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Stadt Traunstein und Turnverein beenden Streitigkeiten

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Traunstein: Stadt und Turnverein beenden Turnhallen-Streitigkeiten
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Die neue Heimstatt des Turnvereins Traunstein ist die Halle, die der Landkreis für das Annette-Kolb-Gymnasium gebaut hat. Nach dem Einzug im Herbst hat der Verein nun auch einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Wegen der Corona-Krise ist zurzeit kein Sportbetrieb möglich. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadt und der Turnverein (TV) Traunstein beseitigten ihre Streitigkeiten: Sie regelten die Nutzung der neuen Turnhalle des Annette-Kolb-Gymnasiums (AKG) durch den TV. Rund eineinhalb Jahre hatten die Vertreter beider Seiten verhandelt. Jetzt verständigten sie sich und unterzeichneten den Nutzungsvertrag.


Wie aus ihrem Kreis verlautet, obliegt der Stadt die sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Sie übernimmt also die Aufgabe, die Außenanlagen im Winter von Schnee und Eis freizuhalten. Im Gegenzug beteiligt sich der Verein an den Betriebskosten.

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Der Vertrag steht schon seit einigen Wochen, doch erst jetzt sickert durch, dass er zustande gekommen ist. So hat die Stadt jetzt den Abschluss bekannt gegeben. Einzelheiten nannte sie aber nicht. Im Turnverein bereitet der Vertragsabschluss Freude. »Wir sind restlos zufrieden«, sagte Otto Baur, der Vorsitzende des TV, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

Der Landkreis hat die Turnhalle für das Gymnasium errichtet. In der unterrichtsfreien Zeit stellt er die Halle dem Vereinssport in Traunstein zur Verfügung – weshalb sich die Stadt auch mit einigen Millionen Euro an den Baukosten beteiligt hat. Um die Nutzung zu regeln, haben die Verwaltungen im Landratsamt und im Rathaus einen Vertrag abgeschlossen. Und im Rathaus wiederum erfolgt die Weitergabe der Hallennutzungszeiten: Die Stunden gehen an den Turnverein Traunstein.

Der TV hatte seine FranzEyrich-Halle samt KurtBinder-Halle in der Au aufgegeben. Er hatte Grund und Boden an die Stadt verkauft, die dort dann den Salinenpark errichtete. Im Gegenzug sicherte die Stadt dem Turnverein zu, dass er die neue AKG-Halle samt Anbau nutzen darf. Im Herbst letzten Jahres bezog der Turnverein die neue Heimstatt mit einer Reihe von Abteilungen. Der Sportbetrieb begann – doch der Nutzungsvertrag ließ weiter auf sich warten. Schon seit Wochen ist der Sportbetrieb wegen der Corona-Krise eingestellt.

Im Brennpunkt der Diskussionen um den Nutzungsvertrag stand vor allem auch, wie zwischenzeitlich aus den Verhandlungen verlautete, die sogenannte Verkehrssicherungspflicht einschließlich der Haftung: Die Stadt forderte, dass der Verein diese Verantwortung übernimmt und dann insbesondere die Außenanlagen im Winter von Schnee und Eis befreit. Auch erwartete sie, dass der Turnverein Betriebskosten in Höhe von rund 20.000 Euro im Jahr übernimmt. Der Turnverein winkte ab und sah sich außerstande, diese Auflagen zu erfüllen. Nun haben sich beide Seiten auf einen Kompromiss verständigt.

Baur freut sich, dass er und die anderen Vertreter des Turnvereins die Verkehrssicherungspflicht »wegverhandelt« hätten. Laut dem Vorsitzenden muss der Turnverein nun nicht das Gelände von Eis und Schnee freihalten – was er nach wie vor nicht zu leisten imstande wäre. Vielmehr obliege diese Pflicht der Stadt. Ein Winterdienst übernehme die Arbeit – und der Turnverein beteilige sich an den Kosten, die er verursacht.

Betriebskosten muss der Turnverein aber schon zahlen. Er hatte immer darauf verwiesen, dass er den Verkaufserlös mit in den Neubau der Halle eingebracht habe. Dieses Geld zählt in der Abrechnung für Wasser, Strom und Heizung nicht. »Wir übernehmen die Betriebskosten anteilig«, so der Vorsitzende.

Wie viel Geld der Turnverein aus dem Verkauf seiner bisherigen Heimstatt in der Au in den Neubau der Halle am AKG eingebracht hat, möchte Baur für sich behalten. Auch Zahlen für die jährlichen Betriebskosten, die auf den Turnverein zukommen, will er – auch weil sie sich bislang nur schlecht schätzen lassen – nicht nennen. Der Betrag sei auf jeden Fall aber »sehr hoch«. Baur: »Da müssen wir uns schon bis zur Decke strecken.« Der Vorsitzende lässt aber keine Zweifel daran, dass der Turnverein die finanziellen Herausforderungen, die auf ihn warten, bewältigen wird. »Wir werden es stemmen können.«

Die Vereinbarungen gelten – wie Baur in diesem Zusammenhang weiter mitteilt – nicht für immer und ewig, sie sind also nicht in Stein gemeißelt. Nach zwei oder drei Jahren werde man schauen, ob man in den Bestimmungen des Vertrags »nachjustieren« müsse.