Strahlende Bläsermusik unter barocken Engeln

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Begeisterten Beifall gab es für »Bavaria Brass« nach dem Musiksommer-Konzert in der Pfarrkirche Inzell. (Foto: Bauregger)

Nach einigen Jahren Pause, fand in der beeindruckenden Barockkirche St. Michael in Inzell wieder ein Konzert im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« statt.

Zu Gast war das Quintett »Bavaria Brass«, besetzt mit Zoran Curovic und Bernhard Sowa (Trompete), Stefan Kresin (Horn), Uwe Schummer (Posaune) und Robert Stelzer (Tuba). Ge-gründet im Jahr 2012, besteht das Ensemble aus Solobläsern der Bad Reichenhaller Philharmoniker und freischaffenden Musikern aus dem Salzburger Raum. Bürgermeister Hans Egger freute sich, dass dieses, bereits im letzten Jahr geplante Konzert nun stattfinden konnte.

Stephan Küfner, einer der künstlerischen Leiter des »Musiksommers«, zeigte sich ebenfalls erleichtert, dass nun wieder Livekonzerte, wenn auch im beschränkten Rahmen, stattfinden dürfen. Für das Konzert hatte sich die Bavaria Brass ausdrucksstarke und ansprechende Werke von berühmten und weniger bekannten Komponisten der Renaissance bis zur Moderne ausgesucht.

Den Auftakt machte das Ensemble mit Claudio Monteverdis »Musik aus L'Orfeo«, festlich und strahlend eingeleitet in einem harmonischen Klangbild, getragen von einer außergewöhnlichen Akustik des Kirchenraumes. Der Hornist Stefan Kresin übernahm dann gekonnt die Moderation des Konzertabends, stellte die Musiker vor und informierte kurz und prägnant über Besonderheiten der Komponisten und die vorgetragenen Musikwerke.

Besonders freute er sich darüber, dass die Formation seit September 2019 nun wieder ihr erstes Livekonzert spielen durfte. Zum nächsten Komponisten, Heinrich Ignaz Franz Biber, informierte er, dass dieser einer der bekanntesten Barockkomponisten war und Karriere in Salzburg gemacht hatte. Zudem war er offenbar ein begnadeter Geiger, der die schwierigsten Akkorde und Griffmuster perfekt beherrschte. Von ihm brachte das Quintett das Stück: »Baletti a 6« zu Gehör. Markant hier waren die vielen gegenläufigen Melodieteile in den einzelnen Stimmen.

Brillant intoniert, erklang im Anschluss die berühmte (kleine) Fuge in g-Moll von J. S. Bach, die eigentlich als Orgelwerk komponiert, später aber für viele andere Besetzungen gesetzt wurde. Nach diesem musikalischen Feuerwerk, folgte Bachs Arie »Schafe können sicher weiden« in einem geschmeidigen, lieblichen und ruhigen Klangbild, getragen von einer harmonischen Zweistimmigkeit in der Grundmelodie. Wie der Moderator Stefan Kresin treffend ankündigte, stand, passend zum Regenwetter an diesem Abend, als nächstes die »Suite aus der Wassermusik« von G. F. Händel in den Sätzen Allegro Vivace – Air – Hornpipe – Allegro Maestoso auf dem Programm. Mit einer beeindruckenden Leichtigkeit meisterte die Gruppe schwierige Harmoniepassagen, anspruchsvolle Tempowechsel oder Dynamikwechsel bravourös.

Mit dem nächsten Musikstück »Nessun Dorma« von G. Puccini wechselten die Musiker in das Genre der Oper. Dem Applaus nach zu urteilen, trafen sie mit dem Vortrag dieser geschmeidigen Melodie auch den Geschmack der Konzertbesucher. Nicht weniger bekannt war das folgende Stück von Bert Kaempfert, »Petula«. Musikalisch stand hier der Bassist im Mittelpunkt des Vortrags, der seine Soloparts anregend und swingend zu Gehör brachte.

Aus dem Genre Jazz-Oper-Unterhaltungsmusik erklangen danach, mitreißend und stimulierend musiziert, berühmte Melodien wie »Maria – One Hand, one Heart« und »I feel pretty« aus der »West Side Story« von Leonard Bernstein. Interessante Details lieferte Stefan Kresin zum Abschlussstück des Konzerts, »Amazing Grace (Erstaunliche Gnade)« von Luther Henderson, welches zu den beliebtesten Kirchenliedern weltweit gehört. Das Lied ist eng mit der Geschichte des Kapitäns eines Sklavenschiffs, John Newton (1725 bis 1807), verbunden. Nach einer Rettung aus schwerer See, behandelte er die Sklaven menschlicher, wurde später Geistlicher und kämpfte dann gegen die Sklaverei. Am Anfang der Komposition stehen Variationen zur Liedmelodie im Vordergrund, prägnant vorgetragen vom Trompeter Zoran Curovic. Danach wechselt der Vortrag in den Jazz, bei dem das ganze Ensemble zeigte, dass sie ihre Instrumente nicht nur beherrschen, sondern diese auch gemeinsam, homogen und harmonisch erklingen lassen können.

Mit lang anhaltenden Applaus und Bravo-Rufen bedankte sich das Publikum für den inspirierenden Konzertabend. Mit der »Humoreske« von Antonín Dvorák als Zugabe bedankten sich die Musiker auf originelle Art und Weise.

Werner Bauregger