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Elf Grafiken des Pop-Künstlers Uwe Lausen hängen jetzt im Traunreuter Museum

»Stoffwechsel« für »DasMaximum«

Wetterfest sollte sie sein, auszustellen ohne Rahmen und am besten draußen – ebenso wie jene Tankstellenwerbung, deren Slogan »Pack den Tiger in den Tank« sich bis heute ins Gedächtnis gebrannt hat. So stellte sich der junge Pop-Künstler Uwe Lausen 1968 seine Grafikmappe vor, als ihm von Verleger Gernot von Pape ein gemeinsames Projekt vorgeschlagen wurde. Was damals als Material für Kunst eigentlich undenkbar war, ist bis heute noch immer ungewöhnlich, denn die Platten aus Astralit sind zwar regenfest, aber nicht lichtbeständig.

Die Mappe »Stoffwechsel« des Pop-Künstlers Uwe Lausen aus dem Jahr 1968 ist eine Neuerwerbung des Traunreuter Kunstmuseums »DasMaximum«. (Foto: Eder)

Umso größer ist der Schatz, den der Freundes- und Förderkreis des Museums »DasMaximum« erworben hat: Gernot von Pape höchstpersönlich brachte mit Nummer 25 von insgesamt 80 Exemplaren der Mappe »Stoffwechsel« eine lange gehütete, makellose Kassette mit allen elf Siebdrucken ins Museum nach Traunreut.

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»Wenn ein Künstler derart lichtempfindliche PVC-Folie als Untergrund für seine Mal- oder Drucktechnik wählt, befindet sich das Kunstwerk meist schon wenige Jahre nach der Entstehung in einem lichtgeschädigten Zustand«, erklärt die Diplom-Restauratorin Michaela Tischer, die die jeweils 47,5 mal 65 Zentimeter großen Blätter sichtete und präsentierte. »Dass der Freundeskreis eine unbelichtete, quasi 'druckfrische' Mappe erwerben konnte, ist ein großer Glücksgriff.« Entsprechend aufwendig gestaltete es sich, die Bilder zu rahmen: hinter Licht absorbierendem Glas, mit Klebematerial, das keine Rückstände hinterlässt, mit Abstand zum Glas, damit durch Wärmeentwicklung nichts verklebt.

»DasMaximum« bietet seit seiner Einrichtung den weltweit größten Ausschnitt aus Uwe Lausens Schaffen und bekommt mit der Mappe »Stoffwechsel« nun eine Serie, die stilistisch und motivisch einen hervorragenden Querschnitt durch die späten Arbeiten bietet. Charakteristisch dafür ist eine Reduktion der Motive auf Alltägliches, aber Kunstfernes, in leuchtenden Farb-Kontrasten oder in Schwarz- Weiß, das die Nähe zur Fotografie seiner Frau Heide Stolz verrät. Die politische und provokante Ausrichtung einiger Themen war angeregt vom gesellschaftlichen Klima der 68er Jahre.

Uwe Lausen, der 1970 nach nur kurzer Schaffenszeit im Alter von 29 Jahren den Freitod wählte, zählt heute zu den Pionieren und wichtigsten Vertretern der deutschen Pop Art. Hans Eder