einzige Chance ist, ihrer Abhängigkeit zu entkommen.

Von Schwenkmeier und Osenstätter schnörkellos, direkt und kraftvoll inszeniert, mit viel Gespür für Rhythmus, Pausen und die kargen Dialoge, überzeugten alle drei Schauspieler mit trefflichem Spiel. Während Gabi Trattler zunächst die brave, leicht verhärmte Hausfrau gab, die sich von ihrem Mann widerspruchslos herumkommandieren ließ, drehte sie in der zweiten Hälfte auf, spielte sich in den Vordergrund und ließ die Macht spüren, die sie über die beiden Männer ausübte.

Franz-Josef Fuchs war seine Rolle als kränkelnder, aber immer noch umtriebiger Schmuggler wie auf den Leib geschrieben. Obwohl von seinem Weib zunehmend beschimpft und herabgesetzt, bot er seinem Rivalen überzeugend Paroli. Michael Gallinger als schneidiger Grenzjäger agierte anfangs etwas steif, steigerte sich aber kontinuierlich bis zum mörderischen Finale. Kurzum, ein auch heute noch spannendes Stück, halb Psychothriller, halb Emanzipationsgeschichte, das seine Herkunft zwar nicht verleugnen kann, seine Wirkung beim Publikum aber nicht verfehlte. Musikalisch begleitet wurde die mit viel Applaus bedachte Aufführung von Maximilian Schmid, der an der Diatonischen Harmonika und am Kontrabass eigene, sehr stimmungsvolle Kompositionen zum Besten gab. Für die Kostüme und Masken war Christa Fuchs zuständig, Bühne und Technik stammten von Josef Häusler, Ludwig Hunklinger, Udo Trattler, Valentin Fuchs und Mohammad Ganudi.

Weitere Aufführungen sind am morgigen Donnerstag und am Freitag um 20 Uhr, am Sonntag um 18 Uhr, am Freitag, 2. März und Samstag, 3. März, um 20 Uhr sowie am Dienstag, 6. März um 15 Uhr. Wolfgang Schweiger