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Stimmliche Brillanz gepaart mit Ausdrucksgefühl

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Juan Diego Flórez bezauberte die Zuhörer in den zahlreichen Zugaben mit spanischen Liedern. (Foto: Aumiller)

Freude auf beiden Seiten, von Publikum und Sänger, über die live-Begegnung im Großen Festspielhaus in Salzburg. Startenor Juan Diego Flórez machte in seinen erfolgreichen Karrierejahren vor Corona seine Zuhörer süchtig auf seine brillanten Höhenflüge mit den strahlenden Spitzentönen. Jetzt zeigte er sich von einer neuen Seite seiner sängerischen Künste.


In der ersten Hälfte seines Programms überraschte er mit deutschen Liedern vom Jahresregenten Ludwig van Beethoven und mit »Hits« von Richard Strauss. In makellosem Deutsch und feinsinniger Lyrik servierte er diesen Liebeslieder-Reigen mit »Adelaide«, »Der Kuss« oder »Sad and luckless« aus den irischen Liedern mit feinen Nuancen und Farben im stimmlichen Ausdruck. Ob freudiger oder melancholischer Auslotung des Textes glänzte sein biegsamer Tenor mit zartfühligen Piani, edler Mezzavoce oder leuchtendem Aufschwung in die Höhen. Die beliebten Strauss-Lieder »Zueignung«, »Heimliche Aufforderung« und »Cäcilie« gaben ihm die Möglichkeit, die emotionale Emphase mit Spitzen-Feuerwerk anzureichern. Da bahnte sich eine überzeugende Repertoire-Facette in Sachen Liedgesang an. Auch wenn seine Zuhörer leider keine Liedgruppen zusammenhängen ließen, sondern nach jeder Nummer applaudierten. Dennoch erfüllten sich die Erwartungen des Publikums eher bei den italienischen und französischen Opernarien, was sich am Applauspegel offenbarte.

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Ebenso von erweiterten Fachbereichen zeugte die Cavatine des Pollione aus der Oper Norma. In dessen Traumerzählung seiner erwachenden Liebe zu Adalgisa fand Flórez berührende Intensität ebenso wie tenorale Leuchtkraft. Aus stimmlich ähnlichem »Holz geschnitzt« prunkte auch der Jacopo aus der Verdi-Oper »I due Foscari«. In irisierendem Schimmer, in lyrischer Poesie wie auch in bestechendem Stimmglanz begeisterten die französischen Arien aus Édouard Lalos »Le Roi d'Ys« und besonders gefühlsbetont »Ah fuyez, douce image« des Chevalier Des Grieux aus Jules Massenets »Manon«.

Als rechter Ohrwurm, auf schlichter Linie gestaltet, aber mit tenoralem »Biss«, schloss Rodolfos »Che gelida manina« aus Puccinis »La Bohéme« den offiziellen Programmteil. Am Klavier waltete versiert, stilgerecht und sängerfreundlich Vincenzo Scalera, der zwischen den einzelnen Gesangsgruppen das Gondellied aus Mendelssohns Liedern ohne Worte, Arrangements für Klavier solo von Bellini und Massenets »Meditation« musikalisch stimmig interpretierte.

Ohne zahlreiche Zugaben ist kein Flórez-Konzert denkbar und als er mit seiner Gitarre »bewaffnet« erneut das Podium betrat, schwoll der Jubel weiter an. Der Zauber der spanischen bzw. mexikanischen Lieder, darunter »El dia que me quieras« oder »Cielito lindo«, von Flórez schlicht und gefühlsinnig, voller Charme und gesanglicher Finesse serviert, nahm jeden gefangen und regte teilweise das Publikum sogar zum Mitsingen an. Bravi und Applaussalven! Elisabeth Aumiller