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Das »Glenn Miller Orchestra« unter Wil Salden swingt den k1-Saal in Traunreut

»Swing, Brother, Swing!«

Das ist wirklich mehr als beeindruckend, wenn einem da so eine Big Band gegenübersitzt. Die gesamte k1-Saalbühne war ausgefüllt mit Weltklasse-Musikern samt ihren Instrumenten. Die Vorfreude auf diesen unverwechselbaren Swingsound, angesichts des prunkvollen Anblicks des Glenn Miller Orchestras, wuchs, und wie sich schon nach den ersten Minuten herausstellte, wurden die hohen Erwartungen nicht enttäuscht.

Orchesterleiter Wil Salden (am Klavier) mit dem »Glenn Miller Orchestra« und Sängerin Miett Molna. (Foto: Benekam)

Glenn Millers Musik lebt weiter, sein musikalisches Erbe dauert bis heute an. »Swing, Brother, Swing!«, hatte Louis Armstrong Ende der 20er Jahre einem Musiker zugerufen und so dem neuen Jazzstil seinen Namen gegeben. Der in den Niederlanden geborene Will Salden führt die Swing-Tradition weiter. Im Jahr 1990 wurde ihm in New York die Leitung des Glenn Miller Orchestras für Europa übertragen. Seither füllt er mit seinem Orchester diese große Aufgabe mit äußerster Perfektion aus, bestreitet jährlich bis zu 150 Konzerte durch 17 europäische Länder und macht seinem Idol große Ehre.

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Auf dem Programm des ersten Sets standen berühmte Werke Glenn Millers wie die »Moonlight Serenade«, »Splanky«, »At Last«, »Little Brown Jug« und »The sky fell down«, indem das an diesem Tag vom Pech verfolgte Orchester leider ohne das so wichtige Bass-Saxophon auskommen musste. Kurz vor Konzertbeginn stürzte der Musiker auf sein Instrument, zog sich selbst glücklicherweise keine Verletzung zu, ruinierte aber sein wertvolles Saxophon. Salden selbst musste, wie er zu Beginn erzählte, den Konzertabend mit starken Hüftschmerzen bewältigen, was aber seinem grandiosen Klavierspiel sowie erstklassigen Orchesterführung nicht anzumerken war.

Zu Beginn des zweiten Teils hatte der Unglücksrabe die Auswahl unter gleich drei Bass-Saxophonen, welche von im Konzert anwesenden Musikern im Eiltempo ins K1 beordert worden waren, sodass im zweiten Set das Konzert in seiner nun kompletten instrumentalen Besetzung zu Hochform auflief. Mit »Sentimental Journey«, bravourös vorgetragen von Sängerin Miett Molna, wurde die legendäre Doris Day in Erinnerung gerufen, die die Nummer mit großem Erfolg im Jahr 1945 mit Less Brown aufgenommen hatte. Mitreißende Rhythmen, fabelhafte Soli auf Trompete, Posaune, Saxophon und Klarinette erfreuten das Publikum in Nummern wie »I got Rythm«, »Sing Sing Sing« und »Chicago«.

Wenn man überhaupt, bei all den gebotenen Superlativen des Swing-Konzerts, von einem Höhepunkt sprechen könnte, so war dieser das spektakuläre Drum-Solo von Klaas Balijon. Ausgehend von seinem Schlagzeug trommelte er sich quer durch das ganze Orchester, machte sich Notenständer, die Instrumente der Musikerkollegen und alles was ihm unterkam, schlagkräftig zu eigen. Großes Gelächter im Saal, aber auch gespielt genervte Reaktionen der Orchesterkollegen ob seiner Trommelattacke, waren ihm sicher.

Wil Salden, brillanter Musiker und Entertainer, wirkte gegen Konzertende, trotz anfänglich zu überwindender Widrigkeiten, gelöst und zufrieden mit der Gesamtleistung im k1-Saal. Selbiges traf auf die Zuhörer zu, die sich mit stürmischem Applaus und stehenden Ovationen nach mehreren Zugaben vom Glenn Miller Orchester verabschiedeten. Kirsten Benekam