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Staats- und noch bessere Künstler

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Zeichnungen wie »Die Nächstenliebe« von Raffael sind gerade im Salzburg Museum zu sehen. (Foto: Louvre/Laurent Chastel)

Wer den hübschen musizierenden Engel, der ein Vorgängermodell unserer Violine spielt, gezeichnet hat, ist nicht überliefert. Aber etwas ist bekannt: Letzte Hand an die Zeichnung eines italienischen Zeitgenossen hat Peter Paul Rubens gelegt. Er hat das Blatt also wohl einer großmeisterlichen Verbesserung für würdig empfunden.


Viele andere Blätter, die nun im Salzburg Museum zu sehen sind, kann man eindeutig Größen aus der Kunstgeschichte zuordnen: Den Profilkopf eines bärtigen Alten hat Andrea del Sarto um 1520 gezeichnet, und an diesem Werk könnte man ganz wunderbar das Menschenbild der Renaissance erklären. Das gilt natürlich beinah vorbildhaft auch für »Patriarchen und Apostel« von Giorgio Vasari, der vor allem ein namhafter Kunsttheoretiker seiner Epoche war und auf dieser Zeichnung nach 1571 zwei Figurengruppen in gar wundersamer Ausgeglichenheit einander gegenüberstellte. Michelangelo hat einen nackten Mann wohl, wie man aus dem feinnervigen, fast eiligen Duktus dieses Blatts herauslesen mag, als Studie rasch hingeworfen.

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Albrecht Dürer hat eine Studie der heiligen Barbara nicht nur signiert, sondern auch das Entstehungsjahr – 1521 – dazu geschrieben. Eine Dame mit Haarknoten schaut sehr züchtig aus, und tatsächlich: Da ist nicht eine eitle Adelige Raffael Modell gesessen, sondern das Blatt ist eine Studie für eine Allegorie – so stellte man sich in der Renaissance das Antlitz der Nächstenliebe vor. Ludovico Carracci hieß der Schöpfer des Blattes, das vorführt, wohin böse Taten führen können.

Die Ausstellung »Art Royal« mit etwa 80 Zeichnungen des Musée du Louvre ist ein sehr, sehr gutes Gegengeschäft für Salzburg. Die Kooperation hatte damit begonnen, dass Salzburg unter dem Titel »Geste baroque« von Oktober bis Jänner Meisterwerke in Paris präsentierte. Jetzt also revanchiert sich der Louvre mit »Art Royal« für die Salzburger »Art episcopale«.

Charles Le Brun und Pierre Mignard arbeiteten für den »Roi de Soleil«, Ludwig XIV. Der hat es sicherlich goutiert, wie ihn Le Brun auf dem Pferd reitend als jungen Mann über einen leblos am Boden liegenden Feind triumphieren ließ.

In der Hauptsache geht es in der Ausstellung aber um die ganz außerordentlichen zeichnerischen Schätze des Louvre. Es war damals alles andere als normal, dass sich jemand dem Sammeln von Zeichnungen widmete. Das Riesenkonvolut ist mit dem Namen Everhard Jabach verknüpft. Der Kölner Kaufmann und Bankier Everhard Jabach (1618 bis 1695) hatte seinen Wohnsitz seit 1638 in Paris und sammelte alte und zeitgenössische Kunst. Er war Bankier, Direktor der Ostindienkompanie, Direktor der Königl. Tapisseriemanufaktur Aubusson und stand in der Gunst von Kardinal Mazarin.

Bereits sein Vater besaß eine Kunstsammlung, die Jabach im Bereich der bildenden Kunst ausbaute. Dabei arbeitete er mit Kunstkennern und Sammlern zusammen. Es kam also nicht von ungefähr, dass sich Jean-Baptiste Colbert, Finanzminister des Sonnenkönigs, fast neun Jahre darum bemühte, Werke aus der Sammlung Jabachs für den König zu erwerben. Die Investition in Kunst war für ihn ein wesentlicher Punkt im stetigen Bemühen um das königliche Prestige. 1662 und 1671 kam der Handel schließlich zustande.

»Art Royal – Meisterzeichnungen aus dem Louvre« ist bis zum 3. September im Salzburg Museum zu sehen. Im Juli und August gibt es jeden Freitag um 9.30 Uhr eine Sonderführung durch die Ausstellung. Reinhard Kriechbaum