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Stimmungsvolles »Weihnachten dahoam« in Übersee

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Die »Spielmusik Karl Edelmann« ist ein weit über Weilheim hinaus bekanntes Volksmusikensemble und war erstmals in Übersee zu Gast. (Foto: Kreier)

Das Wetter ist in diesen Tagen nicht gerade hilfreich bei dem Bemühen, sich in Weihnachtsstimmung zu versetzen, und die Nachrichtenlage ist es auch nicht. Vielleicht war gerade deshalb das alpenländische Weihnachtskonzert in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Übersee fast bis auf den letzten Platz ausverkauft.


Dazu hatte das »Grassauer Blechbläser Ensemble« wie in jedem Jahr am vierten Adventsonntag eingeladen. Zum ersten Mal traten die zehn Grassauer unter der Leitung von Wolfgang Diem mit der »Spielmusik Karl Edelmann« auf, dem weit über Weilheim hinaus bekannten Volksmusikensemble. Mit einer rundum stimmigen und authentischen Mischung aus alpenländischen Weisen und festlichen Arrangements bot das Konzert nicht nur erhebenden Musikgenuss, mit hoher Perfektion vorgetragen, sondern es half auch dem weihnachtlichen Gefühl auf die Sprünge. Mit dem Zufallen der Kirchentür war für etwas mehr als eine Stunde der Alltag vergessen und damit auch die neuerdings so schwere Nachrichtenkost aus Flüchtlingskrise, Klimawandel und Terrorangst.

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Karl Edelmann ist nicht nur Gründer, sondern auch Haus- und Hofkomponist seiner seit mehr als 25 Jahren bestehenden Gruppe: Insgesamt vier der fünf Stücke, die in Übersee zu hören waren, stammen aus der Feder des 53-Jährigen. Das sechsköpfige Ensemble mit Ehefrau Katharina und Sohn Fidelis an Hackbrett und Klarinette bestritt die Stücke, etwa das »Marienmenuett« oder die »Kripperlweis«, mit einem für Volksmusikgruppen eher ungewöhnlichem Fagott, dazu Harfe, Geige, Kontrabass sowie die bereits erwähnte Klarinette und Hackbrett. Die sehr heimatlichen, traditionellen, oft beschwingten, aber gar nicht abgenutzten Weisen setzten liebenswerte Kontrapunkte im Programm. So klingt »Weihnachten dahoam«.

Die Anordnung der Stücke wies, wie auch das gesamte Konzert, die Handschrift von Profis auf: Eingangs hörten die Gäste Volksweisen wie »Der Engel begrüßte die Jungfrau« oder »Eröffnet die Pforten«, auch das bekannte »Gegrüßest seist du Maria« klang aus der »Münchner Weihnacht« der Blechbläser heraus. Im späteren Verlauf widmeten sich die Stücke dem »allerschönsten Kindl«, bis dann Engelbert Humperdincks »Abendsegen« aus der Kinderoper »Hänsel und Gretel« das Konzert beschloss.

Einer der Höhepunkte war sicherlich das »Konzert für zwei Trompeten« von Antonio Vivaldi mit Matthias Linke und Markus Riepertinger an den Solotrompeten. Das unvergleichlich glanzvolle und schmetternde Stück ist auch im Arrangement von Matthias Linke an Festlichkeit kaum zu überbieten. Von Hans Kröll, früher selbst Mitglied der »Grassauer« und Jahrgangskollege von Karl Edelmann, stammt die »Hirtenweise«, die Wolfgang Diem, Peter Boschner, Matthias Linke und Johann Schmuck sehr geschmeidig vortrugen. Außerdem steuerte Kröll einige Arrangements bei. Etwa die sehr gelungene »Weihnachtsepisode mit Alphörnern« mit Wolfgang Diem und Sebastian Krause an den Alphörnern. Wer genau hinhörte, konnte schon zu Beginn das Motiv von »Es werd scho glei dumpa« erkennen, zu dessen voller Länge sich am Ende die beiden Alphörner und acht Blechbläser zusammenfanden. Vertraute Klänge lieferte auch das »Gloria in Excelsis Deo«, ebenfalls von Kröll arrangiert. In dieser Besetzung hört man es aber eher selten.

Nach stehendem Applaus verabschiedete das seit mehr als 30 Jahren aktive Grassauer Blechbläserensemble das Publikum mit einem wunderschön für Blechbläser arrangierten »Gott b’hüte dich« von Leonhard Lechner als Zugabe. Es ist ein Kunststück, in einer so stattlich großen und hohen Kirche wie der Überseer ein Gefühl von »dahoam« aufkommen zu lassen. Die »Grassauer« schaffen das. Claudia Kreier