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SS-Maiden zerstören Ehen – Fliegeralarm störte Religionsunterricht

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Pfarrei Bischofswiesen: SS-Maiden zerstören Ehen – Fliegeralarm störte Religionsunterricht | 1945
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Das Foto von Josef Ametsbichler entstand um 1920. (Repro: Lena Klein)

Bischofswiesen – Erst am 10. August 1945 kam Pfarrer Josef Ametsbichler dazu, über die Auswirkungen der Kriegsjahre zu berichten. »Der religiöse Eifer ist mit dem Anwachsen des Krieges nicht gestiegen, sondern hat immer mehr nachgelassen«, beklagt er zu Beginn seines Schreibens. Die Religionsstunden in der Schule wurden durch den ständigen Fliegeralarm gestört. Auch die Kirchenbesuche litten unter den Gegebenheiten. Die Männer mussten für den Volkssturm üben, Zeit für den Kirchengang blieb nicht mehr.


Auch nach den Angriffen bemängelte Ametsbichler das Verhalten der Religiösen. »Trotz der Anwesenheit zahlreicher Soldaten, Arbeiter und Evakuierter, haben sich die Menschen im Allgemeinen sehr wenig religiös betätigt.« Er bedauerte auch den schlechten Einfluss der Soldaten und Evakuierten sowie der SS-Maiden und SS-Luftwaffenhelferinnen: »So manche Ehe hat den Kriegstod gefunden«, schreibt er, »aber keinen ehrenhaften«. Dennoch war auch die Pfarrei Bischofswiesen Bombenangriffen ausgesetzt. Der erste Angriff erfolgte am 20. Januar 1945. Rund 20 Bomben fielen über dem Gemeindegebiet ab. Dabei wurden ein Haus und ein Stadel beschädigt.

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Beim zweiten Angriff wurden in der Nähe von Hallthurm Bahngleise und die Straße an mehreren Stellen getroffen. Der dritte Angriff erfolgte am 25. April 1945. Ziel war der Obersalzberg. Es traf aber auch ein Bauernhaus in Bischofswiesen, das stark beschädigt worden ist. Zwei ungarische Soldaten starben.

»Die Bevölkerung war ein paar Tage lang in Angst und Sorge, da sie nicht wussten, ob gekämpft wird oder nicht«, schrieb Ametsbichler. Nach dem Einmarsch musste die Gemeinde weitere Todesopfer beklagen. Am 6. Mai wurden in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs fünf deutsche Offiziere von Franzosen erschossen. Pfarrer Josef Ametsbichler hat die Toten am 7. Mai eingesegnet und beerdigt.

Einen Tag später fand man drei erschossene SS-Männer in einer Kiesgrube in Winkl. Nur wenig später erstochen Franzosen zwei Panzerschützen auf einem Holzlagerplatz. Sie zerstückelten die Leichen und verbrannten sie. Auch ein unbekleidetes Mädchen wurde tot aufgefunden. Die Leiche eines Unbekannten, der am Eselsberg in Loipl gefunden wurde, ist in Berchtesgaden begraben worden. Franzosen und Fremdarbeiter plünderten später die Häuser. Sie hatten es auf Kleidung, Schmuck und Spirituosen abgesehen.

Pfarrer Josef Ametsbichler beendete seinen Brief mit den Worten: »Im Allgemeinen dürfen wir Gott danken, dass das ganze Berchtesgadener Land, wo die flüchtende deutsche Wehrmacht sich staute und auf das, wie sie selber wiederholt sagten, was die Feinde als die Wahlheimat des Führers und die Quelle allen Übels eine so besonders große Wut hatten, so glimpflich davon gekommen ist.« Lena Klein