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Straßen in der Region sollen noch sicherer werden

Die Zahl der Verkehrstoten in Bayern soll bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen vor allem auch die Straßen noch sicherer werden. Eine Schlüsselrolle in der Region kommt dabei dem Staatlichen Bauamt Traunstein zu. Es ist für rund 900 Kilometer Straßen in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Altötting zuständig. Dazu zählen alle Bundes- und Staatsstraßen in diesen drei Landkreisen sowie zusätzlich die Kreisstraßen im Landkreis Berchtesgadener Land und im Norden die Autobahn 94 zwischen Stammham und Ampfing.

Die Verlegung der Bundesstraße 304 bei Mühlreit auf der Strecke Traunstein – Freilassing soll in diesem Jahr mit Hochdruck vorangetrieben werden. Der dortige Bahnübergang ist ein erhebliches Verkehrshindernis. (Fotos: Brenninger)

Eine von drei Säulen des Sicherheitskonzeptes neben dem Fahrzeuglenker und der Fahrzeugtechnik ist »gebaute Sicherheit« an Straßen. Das Innenministerium versteht darunter »sicherheitsoptimierte Planung« und sichere Ausgestaltung der Verkehrsflächen und Straßenseitenräume, erläutert Sebald König, der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein. 20 Millionen Euro sollen pro Jahr landesweit hierfür eingesetzt werden; bei 22 Bauämtern im Freistaat ist das im Schnitt allerdings nicht recht viel mehr als eine Million Euro pro Behörde.

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»Sicherheit des Verkehrs erhöhen«

Unabhängig von diesem Sonderprogramm plant das Traunsteiner Bauamt in diesem Jahr einige Straßenbauprojekte, mit denen die »Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs« erhöht werden soll. Dazu gehört unter anderem die Verlegung des letzten Teilstücks der Staatsstraße Traunstein – Waging bei Weibhausen.

Ein weiteres Projekt, das heuer mit Hochdruck vorangetrieben und im kommenden Jahr abgeschlossen werden soll, ist die Verlegung der Bundesstraße 304 bei Mühlreit auf der Strecke Traunstein – Freilassing. Der dortige Bahnübergang ist ein erhebliches Verkehrshindernis. Wer diese Strecke regelmäßig mit dem Auto befährt, wird das bestätigen. Allein 168 planmäßige Züge kreuzen täglich die Bundesstraße und man hat das Gefühl, die Bahnschranke ist öfter geschlossen als offen.

Eine zwei Kilometer lange, neue Trasse, die teils durch das Ainringer Moos führt, vermeidet künftig das Queren der Bahnlinie. Die Straßenbauer stehen dabei vor einer besonderen Herausforderung angesichts des moorigen Untergrundes. Deshalb wurde schon vor einem Jahr eine hohe Kiesschicht auf die künftige Trasse aufgeschüttet, um die unvermeidlichen Setzungen wenigstens teilweise vorwegzunehmen.

Auf gleiche Weise verfahren die Straßenbauer auf der Staatsstraße Traunstein – Tittmoning zwischen Wiesmühl und Kay. Im Bereich des Kayer Berges gab es wegen des moorigen und deshalb nicht belastbaren Untergrundes Verwerfungen der Fahrbahn. Die hohe Kiesaufschüttung soll auch hier den Untergrund verdichten, bevor sie zum größten Teil wieder abgetragen und die neue Fahrbahn gebaut wird.

In den 80er Jahren hatte man mit Textilfolien versucht, den Untergrund zu stabilisieren. Dieses Verfahren wurde unter anderem bei der Bundesstraße zwischen Surberg und Oberteisendorf angewendet.

Mehr Sicherheit, so betonte Sebald König, könne man aber auch durch weniger aufwendige Maßnahmen erreichen; zum Beispiel durch die Pflege und Erweiterung des nachgeordneten Wegenetzes, das insbesondere für Radfahrer noch attraktiver gestaltet werden soll. Als Beispiel nannte er den Radweg von Traunstein über Siegsdorf nach Inzell und von Traunstein nach Waging.

Auch Zufahrten und Werbeanlagen können die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Hier ist das Staatliche Bauamt als Verwalter eines 900 Kilometer langen Straßennetzes gefragt. »Das bedeutet 1800 Kilometer Grenzlänge und rund 30 000 Grundstücksnachbarn mit allen damit verbundenen Rechtsverhältnissen«, verdeutlicht der Amtsleiter.

Diese Verwaltungsarbeit werde in der Traunsteiner Behörde geleistet und sei eine wesentliche Aufgabe des Bauamtes. Dazu sei man mit den 73 Gemeinden im Amtsbereich stark vernetzt. Auf Unverständnis in den Kommunen und bei Anliegern stößt es immer wieder, wenn die Behörde in Zusammenarbeit mit der Polizei und der Verkehrsbehörde am für den betreffenden Bereich zuständigen Landratsamt Anträge auf Tempolimits ablehnt. Dabei dürfe man den Begriff »Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs« nicht trennen. Je problemloser der Verkehr fließt, desto geringer ist die Unfallgefahr, betonen Experten.

Zu diesem Schlagwort Leichtigkeit gehört es auch, Orte zu umfahren. Nach dem Großprojekt Nordumfahrung Traunstein stehen jetzt im Landkreis Traunstein die Umfahrungen von Obing und Altenmarkt ganz oben auf der Liste. Noch in diesem Quartal soll die Planfeststellung für die Umfahrung Obings im Zuge der Bundesstraße 304 beantragt werden. »Das ist eine der schnellsten Planungen, die wir je hatten«, freut sich Sebald König. Das sei in erster Linie der hohen Akzeptanz der Bürger zu verdanken.

Stillstand bei der Ortsdurchfahrt Chieming

Ganz anders sieht es dagegen in Altenmarkt aus, wo eine Bürgerinitiative Klage zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht hat, um den Bau des Aubergtunnels zu verhindern. »Jeder Lkw weniger auf der Straße ist ein Gewinn«, betont König. Wenn die Gegner des Tunnelbaus unter anderem damit argumentieren, dass dank des Güterterminals bei Bosch-Siemens in Traunreut jährlich 9000 Lkws weniger fahren, dann hält König entgegen, dass diese 9000 Lkw genau so viele sind, wie in einer Woche durch Altenmarkt fahren.

Und wie sieht es mit der Ortsumfahrung Chieming aus? Sie wird seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten von den Anliegern der Durchfahrtsstraße gefordert, ohne dass die Planungen jemals in ein konkretes Stadium getreten wären. Grabenstätt hat längst seine Umfahrung; nur in Chieming scheint Stillstand zu herrschen.

Dazu Sebald König: »Die Ortsumfahrung ist bei der letzten Fortschreibung des Ausbauplanes für Staatsstraßen leider nur in die Dringlichkeitsstufe 1 R gekommen. Das bedeutet, dass eine Realisierung erst zwischen den Jahren 2021 und 2025 vorgesehen ist.« Wichtig sei aber, dass die Gemeinde den Korridor für eine Ortsumfahrung im Flächennutzungsplan aufgenommen hat und diesen von weiterer Bebauung freihält. -K.O.-