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Vater und Sohn Fegg lassen heute wieder am Kalvarienberg ihre Flügelhörner erklingen

»Stille Nacht« vor der Bumbermettn

Berchtesgaden – Heute Abend gibt es wieder ein besonderes Klangerlebnis: Um sieben Minuten vor halb zwölf in der Heiligen Nacht blasen Vater und Sohn, beide heißen Hansi Fegg, mit ihren Flügelhörnern vom Kalvarienberg aus das weltberühmte Lied »Stille Nacht, Heilige Nacht« hinüber zu den Standplätzen der Stanggasser Weihnachtsschützen am Ponnzenzenbichl, zu den Markterer Weihnachtsschützen am Lockstein, zur Herzogberger Weihnachtsschützengesellschaft, zu den Engedeyer Weihnachtsschützen am Sonnenhof und hinunter in den Markt Berchtesgaden.

So werden sie heute vor der Bumbermettn wieder am Kalvarienberg stehen: Vater und Sohn Hansi Fegg spielen das Weihnachtslied »Stille Nacht«. (Foto: B. Stanggassinger)

»Es ist ein besonderer Moment«, erzählt der Fegg Hansi, und nach den ersten Tönen bekommt der Zuhörer Gänsehaut. Ein besonderer Moment ist es auch für die vielen Schützen, die sich kurz vor Beginn der Bumbermette auf ihren Standplätzen eingerichtet haben und mit geladenen Böllern in den Talkessel und auf die Stiftskirche blicken. Keiner bleibt unberührt von den Klängen der Weisenbläser und dem Anblick des Berchtesgadener Landes in der Heiligen Nacht.

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Der Sohn Hansi Fegg bläst die erste Stimme, der Vater die zweite Stimme – beide auf in B gestimmten Flügelhörnern. Die beiden Musikanten sind Struber Weihnachtsschützen, der Vater seit 1987 Schützenmeister. Dies hat den Vorteil, dass er nur den Rucksack mit seinem Instrument zum Standplatz am Kalvarienberg tragen muss. Sein Sohn hingegen muss das Instrument, Böller, Pulver, Schlegel in den Rucksack packen und man geht zu Fuß von Strub aus auf den Kalvarienberg.

Treffpunkt ist um 22.30 Uhr die Burgerkapelle, hier gibt es eine Ehrensalve für die verstorbenen und gefallenen Schützenkameraden. Über die Gmundbrücke geht es hinauf auf den Soleleitungsweg und in Richtung Kalvarienberg. Am Steg wartet um 23 Uhr der Schützenmeister auf den Glockenschlag der Stiftskirche und stellt seine eigene Uhr auf dieselbe Zeit ein. Das muss genau stimmen, denn mit dem Glockenschlag fällt die erste Salve.

»Erst das Instrument auf den Rucksack und dann das Kommando zur Salve, das geht Schlag auf Schlag. Wir hatten schon Temperaturen von minus 17 Grad«, erzählt der Fegg Hansi sen. »Das Mundstück hab ich im Hosensack, da fehlt nix, aber das Instrument musst du vorher gut ölen, dann wird es in eine Isomatte eingewickelt und kommt in den Rucksack.«

Etwa 60 Struber Schützen schießen am Heiligen Abend. Sie teilen sich auf – ein Teil schießt bei der Mette in der Strub bei ihrer Kirche St. Michael am Standplatz am Krennlehen und ein Teil am Kalvarienberg. Letzteren Standplatz haben die Struber Schützen bereits seit 1900.

Die Aufteilung erfolgt bei der Pulverausgabe. Hier muss der Schütze angeben, an welchem Standplatz er zur Mette schießen will. Ab 1977 wurde zunächst in der Strub vor Beginn der Mette das Lied »Stille Nacht« geblasen. Damals blies der Fegg Hansi mit dem Krenn Sepp. Seit 1990 wird das Lied am Kalvarienberg gespielt, zuerst vom Angerer Micherl und vom Pfnür Franz, seit 2004 vom Fegg Hansi.

Nach dem Schießen wünschen sich die Schützenkameraden per Handschlag »Guade Feiertag« und gehen wieder zu Fuß nach Strub in die Christmette. Kurz vor der Wandlung erreichen sie die Kirche St. Michael. »Nach der Metten gibt´s dahoam nu a Mettensupp'n und a halbe Bier«, sagt der Hansi. Das hat er sich verdient nach all der Anspannung als Weisenbläser und der Verantwortung als Schützenmeister. Bernhard Stanggassinger