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Streit um das Wort Vogelschiss

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Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus
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In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Millionen Menschen ermordet. Diese Zeit als «Vogelschiss» zu bezeichnen, hat viele Menschen empört. Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa-Zentralbild/dpa Foto: dpa

Wenn Politiker eine Rede halten, hören ihnen manchmal nur die Leute im Saal zu und vielleicht ein paar Reporter. Die allermeisten Menschen bekommen davon nichts mit. Aber manchmal bekommt ein einziges Wort oder ein Satz aus einer Rede sehr viel Aufmerksamkeit.


Das Wort klingt zuerst harmlos: Vogelschiss. Wer es benutzt, meint in der Regel: Es geht um eine unangenehme Kleinigkeit, die man aber schnell wegwischen kann. In den vergangenen Tagen wurde viel über dieses Wort diskutiert und darüber, in welchem Zusammenhang es gesagt wurde.

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Ein Politiker von der Partei AfD hatte über die Geschichte Deutschlands geredet. Dabei ging es auch um die Zeit, in der Adolf Hitler mit den Nationalsozialisten an der Macht war. Diese ließen damals viele Millionen Menschen ermorden, etwa weil diese zum jüdischen Volk gehörten. Außerdem fingen die Nationalsozialisten einen Weltkrieg an, in dem Millionen Menschen starben.

Der Politiker sagte erst, die Deutschen tragen dafür die Verantwortung. Aber danach sagte er: Diese zwölf Jahre seien nur ein Vogelschiss in der langen erfolgreichen Geschichte Deutschlands.

Viele Leute sind darüber empört. Sie sagen: In diesem Zusammenhang darf man das Wort nicht benutzen! «Denn damit werden die Nazi-Verbrechen verharmlost», erklärt der Experte Thomas Niehr.

Einige Leute sagen aber auch, man soll nicht so viel darüber reden. Denn so bekomme die Partei AfD viel Aufmerksamkeit. «Das ist auch von der Partei beabsichtigt», sagt Thomas Niehr. Aber eine solche Verharmlosung wie mit dem Vogelschiss sei eben auch gefährlich.

Stattdessen sei es nötig, genau zu erklären, warum so ein Begriff nicht passend ist für unsere Geschichte. Denn wenn immer wieder Leute solche Sprach-Grenzen verletzen, dann machen das irgendwann immer mehr Menschen. «Dann wird der Ton gröber und der Umgang miteinander leidet.» Das schadet allen, meint Thomas Niehr.

In diesem Fall sei eine Grenze überschritten, sagt auch der Fachmann Bernd Gäbler. «Es ist wichtig, dass jetzt viele Leute widersprechen. Damit es nicht normal wird, so zu reden.»