weather-image
25°

Strahlende Leichtigkeit an spirituellem Ort

Es passte alles: Vor der Kirche schweifte das Auge bei fast mystischem Abendlicht weit über Salzburg hinüber zum Untersberg. Drinnen in der heimeligen barocken Wallfahrtskirche mit ihrer ausgezeichneten Akustik verbreitete das dezent beleuchtete Gnadenbild eine spirituelle Atmosphäre. Seit 1991 ist dieses Konzertereignis eine Tradition: Immer am Abend des Festes Mariä Himmelfahrt gestaltet die Salzburger Bachgesellschaft unter Leitung von Albert Hartinger ein geistliches Musikprogramm in Maria Plain. Das diesjährige Gastspiel des Collegium Vocale der Bachgesellschaft und des Salzburger Barockensembles im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach hinterließ einen tiefen Eindruck.

Applaus für die Solisten des Abends (v. l.) Katja Stuber, Marcus Blöchl, Virgil Hartinger und Matthias Winckhler zusammen mit Albert Hartinger. (Foto: Mergenthal)

»Mozart und Haydn in Maria Plain« lautete das Thema des Abends. Vater und Sohn Mozart waren mit der Wallfahrtskirche ebenso verbunden wie die Komponisten-Brüder Joseph und Michael Haydn. Mit der »Toccata duodecima« von Georg Muffat, der von 1678 bis 1690 unter Erzbischof Max Gandoph als Salzburger Domorganist wirkte, eröffnete Michaela Aigner an der klangschönen Kirchenorgel das Konzert. Die herausragende Organistin ist eine ausgesprochene Orgel-Expertin mit einer Vorliebe für historische Instrumente. Nach einer meditativen Einstimmung präsentierte sie die verschiedensten Klangfarben und Stimmungen, wie volltönend-feierlich, gedämpft oder in silbrigem Flötenklang schwelgend. Aus einer zurückgenommenen Überleitung schälte sich ein neues, punktiertes Thema heraus. Mit virtuosen Läufen abwärts verhallte die beseelte Musik.

Anzeige

In seiner Solokantate »O dulcissima dilecta mea« vertonte Stefano Bernardi, der unter Paris Lodron Hofkapellmeister in Salzburg war und die Musik für die Domeinweihung komponierte und aufführte, einen Text aus dem »Hohen Lied der Liebe«. Durch das Alleluja am Schluss wird das weltliche Liebeslied zum Marienhymnus. Die Solistin Katja Stuber zeigte mit runder, weicher, sensibler Stimme eine hohe Beweglichkeit und Geschmeidigkeit. Man fühlte sich in die damaligen Zeiten versetzt, als Salzburg stark von Italien geprägt wurde. Im Alleluja zelebrierte die gebürtige Oberpfälzerin mit ihrem kraftvollen, strahlenden Sopran voller Hingabe die in über neue Überhöhungen gipfelnde Osterfreude.

Reizvoll war das Wechselspiel zwischen den Geigen (Frank Stadler und Werner Neugebauer) und der quirligen Truhenorgel (Aigner) im Konzert für Orgel und Streicher F-Dur von Joseph Haydn. Stadlers traumwandlerisch hingesetzte, gleichsam schwebende Synkopen waren einzigartig. Martin Hinterholzer steuerte dazu einen federnden Kontrabass bei. Leichtigkeit und Bewegung prägten danach das »Ave Maria« von Michael Haydn mit schönen Wechseln zwischen Sopranistin und Chor. Nach Michael Haydns Duo für Violine und Viola D-Dur fragte man sich, warum man nicht mehr in dieser herrlichen Besetzung hört: Stadler gab mit feinst nuancierter Bogenführung und Strichtechnik das öfter frei variierte Tempo an. Neugebauer war mit äußerst plastischem Ton an der Viola ein perfekter Gegenpart in dem unendlichen, teils höchst virtuosen Melodien-Reigen.

Die 13 Sängerinnen und Sänger des Collegium Vocale zeigten in der Messe D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 194), die vermutlich am 19. August 1774 bei einem Besuch der Mozarts in Maria Plain erklang, ihre Meisterschaft. Dirigent Albert Hartinger bringt als Sänger das Gespür für das Inszenieren höchster vokaler Kunst mit. Neben dem Gloria und Credo gingen das in Polyphonie schwelgende Sanctus, das filigrane Solisten-Quartett des Benedictus und das Agnus Dei mit den Soli von Stuber und Altus Marcus Blöchl durch und durch. Der Laufener hat ein ausgesprochenes Feingefühl für Verzierungen: Der dezente Praller auf dem »Dei« klang bei ihm wie bei keinem anderen. Mit kraftvollem Tenor überzeugte Virgil Hartinger, und in der Bass-Partie hielt der erst 1990 geborene Matthias Winckhler gut mit den erfahreneren Kollegen mit. Alle Solisten waren zugleich Chorsänger, und alle Chorsänger brachten die Stimmkraft von Solisten mit und erfüllten, zusammen mit der bewegten instrumentalen Basis auf Originalinstrumenten, den Kirchenraum.

Zum Graduale erklang Mozarts Kirchensonate G-Dur und zum Offertorium sein inniges »Alma Dei creatoris«, als Bittgebet vor der Paris-Reise komponiert. Bei dessen mystisch-dichter Wiederholung als Zugabe überboten sich die Interpreten selber. Veronika Mergenthal