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Summer of Love im November

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Von Null auf Hundert in Nullkommanix: Stefan Dettl beim Waginger »Zeltln«-Festival. (Foto: Markus Müller)

Internationale Bekanntheit hin oder her, der Chiemgauer Vollblutmusiker Stefan Dettl liebt seine oberbayerische Heimat und sie ihn. Dies zeigte sich auch wieder beim Zirkuszeltfestival »Zeltln« in Waging am See, wo die höchst erfolgreiche »Summer-of-Love«-Tour einen umjubelten Abschluss fand. Gemeinsam mit seinen Bandkollegen Fabian Jungreithmayr (Gitarre), Mario Schönhofer (Bass), Tobias Weber (Schlagzeug), Jörg Hartl (Trompete) und Andi Huber (Posaune) rockte Dettl das voll besetzte Zirkuszelt und brachte Jung und Alt – wie eingangs angekündigt – schnell zum Tanzen und Schwitzen.


Doch nicht nur mit seinen mal profanen, mal tiefsinnigen boarischen Texten wusste der energiegeladene und wandlungsfähige Animationskünstler zu überzeugen, sondern auch mit seinen temporeichen Tanzeinlagen, lustigen Überleitungen und Anekdoten. »Vor einem großen Auftritt hat man uns einmal gesagt, dass wir im harten Musikgeschäft nur eine Chance haben, wenn wir gänzlich auf Alkohol verzichten, und in diesem Moment kam Joe Cocker um die Ecke (…)«, plauderte Dettl aus dem Nähkästchen.

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Ausgelassen gefeiert und mitgesungen wurde nicht nur zu »Weil i di mog« und »Bleame« aus dem letztjährigen Soloalbum »Rockstar«, sondern auch zu »Stoana«, »Holzfasslbier«, »Summer of Love«, »Rock« und »Bei mir«, alles Songs des aktuellen Erfolgsalbums »Summer of Love«. Dettl und seine kongenialen Mitstreiter gaben alles und brachten sich und ihre Zuhörer regelrecht in Ekstase. Und weil es gerade so schön war, bat der Meister der Improvisation die Mitglieder einer im Publikum weilenden regionalen Band spontan auf die Bühne und brachte »die Hütte« mit ihnen so richtig zum Kochen.

Trotz aller Erfolge und Auszeichnungen ist der in Truchtlaching lebende »überzeugte Spätaufsteher« Dettl auf dem Boden geblieben. Starallüren und Eitelkeiten sind ihm und seinen Bandkollegen völlig fremd: »Wir sind ganz normale Leute, wir brauchen uns für einen Auftritt oder ein Musikvideo nicht zu schminken und haben keine Tattoos, Nasenringe oder ähnliches.« Nein, Dettl bleibt sich stets treu, einmal abgesehen von seiner wundersamen Wandlung vom studierten Barockmusiker und Ensemblemitglied verschiedener Orchester zum multifunktionalen »bayerischen Rockstar« und Frontman der Partymusik-Gruppe »LaBrassBanda«.

Ihm geht es darum, mit seinen Zuhörern auf Augenhöhe zu kommunizieren, mit ihnen eins zu werden und sie mitzunehmen auf eine musikalische Reise durch seine Heimat und seine Gefühlswelten. Außerhalb Bayerns, wo die Texte oft nicht so verstanden werden, gelinge es, diese Gefühle mit Klängen, Gestik und Mimik zum Ausdruck zu bringen, so die Erfahrung des passionierten Trompeters. Um das Sommerfeeling auch im nasskalten November zu vermitteln, wurde beim »Mini-Tollwood« in Waging natürlich barfuß auf der Bühne getobt, gesungen und geliebt – Summer of Love im November eben, bei Dettl ist alles möglich, die Freiheit scheinbar grenzenlos.

»Wollt ihr als Zugabe Reggae, Soul oder eine Ballade«, fragte der Chiemgauer Ausnahmekünstler in die Runde und wusste natürlich selbst, dass seine bestens gelaunten Zuhörer auf keinen seiner Vorschläge verzichten wollten. Nach dem letzten Song musste er ihnen umgehend ein Wiedersehen an der Bar versprechen.

Zu Beginn des Abends hatte die überregional bekannte Chiemgauer Indie Rock- und Pop-Band The Mustard Tubes einen großartigen Auftritt. Daniel Mügge (Gesang/Gitarre), Emanuel Walter (Lead-Gitarre), Tobias Rachl (Bass/Backvocals) und Franz Mangs (Schlagzeug/Backvocals) heizten den Besuchern vor dem mit Spannung erwarteten Dettl-Aufritt ordentlich ein und begeisterten mit Songs aus ihrem neuen Album »Reveries«. Keine Frage, The Mustard Tubes als Vorband, das geht nur, wenn danach ein Künstler vom Kaliber Dettl die Bühne beben lässt. mmü

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