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Stuttgart in der Krise - Schlechtester Saisonstart

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Krisenbewältigung
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Der Stuttgarter Cacau (M) traute sich nach der Niederlage als Erster in die Fankurve. Foto: Jan-Philipp Strobel Foto: dpa

Stuttgart (dpa) - Es läuft überhaupt nicht beim VfB Stuttgart. Ausgerechnet Ex-Trainer Babbel verlängert mit 1899 Hoffenheim den Aufenthalt der Schwaben im Tabellenkeller. Beim VfB fühlt man sich schon an die Horror-Saison vor zwei Jahren erinnert.


Cacau traute sich als Erster. Als sich Fans und Spieler des VfB Stuttgart nach dem 0:3 gegen 1899 Hoffenheim sekundenlang fast regungslos gegenübergestanden hatten, hob der Stürmer vorsichtig die Hände und klatschte. Von den Rängen hallten prompt Pfiffe und wütende Schlachtrufe: »Kämpfen, VfB!« Nach fünf Spieltagen in der Fußball-Bundesliga ist das Team von Trainer Bruno Labbadia endgültig in der Krise angekommen. »Abstiegskampf ist es nicht«, sagte Kapitän Serdar Tasci. »Aber wir wissen schon, dass es nicht gut läuft, wenn man auf die Tabelle schaut.« Platz 17, 3:12 Tore, zwei Punkte - der schlechteste Saison-Start in der Vereinsgeschichte.

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»Es gibt nichts zu beschönigen. Es war schlecht von vorne bis hinten«, sagte Cacau. »Bei mir werden Erinnerungen an die Saison vor zwei Jahren wach, und so eine Situation möchte ich nicht wieder erleben.« 2010/2011 war Labbadia am 17. Spieltag gekommen und hatte die Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz übernommen. »Wir müssen uns jetzt mit nichts anderem beschäftigen als mit unserer Leistung und uns aus der Scheiße, in die wir uns geritten haben, wieder rausholen«, forderte Christian Gentner.

Ausgerechnet ein Vorgänger Labbadias hatte Stuttgart zwei Tage vor dem Wasen-Auftakt die Lust auf Feiern und Volksfest endgültig verdorben. Markus Babbel darf durch den ersten Sieg von 1899 gegen seinen Ex-Club überhaupt mit nun sechs Punkten und dem Sprung auf Tabellenplatz elf auf etwas mehr Ruhe im Kraichgau hoffen. Am Neckar dagegen läuten die Alarmglocken - zu einfach schenkte die Mannschaft mit dem schlechtesten Torverhältnis der Liga erneut die Gegentreffer her.

»Wir bekommen viel zu viele Gegentore, vor allem zu einfache Gegentore - das muss man knallhart so sagen und auch ehrlich zu sich selbst sein«, schimpfte Sportdirektor Fredi Bobic am Mittwochabend. »Heute war es eine indiskutable Leistung und es war jeder neben der Spur.« Kein Zweikampfverhalten, keine Ideen und dazu die einfachen Fehlpässe. »Die Einstellung der Hoffenheimer war anders als unsere Einstellung. Das kann man schon so sagen«, lautete Tascis bitteres Fazit.

Takashi Usami spazierte nach fünf Minuten bestaunt von der VfB-Defensive durch den Strafraum. Nur eine Minute nach Wiederanpfiff legte Fabian Johnson nach einem Stuttgarter Ballverlust im Mittelfeld nach. Beim 0:3 durch Joselu war Torwart Sven Ulreich der einzige, der nennenswerte Gegenwehr erkennen ließ (58.). Der lautstarke Kommentar der Fans: »Außer Ulle könnt ihr alle geh'n.« Bobic bekannte: »Es ist klar, dass wir heute auch ein Stück weit Kredit verspielt haben.«

»Es tut mir wirklich für die Fans leid, was wir heute geboten haben. Das ist nun eine Kopfsache. Wir müssen das Spiel ganz schnell abhaken und nach vorne schauen«, meinte Cacau. Am Samstag geht es nach Nürnberg. Ohne einen Erfolg bei den Franken dürften auch die Diskussionen um Labbadia nicht mehr lange auf sich warten lassen. Tascis Kommentar dazu: »Was willst du da jetzt groß über einen Trainerwechsel reden? Wenn ein neuer Trainer kommt, dann wird sich da jetzt nicht viel ändern.«