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Studie: Rekordvergütung für VW-Chefkontrolleur Piëch

Frankfurt/Main (dpa) - Die gute Entwicklung der Dax-Konzerne hat die Bezüge ihrer Chefkontrolleure im vergangenen Jahr auf Rekordniveau getrieben.

Ferdinand Piech
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Piech, ist unter den Aufsichtsräten in Deutschland mit einem Verdienst von 1,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr der Spitzenverdiener. Foto: Julian Stratenschulte Foto: dpa

Im Gegensatz zu den Vorstandschefs, die etwas weniger verdienten, kassierten die Oberaufseher mit durchschnittlich 347 000 Euro rund 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des Beratungsunternehmens Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) hervorgeht. Es ist der höchste Wert seit 2006.

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Spitzenreiter war wie auch bei den Vorstandsbezügen Volkswagen. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch verdiente der Studie zufolge rund 1,1 Millionen Euro (plus 30 Prozent). Noch nie sei ein Aufsichtsrat in Deutschland für ein einzelnes Mandat in dieser Höhe vergütet worden.

«Das Überschreiten der Schallmauer von einer Million löst ein gewisses Unwohlsein aus», sagte hpk-Partner Michael Kramarsch. VW sei allerdings ein spezieller Fall, auch weil Piëch Großaktionär sei. Die Entwicklung bei dem Autobauer, der 2012 ein Rekordjahr einfuhr, dürfe kein «Freifahrtschein für alle Unternehmen werden».

Insgesamt ist der Anstieg der Vergütung aus Sicht des Experten noch nicht besorgniserregend. Die Verantwortung und die zeitliche Belastung der Chefkontrolleure seien deutlich gestiegen. Im Durchschnitt verdienten die deutschen Aufsichtsratsvorsitzenden etwa ein Drittel ihrer europäischen Kollegen.

Auf Platz zwei liegt Siemens-Chefkontrolleur Gerhard Cromme mit unverändert 608 000 Euro. Als Oberaufseher des angeschlagenen Stahlkonzerns ThyssenKrupp verdiente er 210 500 Euro. Cromme, der immer wieder für Fehlentwicklungen wie das milliardenschwere Desaster der Stahlwerke in Brasilien und den USA mitverantwortlich gemacht worden war, war im März zurückgetreten.

Die einzige Frau an der Spitze eines Dax-Aufsichtsrates, Henkel-Oberaufseherin Simone Bagel-Trah, kommt auf Rang drei. Sie kassierte 584 000 Euro (plus 1 Prozent). Zu den «schlecht bezahltesten» Aufsichtsratschefs zählt Fritz-Jürgen Heckmann von HeidelbergCement mit 130 000 Euro. Am stärksten stiegen die Bezüge von Lufthansa-Chefkontrolleur Jürgen Weber - um 114 Prozent auf 375 000 Euro.

Erstmals seit Jahren entkoppelte sich die Entwicklung von Vorstands- und Aufsichtsratsbezügen. Die Topmanager verdienten trotz gestiegener Unternehmensgewinne mit durchschnittlich 5,02 Millionen Euro 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Kramarsch nannte zwei Gründe: Die Zurückhaltung bei der Bezahlung von Vorstandschefs nach öffentlicher Kritik an Millionengehältern sowie den Trend, Aufsichtsräten ausschließlich ein Fixgehalt zu zahlen. Die festen Vergütungen der Chefkontrolleure stiegen 2012 um rund 28 Prozent - ein Rekordplus, wie aus den Daten der 30 Dax-Unternehmen hervorgeht.

 Den Angaben zufolge setzen ab diesem Jahr insgesamt 43 Prozent der Dax-Unternehmen ausschließlich auf Festvergütungen für ihre Kontrolleure. «Durch die Festvergütung wird zwar die Kontrollfunktion gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten gestärkt», sagte Kramarsch. Aus seiner Sicht sollten die Bezüge jedoch auch an den langfristigen Erfolg des Unternehmens gekoppelt werden. «Eine Vergütung in Aktien wie auch die Verpflichtung zum Aktienbesitz für Aufsichtsräte dient der langfristigen Erfolgsorientierung der Aufsichtsratstätigkeit.»

Die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) präsentierte unterdessen von ihr erarbeitete Berufsgrundsätze. Unter anderem soll die Zahl der Aufsichtsratsmandate auf sechs, davon höchstens zwei als Vorsitzender beschränkt werden. «Mehr ist in der Realität nicht ohne Qualitätsverluste zu leisten», erklärte VARD-Präsident und langjähriger Metro-Chef Hans-Joachim Körber.

Studie

Mitteilung VARD