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Standortfrage des Heizkraftwerks weiterhin ungeklärt

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Der Gemeinderat verzichtet nun auf ein Biomassekraftwerk zwischen den beiden Kiesgruben der Firma Heitauer. Stattdessen ist ein Heizkraftwerk im Bereich Winkl-Siedlung geplant. (Foto: Christian Wechslinger)

Bischofswiesen – Das vorgesehene Heizkraftwerk für Winkl soll auch Strom erzeugen können. Geplant ist der Umstieg von Biomasse auf Gas – mit der Möglichkeit, künftig auf Wasserstoff zu wechseln. Das hat der Gemeinderat Bischofswiesen bei drei Gegenstimmen (Oliver Schmidt, Ludwig Hochreiter, Wolfgang Fegg) beschlossen. Wo genau die Anlage hinkommt, wird der Gemeinderat erst später entscheiden. Kritik gab es hauptsächlich von der CSU.


Verzicht auf Biomassekraftwerk

Bürgermeister Thomas Weber betonte mehrmals: »Wir stehen erst am Anfang des Projekts.« Von einem finalen Beschluss sei man weit entfernt. Durch den Grundsatzbeschluss soll zunächst nicht nur eine Wärme-, sondern auch eine Stromerzeugung möglich sein. Das Unternehmen »BayernwerkNatur« kümmert sich als Partner um den Stromanschluss. Das heißt: Der Gemeinderat verzichtet nun endgültig auf ein Biomassekraftwerk zwischen den beiden Kiesgruben der Firma Heitauer. Hierbei hätte man nur Wärme erzeugen können. Stattdessen ist ein Heizkraftwerk im Bereich Winkl-Siedlung vorgesehen.

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Ungeklärt bleibt allerdings der genaue Standort der Anlage. Bürgermeister Thomas Weber wollte nicht voreilig entscheiden. »Wir müssen alle Möglichkeiten prüfen«, sagte er. Deshalb plant er gemeinsam mit Vertretern von »BayernwerkNatur« eine Besichtigung der Heizkraftwerke in Freilassing und Ruhpolding. Weber will in kleinen Schritten vorangehen.

Oliver Schmidt (CSU) hat sich den Weg anders vorgestellt. Zwar unterstützt er ein lokales Heizkraftwerk in Winkl. Sein Wunsch war es allerdings, dass die Gemeinderäte zuerst die Heizkraftwerke besichtigen und die Bürger informieren, bevor man den Grundsatzbeschluss fasst. »Eine Besichtigung ist wichtig. Ich will dort hören, riechen, schmecken«, sagte Schmidt. Erst dann wisse er, ob man das Projekt umsetzen könne.

Der Rathauschef verstand Schmidts Ängste. Und in Zeiten vor Corona hätte Weber sofort einen Bus für eine Besichtigung organisiert. »Wir wollen trotzdem den Bürgern zeigen, wie wir mit unserem Partner die Planungen vorantreiben.« Paul Grafwallner (UBB) regte an, den Beschluss zu erweitern: »Der Gemeinderat soll vor Vertragsabschlüssen und Baubeginn beteiligt werden, damit wir auch Schmidts Ängste nehmen können.« Thomas Weber nahm Grafwallners Anregung in den Beschluss auf.

Hans Metzenleitner (SPD) hält den derzeitigen Weg für die richtige Lösung. »Das Heizkraftwerk kann ein ökosoziales Meisterprojekt werden. Wir haben uns in den vergangenen Jahren ständig gesteigert«, so Metzenleitner. Die Bedingungen für eine lokale Energieerzeugung seien in einer dichten Siedlung ideal. Doch der Sozialdemokrat forderte, frühzeitig in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Dieser Aspekt sei laut Wolfgang Fegg (CSU) das Wichtigste. Man müsse die Bewohner von Winkl-Siedlung von Anfang in das Vorhaben miteinbinden. Daher schlug er vor, die verschiedenen Anlagen zu filmen und das Ergebnis auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen. Thomas Weber lobte Feggs Lösungsvorschlag: »Es ist wichtig, die Bürger darüber zu informieren. Wir müssen sie mitnehmen.«

Richtige Technik

Ähnlich sah es Michael Sturm (Die Grünen). Er wünscht sich ebenfalls eine Beteiligung der Bürger. Zudem forderte der Kommunalpolitiker, bereits jetzt die richtige Technik anzuschaffen. »Ich finde es gut, wenn wir beim Heizkraftwerk in Zukunft von Gas auf Wasserstoff umsteigen können«, sagte Sturm. Allerdings dürfe der Umstieg nicht an einer veralteten Technik scheitern.

Laut Andreas Stanggassinger (CSU) dürfe man aber auch nicht zu früh auf Wasserstoff umsteigen. Wenn die Technologie noch nicht ausgereift ist, würde man unnötig Energie zum Heizen verlieren. Dem stimmte Weber zu: »Wir dürfen uns nicht zu schnell in die Pilotphase stürzen.« Ansonsten hält Stanggassinger die zentrale Energieversorgung für eine gute Idee. »Wir müssen nur den Standort so wählen, dass wir ein Wärmeverbundnetzwerk aufbauen können«, sagte er.

Wolfgang Fegg möchte zum Wohle des Klimaschutzes lieber ein Biomassekraftwerk, auch wenn die behördlichen Hürden größer seien. Die Anlage scheiterte damals, weil sie im Landschaftsschutzgebiet aufgestellt worden wäre. Gas wäre zwar wirtschaftlicher, doch der Energieträger hätte einen zu hohen CO 2-Ausstoß. Des Weiteren sei man für die Energieversorgung von anderen Ländern abhängig. Verwendet man stattdessen Hackschnitzel, könne man den Wald gefährden. Allerdings sei der CO 2-Ausstoß deutlich geringer. »Für mich zählt in diesem Fall zuerst der Klimaschutz und dann der Naturschutz vor Ort.« Dennoch sagte der Dritte Bürgermeister: »Jede Richtung, die wir gehen, führt zu einer Reduzierung der Emissionen vor Ort.« Deshalb konnte er mit einem Lachen gegen den Beschluss stimmen.

»Uns geht es um mehr«

Thomas Weber ist anderer Meinung: »Uns geht es um mehr. Wir wollen Strom und Wärme.« Mittels Hackschnitzel könne man keinen Strom produzieren. Thomas Resch (FWG) erinnerte an die Entscheidung zur Energieversorgung der Schule. Damals waren alle von der Hackschnitzelheizung begeistert. Allerdings wurde die Entscheidung gekippt, weil Gas die wirtschaftlich bessere Lösung war. »Es ist ein Déjà-vu. Wir brauchen nun wieder Mut für diesen Schritt. Doch nur so schaffen wir eine sukzessive Erweiterung der Anlage«, sagte der Zweite Bürgermeister.

Patrick Vietze