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»Stripper« Williams zurück auf dem Snooker-Thron

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Mark Williams gab die Pressekonferenz nackt. Foto: Richard Sellers/PA Wire Foto: dpa
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Mark Williams wurde Snooker-Weltmeister. Foto: Richard Sellers/PA Wire Foto: dpa

Mit diesem Triumph hätte keiner mehr gerechnet - am wenigsten er selbst. Mark Williams besteigt noch einmal den Snooker-Thron. Den dritten WM-Titel verdankt er am ehesten den Instinkten seiner Frau.


Sheffield (dpa) - Der Mann, den man sonst nur mit Hemd, Weste und Fliege kennt, saß plötzlich komplett nackt auf dem Podium.

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Nach dem »größten Sieg seiner Karriere« ließ Snooker-Weltmeister Mark Williams die Hüllen fallen und löste damit ein Versprechen ein, dass er vor dem Turnier in Sheffield ganz flapsig gegeben hatte. Wenn er 15 Jahre nach seinem bisher letzten WM-Titel noch einmal Champion werde, ziehe er sich aus, versprach der Waliser. »Jetzt muss ich es ja machen. Ich hoffe, das gibt keine Strafe«, sagte der überwältigte Williams in der Stunde seines Triumphs.

Was Zuschauer zunächst für einen Scherz hielten, wurde wahr. Nur mit einem Handtuch um die Hüften marschierte der 43-Jährige zur Pressekonferenz, setzte sich auf seinen Stuhl und zog sich dann auch jenes Handtuch noch vom Körper. »Ich bin einer der Ältesten, der die WM gewonnen hat, ich kann es nicht glauben«, sagte Williams nach seinem an Dramatik kaum zu überbietenden 18:16-Sieg über Dauerrivale John Higgins, der nach einem 7:14-Rückstand noch einmal auf 15:15 herangekommen war. Keck und direkt, wie man »The Welsh Potting Machine« kennt, kündigte Williams beim Anziehen schon mal an: »Wenn ich nächstes Jahr gewinne, mache ich es wieder.«

Der Triumph des Lochkünstlers aus Wales ist eine der größten Überraschungen der jüngeren Snooker-Geschichte. Seit 1978 war kein  Weltmeister mehr älter als Williams, der nach 2000 und 2003 zum dritten Mal die silberne WM-Trophäe nach oben recken durfte. 

Dabei hätte der neue Champion vor zwölf Monaten beinahe Schluss gemacht. »Letztes Jahr habe ich ans Aufgeben gedacht. Aber meine Frau hat gesagt: 'Ich kann es nicht haben, wenn du den ganzen Tag hier bist.'«, schilderte Williams. Nach dem Verpassen der WM-Endrunde im April 2017 überzeugte sie ihn, doch noch einmal anzugreifen. Er stellte seine Trainingsmethoden um und fand zu alter Stärke. »Seine Frau hat ihm das ausgeredet, weil sie ihren Mark ganz genau kennt. Wenn der hier rumhockt und so aufhört, ist er kreuzunglücklich«, beschreibt Snooker-Experte Rolf Kalb, der das Turnier für Eurosport kommentiert hat. »Ich würde sonst nicht hier stehen«, gestand auch Williams.

»Er ist einer der besten Spieler unter Druck«, lobte der schottische Finalverlierer Higgins, der beim Stand von 15:15 drauf und dran war, seinerseits den fünften WM-Titel zu erobern. Doch Williams bewahrte die Nerven und setzte sich in dem Krimi durch. »In einer solchen Situation nochmal aufzustehen und dann die Bestleistung zu bringen, schaffen nur große Champions. Mark hat gezeigt, dass er dazu gehört«, befand Experte Kalb. Die eigentlichen Favoriten wie Titelverteidiger Mark Selby oder der fünfmalige Champion Ronnie O'Sullivan waren schon früh im Turnier gescheitert.

Für Williams hingegen schloss sich nach dem Sieg ein Kreis. Mit seiner glücklichen Frau, die sich die Tränen nicht verkneifen konnte, und seinen beiden Söhnen stellte sich der neue Weltmeister an den großen grünen Tisch und genoss den wichtigsten Titel seiner Laufbahn. Als er 2000 und 2003 in Sheffield jubelte, war Williams noch keine 30 Jahre alt - und seine Söhne noch gar nicht auf der Welt. »Dabei habe ich gedacht, die Tage sind für mich vorbei«, sagte der neue Weltranglistendritte.