Staudach-Egerndach ist nun ein Erholungsort

Die Attraktivität des Orts steigern: Staudach-Egerndach ist nun Erholungsort
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Bürgermeisterin Martina Gaukler freut sich, dass die Gemeinde Staudach-Egerndach nun offiziell Erholungsort ist.

Staudach-Egerndach – Nach über drei Jahren seit der Beantragung darf sich die Gemeinde Staudach-Egerndach nun offiziell als Erholungsort bezeichnen. Die Urkunde wurde kurz vor der Jahreswende von der Regierung an die Gemeinde überreicht. Unsere Mitarbeiterin Tamara Eder sprach mit Bürgermeisterin Martina Gaukler über den Hergang bis zur Zertifizierung, die Kosten wie auch die Vorteile:


Kurz vor dem Jahreswechsel wurde die Gemeinde zum Erholungsort ausgezeichnet. Wie lange dauerte es, bis das Prädikat erteilt wurde?

Martina Gaukler: »Im September 2018 wurde im Gemeinderat der Beschluss, das Prädikat Erholungsort zu beantragen, gefasst. Es folgte ein sehr umfangreiches Antragswerk. Alles musste in fünffacher Ausführung eingereicht werden«.

Welche Gründe gab es für die Beantragung?

Gaukler: »Ein Grund ist der Tourismus, der einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren unserer Gemeinde ist und zur Lebensqualität von uns allen beiträgt. Mit der Anerkennung zum Erholungsort soll die Attraktivität steigen, vor allem, wenn offiziell nachgewiesen ist, dass man sich bei uns erholen kann«.

Welche Kriterien mussten für die Anerkennung erfüllt werden?

Gaukler: »Natürlich muss der Erholungswert nachgewiesen werden. Die gute Trinkwasserqualität, Abwasserentsorgung, Boden und Luft ohne Belastung musste mit Gutachten nachgewiesen werden. Die Luftqualitätsbewertung wurde beim Wetterdienst beantragt und uns wurde eine hervorragende Luftqualität bescheinigt. Es musste auch ein Lageplan, Ortsprospekte, Wanderkarten, ein Veranstaltungsplan und vieles mehr eingereicht werden. Die Mindestkriterien wie eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste von mehr als drei Tagen konnte leicht nachgewiesen werden und auch die geforderte Bettenzahl mit 100 war mit derzeit 168 Gästebetten kein Problem. Zudem muss die Übernachtungszahl das Siebenfache der Einwohnerzahl erreichen und auch das konnten wir mit rund 18.000 Übernachtungen leicht nachweisen«.

Wie ging es nach dem Antrag weiter?

Gaukler: »Nachdem alles geprüft war, gab es im Juli einen Ortstermin von Vertretern verschiedener Ministerien, darunter Innenministerium, Wirtschaftsministerium, Gesundheitsministerium und vom Bayrischen Gemeindetag. Zunächst wurde die Almenausstellung besichtigt und eine Präsentation der Gemeinde gezeigt. Weiter ging es zum Wanderparkplatz Mühlwinkl. Es folgte ein Ortsspaziergang an denkmalgeschützten Gebäuden auf Wanderwegen vorbei und eine Einkehr in die Gastwirtschaften. 'Sie wollen ein Gefühl für die Gemeinde bekommen und erfahren, ob sich der Gast auch wohlfühlt', sagten die Vertreter und waren auch begeistert.«

Eine derartige Anerkennung kostet wahrscheinlich einiges. Was musste die Gemeinde hierfür investieren?

Gaukler: »Die Kosten hielten sich im Rahmen. Das Luftgutachten hat 4000 Euro gekostet. Das war auch ein Grund warum wir die Anerkennung als Erholungsort und nicht als Luftkurort beantragt habe. Beim Erholungsort muss die Luftqualität nur einmal nachgewiesen werden, beim Luftkurort muss eine Zertifizierung alle fünf Jahre erfolgen und kostet entsprechend viel mehr. Insgesamt summierten sich die gesamten Ausgaben auf 4500 Euro.«

Gab es eine Hürde, die nicht leicht zu erreichen war?

Gaukler: »Eigentlich nicht. Nachfragen kamen aber, weil angeblich zu wenig Betten zertifiziert sind und auch hinsichtlich der Achental gKU wurde gefragt. Wir konnten die Zertifizierungen nachweisen und den zeitgemäßen Service für die Gäste belegen.

Worin liegt der Mehrwert der Anerkennung für die Gemeinde?

Gaukler: »Bisher waren wir ein grauer Fleck, was die Anerkennung betrifft. Alle umliegenden Gemeinden sind entweder Luftkurort oder Erholungsort. Ich glaube, die Gäste schauen bei ihrer Wahl schon auf diese Zertifizierung und die Gemeinde kann damit werben. Auf den Ortseingangstafeln wird das auch noch vermerkt.«

Früher mussten die Vermieter das sogenannte Bettenzehnerl an die Gemeinde zur Mitfinanzierung des Tourismus abtreten. Wie sieht das nun aus?

Gaukler: »Das Bettenzehnerl erhob der Verkehrs- und Verschönerungsverein und das bereits seit 1956. Zukünftig wird eine Kurabgabe durch die Gemeinde erhoben. Diese Kurabgabe müssen Gäste auf der ganzen Welt zahlen. Die Kurabgabe wird vom Vermieter erhoben und an die Gemeinde weitergereicht. Die Kurabgabe zahlt der Gast. Damit soll der Tourismushaushalt der Gemeinde, wir zahlen gute 50.000 Euro, teilweise gedeckt werden. Eine Kurbeitragssatzung muss noch erlassen werden. Die Vermieter wurden schon informiert.

Wie hoch wird der Kurbeitrag?

Gaukler: »Bislang musste pro Übernachtung 70 Cent gezahlt werden. Das wird auf 1,50 Euro pro Übernachtung für Erwachsene steigen. Kinder ab sechs Jahren kosten dann einen Euro. Die Satzung wird in einer der nächsten Sitzungen des Gemeinderats erlassen. Übrigens erheben wir die 1,50 Euro aufgrund der Kalkulation der Kosten. Damit sind die Ausgaben für den Tourismus nicht gedeckt«.

Wird es auch eine Fremdenverkehrsabgabe geben?

Gaukler: »Eine Fremdenverkehrsabgabe werden wir nicht erheben. Das wäre so wenig, dass der Verwaltungsaufwand den Ertrag überschreiten würde.«

Welche Hoffnungen hegen Sie mit einer Auszeichnung?

Gaukler: »Mich freut, dass man sich offiziell, egal ob als Gast oder Einheimischer in Staudach-Egerndach erholen kann. Für die Zukunft hoffe ich, dass der ein oder andere private Vermieter dazugewonnen werden kann.«

Tamara Eder