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Langfristig Personal an Traunsteiner Kindergärten binden – Ordinariat und andere Träger in die Pflicht nehmen

Stadt zahlt Hälfte der Kosten für Berufspraktikantinnen

Traunstein – Eine grundsätzliche Entscheidung hatte der Stadtrat zu treffen, was die Einstellung zusätzlicher Berufspraktikanten in den städtischen Kindergärten angeht. Nach kurzer Diskussion einigte sich das Gremium darauf, die Hälfte der Personalkosten für derartige Stellen zu übernehmen, wenn die Kirche oder der Träger jeweils die andere Hälfte übernehmen.

Wie viel Personal brauchen die Traunsteiner Kindergärten? Der Stadtrat beschloss in seiner letzten Sitzung, Personalkosten für zusätzlich zum Personalschlüssel eingestellte Berufspraktikantinnen jeweils zur Hälfte zu übernehmen, sofern das Bischöfliche Ordinariat oder der Träger die andere Hälfte finanzieren. (Foto: Archiv dpa)

Anlass war ein Antrag des Kindergartens Heilig Kreuz, der für das nächste Kindergartenjahr eine Berufspraktikantin in Vollzeit einstellen möchte. Das würde aber den im Defizitvertrag der Einrichtung mit der Stadt Traunstein geregelten Anstellungsschlüssel überschreiten. Berufspraktikanten sind im letzten Jahr ihrer Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher und können wie Kinderpflegerinnen bereits selbstständig in der jeweiligen Gruppe mitarbeiten.

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Für Bedenken hatte bereits in der Stadtverwaltung die Überlegung geführt, dass bei kalkulierten 24 000 Euro Personalkosten für eine Berufspraktikantin in Vollzeit bei acht infrage kommenden Kindergärten mit bis zu 192 000 Euro Personalkosten gerechnet werden müsste.

Dass sich die Stadt zusätzlich zur Übernahme von jährlichen Defiziten der Kindergärten auch noch bei der Einstellung weiteren Personals engagiert, begründete Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) im Finanzausschuss wie auch in der letzten Stadtratssitzung in diesem Jahr mit dem »absolut leer gefegten Arbeitsmarkt für Erzieherinnen«. Dazu komme ein erhöhter Betreuungsaufwand angesichts der vielen Kinder mit Migrationshintergrund. »Wir hoffen, auf diesem Wege Berufspraktikanten zu bekommen, die uns später in den Einrichtungen als Erzieherinnen erhalten bleiben«, gab Kegel zu bedenken.

In der Beschlussvorlage der Verwaltung war zur Verdeutlichung erklärt worden, dass angesichts der prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt inzwischen Ballungszentren wie München dazu übergingen, zum Tarif noch finanzielle Zulagen zum Tariflohn zu zahlen, um Personal anzuwerben. Das wirke sich wiederum auf den Erzieher- und Kinderpflegerinnen-Mangel in Traunstein aus. Allerdings, so Kegel in der Stadtratssitzung, sei das nicht allein Aufgabe der Stadt. Um die Kirche und die anderen Träger der Kindergärten in die Pflicht zu nehmen, entschied der Stadtrat letztlich, die Personalkosten für je eine zusätzliche Berufspraktikantin pro Ganztagseinrichtung zur Hälfte mitzutragen, sofern Kirche oder andere Träger die andere Hälfte übernehmen. coho