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Stets mit beiden Beinen auf der Bühne

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Maximilian Mayer vom SB Chiemgau Traunstein II klärt hier vor TuS-Akteur Waldemar Daniel, dem Schützen des 1:0. (Foto: Weitz)

Einen unterhaltsamen und witzigen Abend bereitete der Kabarettist Hannes Ringlstetter den Unterwössnern im dortigen vollbesetzten Gemeindesaal. Schnell war der Knoten geplatzt, und in der so geschaffenen familiären Atmosphäre präsentierte Ringlstetter sein Programm »Meine Verehrung«.


Kurz erklärte Ringlstetter, dass sich hinter diesem Titel seine persönliche Hochachtung für eigentlich alles und jeden und insbesondere für sich selbst verbirgt. Dann nahm er das Publikum mit auf eine Reise von seiner frühesten Jugend bis ins Heute. Klavierunterricht und Ministrantendienst waren die ersten Stationen seines bewussten Lebens. Jetzt begegneten die Zuhörer das erste Mal seinem Freund Sepp Reisinger jun. jun., der ihn noch weit in seinem Leben begleitete. Die Reise als Austauschschüler nach England prägte seine Persönlichkeit und verlegte seine bisherigen Lebensziele auf das andere Geschlecht. Auch wenn er aus spätpubertären Zeiten die Lebensweisheit mitnahm »Sex wird erst dann zum Problem, wenn eine zweite Person hinzukommt«.

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Der Kindheitsfreund Reisinger jun. jun. lief ihm da wieder über den Weg. Vor allem dessen urbayerische Familie, namentlich Großvater Reisinger sen., setzte die Wegzeichen in die Zukunft. Heraus kamen altbewährte Männerweisheiten: »Schönheit vergeht, aber Baugrund besteht« oder »Was soll ich fortfahren, mir gefällt's ja hier schon net«. Ein vorläufiges Ende fanden seine Erinnerungen in der Jetzt-Zeit mit Münchner Altbau-Arschlochpärchen. Diese Gattung sei sehr einfach zu erkennen an High Heels auf Altbauparkett und an den Heil- und Gesundheitssteinen in der Wasserkaraffe auf dem Esstisch.

Das Besondere an Ringlstetters Reise durch die Zeit ist seine Fähigkeit, mit wenigen ausdrucksstarken Begriffen Erinnerungen aus der eigenen Kindheit hervorzurufen, die man eigentlich schon vergessen wähnte. Kopfkino, das einen wieder vor das Radio der Kinderzeit mit damaligen Lieblingssendungen versetzt. Da war die in die Kirche der eigenen Ministrantenzeit heraufbeschworene Geräuschkulisse aus dem frühen Gottesdienst. Das ließ sogar die Gerüche und das Knarren der Kirchenbänke ins Gedächtnis zurückkehren.

Dann kam hinzu, dass dem Ringlstetter seine Szenen der Kindheit später immer wieder begegneten. Als Running Gag, als abgewandelter, wiederkehrender Witz begleiteten diese Szenen die Zuschauer durch den Abend. In der Haschpfeife des englischen Austauschschülers hörte Ringlstetter die gleichen keuchenden und ächzenden Geräusche wie aus den knarrenden Blasebälgen der Kirchenorgel der Kinderzeit. Ringlstetters lautmalerische Imitation bewies das nachdrücklich.

Plastisches Beispiel seiner Fähigkeit, mit kraftvollen Worten präzise und eindringlich zu beschreiben, ist seine schon legendäre Darstellung der »Dreifaltigkeit der dörflichen Züchtigung«. Darin unterscheidet er zwischen Schelle, Watsche und Fotze. Das Herausstellungsmerkmal der Fotze sei die »Dislokation«, weiß Ringlstetter. Das meint: »Nach einer Fotze darf man nicht mehr am selben Ort stehen wie zuvor, sonst war das im Höchstfall eine Watsche«, so Originalton Ringlstetter.

Und wenn sich ein begeisterter Zuschauer wieder einmal nicht zurückhalten konnte und einen Kommentar auf die Bühne warf, dann zeigte sich Ringlstetters weitere Fähigkeit: Reaktionsschnell und flexibel beantwortete er diesen Einwurf und band ihn dann in seinen Vortrag ein.

Begleitet wurde der ganze Abend von seiner Musik und seinem Gesang. Er spielt Klavier – seit seiner Mozartzwangsverehrung im 5. Lebensjahr – , Gitarre und Keyboard. Dazu parodierte er Personen in Gestik, Stimme und Ausdruck. Das reichte von den österreichischen Liedermachern bis hin zu Howard Carpendale. Einzelne Damen im Saal durften sich wünschen, ganz exklusiv und namentlich von ihm in seinen Songs angeschmachtet und verehrt zu werden.

Ganz besonders auch die Art Ringlstetters, nach einem selbst gespielten Werbejingle die Zuhörer zum Kauf der CD zu animieren, beeindruckte die Zuhörer. Er machte das argumentativ: Erstens komme der Verkaufserlös nicht ihm, sondern seiner Mutter zugute. Die drohe zu vereinsamen, seitdem der hochbetagte Vater den ganzen Tag vor dem Computer sitzt, um Wikipedia-Artikel im Internet zu korrigieren. Zweitens komme das Geld seinem persönlichen und anwesenden Mitarbeiter zugute. Einmal, weil der Vater zweier Kinder ist. Dann aber auch, weil der Jäger ist. Fürchten müssten sich die Zuhörer nicht vor einem frustrierten Meuchelmörder. Aber Veganerinnen sollten erwägen, dass der Mitarbeiter vor lauter Einkommensfrust Tiere schießt. Drittens drohe einem jeden CD-Nichtkäufer über die Spanne von 3,8 Millionen Jahren Fegefeuer. Und es solle nun niemand sagen, Ringlstetter hätte die Höllensünder ihn nicht gewarnt.

Kein Wunder, dass angesichts solchen Werbens das Publikum nicht mehr an sich halten konnte und mit brüllendem Gelächter und Schenkelklopfen reagierte.

Alles in allem also ein sehr flexibler, äußerst unterhaltsamer und sympathischer Künstler, der zu jedem Zeitpunkt mit beiden Beinen auf der Bühne stand und dem Publikum viel Freude brachte. Für die Gastgeber der Veranstaltung, die Wirtsleute Ingrid und Wilhelm Fechtig, war der Abend ein voller Erfolg in ihrem ständigen Bemühen gute Kabarettisten auf die Bühne des Wössner Gemeindesaals zu bringen. Lukk