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Foto: BRK BGL

Suche nach Vermisstem weiter ergebnislos: Lawinengefahr für Retter zu hoch – Hubschrauber holt Bergwacht-Mannschaft ins Tal

Ramsau – Die Bergwacht Ramsau und die Alpine Einsatzgruppe der Polizei haben von Donnerstagmorgen bis zum frühen Nachmittag mit fünf Bergrettern und einem Polizeibergführer unter schwierigen Bedingungen die Suche nach dem vermissten 24-jährigen Bergsteiger aus Niedersachsen fortgesetzt. Der Trupp hat im Gelände seilgesichert, mit Eisgerät und mit Lawinen-Notfallausrüstung die steile Rinne und die Felswände ober- und unterhalb der Stelle abgesucht, wo am Mittwochnachmittag der Rucksack geortet und gefunden worden war.


Die Besatzung des Polizeihubschraubers »Edelweiß 2« setzte die Einsatzkräfte mit der Rettungswinde am Berg ab und unterstützte die Suche aus der Luft unter anderem mit der Recco-Boje. Zum Mittag hin stieg allerdings durch die wärmeren Temperaturen und die Sonneneinstrahlung das Lawinen- und Steinschlag-Risiko deutlich an, so dass der Heli die Einsatzkräfte nacheinander wieder mit der Winde an verschiedenen Stationen aufnahm und ins Tal zurückflog.

Allerdings gibt es in den Reihen der Helfer mittlerweile kaum noch Hoffnung; Dass der junge Mann noch lebt, sei so gut wie ausgeschlossen, sagt Rudi Fendt von der Bergwacht Ramsau. Das große Problem für Retter und Vermissten: die großen Mengen mittlerweile gefrorenen Schnees.

»Der Schnee in 2 400 Metern Höhe ist mittlerweile gefroren«, so Fendt. Die Suche wird dadurch komplizierter. Deshalb sind die Suchmannschaften mit speziellen Sonden ausgestattet und bohren die langen Stangen Meter für Meter in den Untergrund, gefährliches Absturzgelände. Das Vorgehen ist vergleichbar mit einer Lawinensuche. Bis zu zwei Meter hoch liegt der Schnee am Hochkalter. Das zerklüftete und von Rinsen und Schluchten durchsetzte Gebiet erschwert den Einsatzkräften das Vorankommen. Martin Emig, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, ergänzt, dass Alpinbeamte und Vertreter der Bergwacht »Sicherheitsstände« im Steilgelände errichtet haben. Die Retter können sich dort anseilen. Nur so sei eine Suche ohne Gefährdung für Leib und Leben möglich.

Dutzende Bergspezialisten sind in den vergangenen fünf Tagen am Einsatz beteiligt gewesen. »Wir hatten auch Unterstützung aus Österreich und dem Umland«, bestätigt ein Bergwacht-Vertreter. Hilfe kam zudem bereits am Mittwoch in Form eines Eurofighters der Bundeswehr (wir berichteten). Dieser war nach einem Antrag der Bundespolizei zur Unterstützung zugewiesen worden. Der Eurofighter ist mit einem Aufklärungsbehälter und dem sogenannten Recce-Pod-System ausgestattet. Die Zusatzausrüstung ermöglicht es, den Bundeswehr-Jet in der Aufklärungsrolle bei Vermisstensuchen einzusetzen. »Das System reagiert auf sehr geringe Wärmeunterschiede und kann auch Menschen orten, die sich unter einer Schneeschicht befinden«, weiß Rudi Fendt. Doch selbst der kostspielige Einsatz brachte keinen Erfolg.

Der seit Tagen in der Luft befindliche Polizeihubschrauber flog am Donnerstag stundenlang mit der Recco-Boje am 20-Meter-Seil. »Ideale Bedingungen« seien es, sagte Rudi Fendt noch in der Früh. Wie wahrscheinlich es ist, den 24-Jährigen schon bald zu finden, darauf hat er keine Antwort. »Wir werden ihn in den nächsten Tagen in jedem Fall weitersuchen.«

Im Hintergrund ist die Polizei damit beschäftigt, das Umfeld des 24-Jährigen zu durchleuchten, Profile in sozialen Netzwerken zu analysieren und mögliche Kontakte ausfindig zu machen, mit denen der Niedersachse noch in Kontakt stand, heißt es in Kreisen der Bergwacht. Auf Nachfrage beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd gibt man aus »ermittlungstaktischen Gründen« keine weiteren Auskünfte.

fb/kp