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Stellungskrieg im Wohnzimmer

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Die drei Freunde (von links) Michael Gallinger (Mark), Christian Prandl (Anton), und Klaus Bierdimpfl (Heinz) diskutieren vor dem Objekt »Weiße Streifen auf weißem Hintergrund«. (Foto: Heel)

An (moderner) Kunst scheiden sich bekanntlich die Geister. Diese Erfahrung müssen auch Anton, Mark und Heinz machen, drei seit vielen Jahren befreundete Männer.


Denn als Anton für 200 000 Euro ein Bild erwirbt – weiße Streifen auf weißem Hintergrund – reagiert Mark empört und nennt das Werk »weiße Scheiße«. Zumal Anton sich das Bild eigentlich nicht leisten konnte bzw. nun pleite ist. Heinz soll vermitteln und macht beiden Seiten Zugeständnisse, was die Lage allerdings nicht verbessert. Für Mark bleibt das Bild »eine Scheiße«, für Heinz ist es immerhin »eine Scheiße mit einem Gedanken dahinter«, für Anton bleibt es Kunst. So zerstreiten sich die drei Freunde immer mehr, wobei aus Meinungsverschiedenheiten über Kunst und Geldinvestitionen rasch ein schonungsloser Diskurs über Freundschaft und Toleranz wird, bei dem zuletzt sogar die Fäuste fliegen.

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Mit dem Theaterstück »Kunst« hat sich die Autorin Yasmina Reza, 1959 als Tochter eines iranischen Ingenieurs und einer ungarischen Violinistin in Paris geboren, 1994 schlagartig in die erste Liga der weltweit gespielten Dramatiker katapultiert. Wie in ihrem Meisterwerk »Der Gott des Gemetzels« (2006) ist auch hier ein eher banaler Konflikt Ausgangspunkt für einen Streit, der die gutbürgerliche Fassade der Akteure zum Kippen bringt und Seiten in ihnen weckt, die sie bislang unterdrückt haben. Jetzt hat Franz Josef Fuchs vom Fabriktheater Traunstein das Stück im Traunsteiner Studio 16 auf die Bühne gebracht, bestens besetzt mit Christian Prandl (Anton), Michael Gallinger (Mark) und Klaus Bierdimpfl (Heinz), die ihre scharf gezeichneten Rollen ausdrucksstark und kraftvoll ausfüllten, auch wenn der häufige Wechsel zwischen Hochdeutsch und Dialekt etwas irritierte. Von Fuchs flüssig und schnörkellos inszeniert, geraten die zahlreichen Wortgefechte zwischen den drei Männern so zu einem nervenaufreibenden Stellungskrieg im Wohnzimmer, wobei die Frontlinien ständig wechseln, Komik und Drama sich die Hand geben. Leidtragender ist dabei vor allem Heinz, der nicht nur (erfolglos) versucht, die beiden Streithähne zu beruhigen, sondern noch in ganz anderen, größeren Schwierigkeiten steckt, kundgetan in einem furiosen Monolog, der für viele Zuschauer der Höhepunkt des Abends ist.

So wird das Stück auch zu einer Reflexion über Angst und Leere, was sich schon zu Beginn andeutet, denn Anton kauft das Bild nur, um nach seiner Scheidung seine Sinnkrise mit einem neuen Hobby zu kompensieren. Und auch Marks Empörung speist sich letztendlich aus der Angst, seinen Freund Anton zu verlieren. Wenn es dennoch ein versöhnliches Ende gibt, dann auch deshalb, weil Autorin Yasmina Reza den Mythos Männerfreundschaft zwar ankratzt, aber nicht wirklich infrage stellt.

Drei weitere Aufführungen (im Rahmen der Traunsteiner Theatertage) finden am 24./25./26. März in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Wolfgang Schweiger

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