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Stimmungsvolle Serenadenmusik im Burghof

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Neben ihren Blechblasinstrumenten und einigen Rhythmusinstrumenten hatte das Grassauer Blechbläser Ensemble auch zwei Alphörner in den Tittmoninger Burghof mitgebracht. (Foto: Huber)

Was wäre der Konzertsommer im Rupertiwinkel ohne die »Burghofsernade« im Tittmoninger Burghof? Nach einigen Jahren mit Wetterpech, in denen die Konzerte in den historischen Scheibensaal in der Burg verlegt werden mussten, war der Wettergott den Veranstaltern des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« heuer in letzter Minute noch wohlgesonnen und das Grassauer Blechbläser Ensemble konnte sein Konzertprogramm unter dem Motto »Lippenbekenntnisse von Bach bis Parker« doch noch »open air« präsentieren.


Zwei Stunden vor Konzertbeginn hatte sich noch ein leichter Schauer über das Salzachtal ergossen, doch dann blieb es trocken. Dass sich in diesem Sommer fast tropische Temperaturen mit »Eiszeiten« abwechseln, sei man ja schon gewohnt, meinte Tittmonings Bürgermeister Schupfner in seinen einleitenden Worten. Und auch Augustin Spiel als künstlerischer Leiter der Musikreihe – er war ebenso unter den Gästen wie Musiksommer-Vorsitzender Altlandrat Hermann Steinmaßl und der zweite künstlerische Leiter Dr. Helmut Wittmann – freute sich über das Konzert im Freien.

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Die Grassauer Bläser und ihre Musik passen in besonderer Weise in das Ambiente des historischen Burghofs und so macht das Ensemble unter der Leitung von Wolfgang Diem regelmäßig Station im Salzachtal. Besonders freuten sich die zehn Musiker, dass auch der Gründer und langjährige Leiter des Ensembles, Hans Josef Crump, mit seiner Frau unter den Zuhörern war und sich von der fruchtbaren Weiterentwicklung seines mittlerweile 36 Jahre alten »Babys« überzeugen konnte. Fast alle Musiker sind nach wie vor Gewächse der Musikschule Grassau und anderer Musikschulen in der Region.

Die Tittmoninger Burg war schon ein paar Jahrhunderte alt, als die alten französischen Tänze von Claude Gervaise im 16. Jahrhundert entstanden sind, mit denen das Konzertprogramm eröffnet wurde. Die früheren Salzburger Erzbischöfe werden sich in ihrer Sommerresidenz hoch über dem Salzachtal an solcher Musik erfreut haben – ob sie ihnen auf so hohem Niveau, wie von den Grassauern gespielt, präsentiert wurde, darf bezweifelt werden.

In kleinerer Besetzung als Posaunenquartett (Wolfgang Diem, Thomas Höger, Tobias Spörlein und Johann Schmuck) wurde Johann Bachs (1685 bis 1750) g-Moll-Fuge (»Die Kleine«) gespielt, ehe sich beim folgenden Stück von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) »Awake the trumpets lofty Sound« ein klassisches Blechbläserquintett mit zwei Trompeten, Horn, Posaune und Tuba formierte. Und wahrlich zeigte sich, dass der Klang der Instrumente »stolz und erhaben« in der Weite des Burghofs erweckt wurde. Die Musik des finnischen Komponisten Jean Sibelius (1865 bis 1957) entstand in der Zeit des Übergangs von der Spätromantik in die Moderne. Die Romanze in C-Dur, op. 42 entstand 1903 für Streicherensemble und wurde von Matthias Linke für die Blechbläser arrangiert – perfekt bis zum letzten Ton. »Man merkt scho, dass´ in Finnland so lang finster is« charakterisierte Altlandrat Steinmaßl sehr treffend die getragene, teilweise leicht düstere Tonlage des Stücks.

Ganz anders dagegen der berühmte »Hochzeitsmarsch« aus »Ein Sommernachtstraum« von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847), ohne den kaum eine Hochzeit im Film auskommt. Ähnliches gilt für das »Kufsteiner Lied« von Karl Ganzer (1920 bis 1988), das jede Unterhaltungskapelle in einem Bierzelt im Repertoire hat. Die Version der Grassauer Blechbläser mit zwei Alphörnern klang feiner und eleganter.

Mit dem Weisenbläser-Quintett »Jägers Abschied« von Franz Umlauf wurden die Konzertbesucher aus der Pause geholt, ehe die Grassauer Version des Florentiner Marschs von Julius Fucik (1872 bis 1916) erklang. Schon das ganze Jahr über ist dieser wunderschöne Marsch bei Konzerten der heimischen Blaskapellen zu hören, jährt sich doch der Todestag des Komponisten zum 100. Mal. Das Arrangement von Hans Kröll für das Grassauer Ensemble begeisterte ebenso wie die Volksweisen »Das alte Schloss« und »Basler Marsch« mit einem Alphornsolo von Wolfgang Diem.

Sebastian Krause am Waldhorn war der Solist beim Jägerchor von Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) und konnte dabei musikalisch ebenso überzeugen wie als launiger Moderator des Abends – zusammen mit Tobias Spörlein –, der immer wieder für Heiterkeit sorgte.

Eine musikalische Reise über den großen Teich machte das Blechbläser Ensemble am Schluss mit dem Stück »Ein Londoner in New York« vom Jim Parker (*1930). Die Musiker – neben den bereits Genannten noch »Einspringer« Markus Rieperdinger und Konrad Müller (Trompete und Piccolotrompete), Rupert Schmidhuber und Peter Boschner (Trompete und Flügelhorn) sowie Peter Gassner (Tuba) – verstanden es meisterhaft, das Schnauben der Züge im Bahnhof, das Flanieren im Central Park oder das Gefühl, den Wolken entgegenzuschweben, wenn man sich im Crysler-Building (dem damals fünfthöchsten Gebäude der Erde) befindet, musikalisch auszudrücken.

Den Konzertabend im stimmungsvoll illuminierten Burghof beschloss eine ebenso stimmungsvolle Zugabe: »La Montanara« (»Lied der Berge«), ist 1927 von Toni Ortelli für den Trientiner Bergsteigerchor komponiert und »die« Hymne für den ganzen Alpenraum geworden. Agnes Huber