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Straftaten querbeet – 28–jähriger Mann gibt Teilgeständnis ab

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Foto: Friso Gentsch/dpa-Archiv

Bischofswiesen – Straftaten quer durch das Strafgesetzbuch – von Körperverletzungen bis zu Diebstählen, von Nötigung bis zu Betrug und Verkehrsdelikten – lagen einem psychisch kranken 28-Jährigen aus München zur Last. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler ordnete am Dienstag die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus an.


Während der Urteilsbegründung redete der Mann immer wieder dazwischen und unterbrach Aßbichler. Auch die Beisitzenden Richterinnen, beide zusätzlich in einer Strafvollstreckungskammer tätig, konnten den 28-Jährigen – der schon 30-mal stationär, aber letztlich erfolglos untergebracht war – nicht von der Notwendigkeit einer weiteren therapeutischen Behandlung überzeugen. Mit Engelsgeduld versuchte das Gericht zu vermitteln, dass eine Unterbringung nicht »lebenslänglich« bedeute, sondern ihm helfen könne, in ein normales Leben zurück zu finden – insbesondere in seinen jungen Jahren.

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Dazu die Kammervorsitzende: »Das ist eine einschneidende Maßnahme. Aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Sie werden nicht für immer und ewig eingesperrt sein. Wenn Sie mitmachen, gibt es nach und nach Lockerungen und schließlich Bewährung. Sie sind kein hoffnungsloser Fall. Eines fehlt noch: Die Einsicht in Ihre Krankheit und die Notwendigkeit von Medikamenten. Sie schaffen das. Wenn wir Sie jetzt rauslassen, sind Sie in zwei Wochen wieder auf dem alten Weg.«

Der 28-Jährige mit 13 Einträgen im Bundeszentralregister hatte am Dienstag 14 der 19 Tatvorwürfe eingeräumt, sie jedoch zum Teil stark heruntergespielt. Die strittigen Punkte stellte das Gericht auf Antrag von Staatsanwalt David Heberlein ein. Die verbleibenden Taten reichten zurück bis Ende 2017, als der Beschuldigte in einer sozialtherapeutischen Einrichtung in Bischofswiesen lebte. Dort packte er am 28. Dezember 2017 eine Frau in der Spülküche und bedrängte sie mit den Worten: »Jetzt bleiben wir hier und machen es uns gemütlich.« Die verängstigte Frau schrie laut. Es gelang ihr, den Bewohner aus der Küche zu bugsieren.

Mitte Mai 2018 klingelte er gegen Abend nahe der Einrichtung in einem Privathaus und fasste dort eine Frau in sexueller Weise über der Kleidung an. Die Aufforderung eines Nachbarn, zu verschwinden, ignorierte der Beschuldigte. Auf einen Mitbewohner in dem Zentrum schlug der heute 28-Jährige am 7. September 2018 mit Fäusten und einem Nudelholz ein – so stark, dass Letzteres zerbrach. Das Opfer erlitt eine Nasenbeinfraktur und erhebliche Schmerzen an Kopf und Unterarm.

In einer Spielhalle in München entwendete er – mit einem Taschenmesser griffbereit in der Hosentasche – am 22. Juli 2019 ein Handy. Vor dem Hotel »Vier Jahreszeiten« klaute er am 22. August 2019 eine Einkaufstasche samt Inhalt im Wert von 1 500 Euro. Eine Diskothek besuchte der 28-Jährige am 8. September 2019 in der Landeshauptstadt. Er griff sich eine an der Tanzfläche stehende Handtasche, entnahm das Geld und holte sich mit dem Garderobenchip auch noch den Mantel der Besucherin. In einem Hotel an der Schillerstraße entwendete er am 23. September 2019 einen an der Rezeption stehenden Koffer samt Inhalt im Wert von 1 500 Euro. In einem Juweliergeschäft an der Nordendstraße in München ließ er am 2. November 2019 eine Edeluhr für 4 000 Euro mitgehen. Aus einem unversperrten Pkw holte der Täter am 24. November 2019 eine Geldbörse und Parfum. Als ihn der hinzugekommene Besitzer ansprach, sagte der Dieb, im Auto habe ein Kind geweint und entfernte sich. Der Geschädigte bemerkte den Diebstahl und lief dem Täter hinterher. Er erntete einen Faustschlag gegen die Brust mit Schmerzen und einem Bluterguss als Folgen. Der Beschuldigte lief zu einer U-Bahn-Station, wo ihn Polizeibeamte festnahmen.

Am U-Bahnhof Feldmoching forderte er am 7. Dezember 2019 von einem Fahrgast dessen teuren Ring. Als sich der Eigentümer weigerte, bekam er Faustschläge gegen den Kopf und ging zu Boden. Der 28-Jährige drückte ihn auf das Pflaster, worauf der Geschädigte den Ring herausrückte. Der Angreifer riss ihm noch ein 250 Euro teures Armband vom Handgelenk. Das Opfer erlitt neben Schmerzen eine Schädelprellung und eine Schürfwunde am Knie. Vor Weihnachten 2019 klaute der 28-Jährige in München aus der Kasse eines Sonnenstudios das Bargeld.

Im Eingangsbereich eines Hotels in der Arnulfstraße erbeutete er am 20. Januar 2020 einen Koffer, mit Inhalt 3 000 Euro wert. Im Bezirksklinikum München-Haar versetzte er am 13. Februar 2020 einem Pfleger einen schmerzhaften Faustschlag – was ihm angeblich »innere Stimmen« befohlen hatten, wie der Beschuldigte bei einem Gutachter angab. Weiter drohte er dem Mitarbeiter, einer von ihnen beiden müsse »sterben«. Wiederum in München setzte sich der 28-Jährige am 2. März 2020 an das Steuer eines fremden Mercedes-Transporters und fuhr damit führerscheinlos eine kurze Strecke auf der Sonnenstraße.

Bei den Taten war der Beschuldigte laut dem Sachverständigen, Oberarzt Rainer Gerth vom Bezirksklinikum in Gabersee, krankheitsbedingt nicht voll schuldfähig, teils ganz schuldunfähig. Deshalb konnte er auch nicht bestraft werden. Die von Staatsanwalt David Heberlein beantragte Unterbringung, unter anderem wegen der häufigen Gewaltanwendung und der hohen Wiederholungsgefahr, übernahm das Gericht im Urteil. Nur Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer aus Berchtesgaden plädierte auf Drängen seines Mandanten auf Aussetzung zur Bewährung.

kd


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