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Starker Auftakt mit bleibender Ereignisdichte

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Im Bibliothekssaal musizierten (von links) David Frühwirth an der Geige, Alexander Moshnenko an der Bratsche und Sebastian Klinger am Cello. Hinten greift Milana Chernyavska in die Tasten des Flügels. (Foto: Marco Frei)

Es sind vor allem die kleineren Musikreihen, die das überreiche Kulturleben im ländlichen Raum Oberbayerns tragen. Sie werden ermöglicht von Privatpersonen, die kein finanzielles Risiko und keine organisatorische Mühe scheuen. Ohne sie wäre das Musikleben zwischen München und Salzburg ungleich ärmer, zumal die öffentlichen Fördermittel weder ausreichen noch langfristig garantiert sind.


Zu diesen Idealisten zählt Claudia Trübsbach aus Prien. Mit ihren »Insel-Konzerten« auf Herrenchiemsee bespielt sie nicht nur einfach den schmucken Bibliothekssaal im alten Augustiner-Chorherrenstift: Tatsächlich bereichert diese Kammerreihe ganz wesentlich das Musikleben der Region, um weit darüber hinaus einen exzellenten Ruf zu genießen. Vor genau 15 Jahren starteten die verdienstvollen »Insel-Konzerte«, was in diesem Jahr gebührend gefeiert wird.

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Schon der Auftakt der diesjährigen Reihe hätte glanzvoller nicht sein können. Mit Milana Chernyavska präsentierte sich im Bibliothekssaal eine Pianistin, die zu den prägenden Stimmen der Kammermusik-Szene zählt. Sie reiste mit Musik-Partnern an den Chiemsee, die ihrerseits Maßstäbe der Interpretation setzen. Das gilt gerade auch für den Cellisten Sebastian Klinger.

In der Region ist Klinger bestens bekannt: Beim Kammermusik-Festival »Festivo« in Aschau gehört der frühere Solo-Cellist des BR-Symphonieorchesters zu den Stamm-Musikern. Für den erkrankten Rudens Turku sprang der Geiger David Frühwirth ein, wohingegen Alexander Moshnenko die Bratsche strich. Dabei punkteten die Musiker vor allem mit dem Klavierquartett op. 47 von Robert Schumann.

Eine unerhörte Ereignisdichte war zu erleben, zielgenau und stilsicher. Das »Andante cantabile« wurde ein besonderer Höhepunkt. Hier war es Klinger, der aus dem Cello-Solo eine lyrisch-kantable Klangpoesie von berührender Schönheit erwachsen ließ. In Klingers Spiel vereinen sich feinsinnige Intuition und kenntnisreiche Differenzierung zu einer unschlagbaren Doppelkraft. Für jede Epoche und jeden Stil findet er die richtige Artikulation.

Überdies musizierte das Quartett in Schumann mit einer Stimme: originäre Kammermusik vom Feinsten. Im frühen Klavierquartett C-Dur von Beethoven wirkte hingegen das Zusammenspiel noch etwas zu geigenlastig, obwohl die Instrumente schon hier vom erst 15-jährigen Beethoven erstaunlich gleichberechtigt behandelt werden. Auf das »Adagio con espressione« greift Beethoven später im »Andante« der ersten Klaviersonate op. 2 Nr. 1 wieder zurück. Überaus farbenreich gestalteten zudem Chernyavska, Frühwirth und Moshnenko einige Stücke aus op. 83 von Max Bruch. Mit der »Passacaglia« für Violine und Viola des 1935 verstorbenen Johan Halvorsen nach Themen von Händel kam schließlich ein virtuoses Bravourstück in Paganini-Manier zu Gehör – intensiv und dicht. Eine kunstvolle Bearbeitung von Moshnenko des »Ungarischen Tanzes« Nr. 5 von Brahms für Klavierquartett rundete diesen bleibenden Auftakt der »Insel-Konzerte« ab. Marco Frei