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Spielen im zerstörten Marawi: Leben in der Notunterkunft

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Spielen in der Notunterkunft
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Die Notunterkunft besteht aus Zelten in denen die Familien leben. Foto: Girlie Linao/dpa Foto: dpa

Die zehnjährige Gelyn rennt mit ihren Freunden auf dem Gelände einer Notunterkunft in der Stadt Marawi umher. Die Stadt liegt auf den Philippinen, das sind Inseln in Asien. Die Kinder spielen hier zwischen den Wohn-Zelten, weil sie nicht mehr in ihren Häusern leben können. Denn vor etwa einem Jahr fand dort etwas Schlimmes statt: Terroristen kämpften mit Soldaten um die Stadt. Die Gegend, in der Gelyn zu Hause war, wurde zerstört.


«Isis hat die Kämpfe begonnen», sagt das Mädchen. Damit meint sie die Terroristen des Islamischen Staats. Die Terror-Organisation wird manchmal IS und manchmal Isis genannt.

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Gelyn trägt ein Haarband mit einer Blume und eine silberne Halskette zu ihrem dunkelblauen Kleid. Am meisten vermisst sie die Zeichentrickfilme im Fernsehen, die sie in ihrem alten Zuhause immer geguckt hat. In der Notunterkunft gibt es kein Fernsehen, und Strom gibt es nicht rund um die Uhr. Auch Wasser ist nicht frei verfügbar, sondern wird zugeteilt. Das Essen ist meist knapp.

Gelyn ist das dritte von vier Kindern in ihrer Familie. Ihre Mutter hat Arbeit in einer nahegelegenen Stadt gefunden. «Ich kann erstmal nicht mehr zur Schule gehen», sagt Gelyn.

Ihre neun Jahre alte Freundin Jeansel lebt seit Februar ebenfalls in der Notunterkunft aus Zelten. Davor war sie in einem Zentrum in der Stadt Iligan untergekommen. «Hier ist es viel schöner, weil es windig ist», sagt Jeansel. «Aber es gibt kein Wasser.»

Sie vermisst die Schule. Aber sie ist froh, dass sie und ihre Freunde zusammengeblieben sind, sagt Jeansel. «Wir rennen hier gerne herum und spielen Verstecken und Fangen.»

Die Kämpfe um die Stadt Marawi begannen im Mai 2017, als Soldaten der Regierung versuchten, Isnilon Hapilon festzunehmen. Der Mann gilt als Anführer des IS in Südostasien. Fünf Monate dauerte es, bis die philippinische Armee wieder Kontrolle über Marawi hatte.

Jetzt bemüht sich die Regierung der Philippinen, die zerstörten Gegenden der Stadt wieder aufzubauen. Trotz aller Versprechen, dass die Stadt nach dem Wiederaufbau schöner sein wird, freut sich Gelyn nicht allzu sehr auf die Rückkehr in ihre alte Gegend.

«Ich will nicht zurückgehen, weil dort nichts mehr übrig ist», sagt sie. «Von unserem Haus stehen nur noch die Pfosten.» Auf die Frage, wo sie denn leben möchte, antwortet Gelyn mit einem Lächeln. «Egal. Irgendwo, wohin der Wind uns trägt.»