Stiller Wald als mögliches Modell in Bad Reichenhall –Pilotprojekt der Bayerischen Staatsforsten bei Mittenwald begutachtet

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Stadtrat Andreas Staller, Stadträtin Stephanie Kunz, Forstbetriebsleiter Berchtesgaden Dr. Daniel Müller, der Betreuer des Naturfriedhofes Matthias Wurmer, Stadträtin Vera Kaniber, Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung, die Stadträte Werner Mägerle und Martin Schoberth sowie der Bereichsleiter „Immobilien und Weitere Geschäfte“ der Bayerischen Staatsforsten Rainer Droste (v.l.) besichtigten gemeinsam den „Stillen Wald“ bei Mittenwald. Foto: Stadt Bad Reichenhall

Bad Reichenhall – Im Mai dieses Jahres eröffneten die Bayerischen Staatsforsten im Elmauer Tal bei Mittenwald auf einer Fläche von 31 Hektar ihren ersten Naturfriedhof. Der sogenannte „Stille Wald“ ist der erste Begräbniswald im bayerischen Alpenraum und zugleich ein Pilotprojekt der Bayerischen Staatsforsten, die damit dem zunehmenden Bedürfnis vieler Naturliebhaber nachgekommen sind, ihre letzte Ruhe im Wald zu finden.


Auch an Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung ist dieser Wunsch schon des Öfteren herangetragen worden. Aus diesem Grund reiste er gemeinsam mit den Reichenhaller Stadträten Andreas Staller, Stephanie Kunz, Vera Kaniber, Werner Mägerle und Martin Schoberth sowie dem Forstbetriebsleiter Berchtesgaden Dr. Daniel Müller nach Mittenwald, um sich vor Ort ein Bild darüber zu machen, ob auch für Bad Reichenhall ein solches Projekt infrage käme.

Denn die Staatsforsten haben geplant, an weiteren besonders schön gelegenen Waldorten in Bayern in enger Kooperation mit der jeweiligen Kommune zusätzliche Stille Wälder einzurichten. Wie die Reichenhaller Vertreter erfuhren, wird in diesen Wäldern keine reguläre Forstwirtschaft mehr betrieben, es finden lediglich Maßnahmen der Baumpflege und der Verkehrssicherung statt. Ansonsten bleiben die Waldflächen in ihrer Natürlichkeit erhalten, die Grabpflege übernimmt quasi die Natur.

Der Stille Wald verfügt auch über einen überdachten Andachtsplatz. Dieser dient als zentrale Gedenk- und Abschiedsstätte und kann genutzt werden, um eine individuelle Trauerfeier zu gestalten. So kann der Andachtsplatz auch geschmückt werden, beispielsweise mit Blumenschmuck, Bildern oder religiösen Symbolen.

Der Betreuer des Naturfriedhofes Matthias Wurmer berichtete den Anwesenden, dass die Asche der Verstorbenen in eigens von den Staatsforsten entwickelten biologisch abbaubaren Urnen aus heimischem Vollholz beigesetzt wird. Um eine würdevolle Bestattung im christlichen Sinne gewährleisten zu können, ist der Bereich mit Holzpfosten umfriedet und anhand von kleinen Gedenktafeln, die an den Bäumen angebracht sind und an die Verstorbenen erinnern, eindeutig als Grabstätte zu erkennen. Die Waldflächen stehen auch wie bisher der Bevölkerung offen. Eine Tatsache, die Oberbürgermeister Dr. Lung sehr begrüßt: „Besonders erwähnenswert ist an diesem Konzept, dass der Stille Wald nicht nur den Verstorbenen als letzte Ruhestätte dient, sondern auch von den Bürgerinnen und Bürgern weiterhin zur Erholung und als Naturerlebnis genutzt werden kann. Auch wenn es jeweils eine urpersönliche Entscheidung ist, stellen wir fest: Alternative Bestattungsformen sind sehr gefragt, der Trend geht spürbar immer mehr hin zur Natur. Wir ziehen ein positives Fazit aus dieser gemeinsamen Begehung und können uns einen Stillen Wald auch in Bad Reichenhall sehr gut vorstellen“, so das Resümee des Oberbürgermeisters.

In einem anschließenden Austausch mit dem Mittenwalder Bürgermeister Enrico Corongiu zeigte sich dieser sehr angetan von dem neuen Projekt und berichtete über die durchweg positive Annahme des Stillen Waldes vonseiten der Bürgerschaft.

fb/red