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Taching am See: Ursula Haas stellt sich nicht mehr zur Wahl

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Bürgermeisterin Ursula Haas kandidiert bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr nicht mehr.

Taching am See – Ursula Haas will bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr für das Amt der Bürgermeisterin kandidieren. Das gab sie in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt nennt sie vor allem persönliche Gründe.


Dabei bestätigt Haas: 2020 ist Schluss. Sie wird also bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr nicht erneut kandidieren, trotz guter Chancen auf Wiederwahl. Noch ist nämlich ein Nachfolger nicht in Sicht. Haas leitet seit 2008 die Geschicke der Gemeinde als ehrenamtliche Bürgermeisterin. Da sie ihren damaligen Beruf Erzieherin aufgegeben hat, war sie jedoch tatsächlich hauptberuflich für die Bürger im Einsatz. Im Wahljahr 2008 wurde sie bei einem Gegenkandidaten mit 59,7 Prozent der Stimmen als erste Frau im Landkreis Traunstein zur Bürgermeisterin gewählt. Sechs Jahre später wurde sie mit 82,2 Prozent im Amt bestätigt.

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Politikerin sein, die auch wieder gehen kann

»Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass ich bis jetzt die Möglichkeit hatte, elf Jahre lang Bürgermeisterin zu sein und mit Menschen aus unserem ganzen Gemeindegebiet zusammen zu arbeiten.« Sie wolle aber eine Politikerin sein, die auch wieder gehen könne, sagt die 59-Jährige. »Wenn ich eine dritte Amtszeit anstreben würde, wäre ich danach 66 Jahre alt. Dann wäre es wohl zu spät, mein Leben nochmals grundlegend zu ändern.«

Denn sie möchte künftig wieder mehr Zeit für ihre Familie, die Enkel, ihre Hobbys und andere Dinge haben, die in den letzten Jahren auf der Strecke geblieben sind. Auf die Frage, ob ihr die Bürgermeister-Tätigkeit noch immer Spaß mache, habe sie immer geantwortet, manches mache keinen Spaß, vieles freue sie aber auch. Es mache zum Beispiel keinen Spaß, wenn man kein Hobby mehr ausüben kann, »weil man die Arbeit sehr ernst nimmt, weitgehend ganztags arbeitet und zusätzlich versucht, alle Veranstaltungen und Einladungen wahrzunehmen.« Da gebe es kaum feste Zeiten, Tage oder Abende für den privaten Bereich. »Zudem sind schwierige Begegnungen oder übertriebenes Anspruchsdenken einiger weniger Bürger auch nicht immer einfach.«

Es freue sie hingegen, wenn sie etwas bewegen, vorwärtsbringen und gestalten kann. Und es bereite Freude, auf eine finanziell gut ausgestattete Gemeinde und viele Investitionen blicken zu können, »für die früher einfach kein Geld da war.« Haas würdigte die motivierten Gemeinderäte, Verwaltungs- und Gemeindeangestellten. Auch sei es schön, mit den Vertretern anderer Gemeinden an einem Strang zu ziehen.

Ehrenamtliche Arbeit im Ort ist »eine reine Freude«

Wertschätzung erfahre sie auch bei Gratulationsbesuchen, Festen und alltäglichen Begegnungen. »Eine reine Freude aber ist es, wenn ich sehe, wie viel ehrenamtliche Arbeit in Vereinen, bei den Feuerwehren und Wasserwachten, bei der Bürgerhilfe und von vielen anderen Personen zum Wohle der Mitbürger geleistet wird«, sagte Haas. Das Positive überwiege das Negative doch deutlich.

Da sie einen gewissen Nachholbedarf an Privatleben habe und heuer zudem weitere Enkelkinder erwarte, denen sie möglichst viel Zeit widmen würde, wolle sie nicht mehr antreten. Aber natürlich werde sie sich in den kommenden Monaten noch ebenso stark für die Gemeinde einsetzen wie bisher. »Es soll aber so ruhig und friedlich bleiben, wie wir das gewohnt sind.« Sie hoffe auch, dass der Ort künftig von Bränden verschont bleibt. Denn die vielen Großbrände seien doch sehr bedrückend gewesen.

Wichtige Projekte in ihrer Amtszeit waren unter anderem die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans und die Umstellung der Straßenleuchten auf LED, mit der die Gemeinde nicht nur Strom sparte, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz leistete. Auch sei es fast selbstverständlich gewesen, der Ökomodell-Re-gion Waginger See - Rupertiwinkel beizutreten.

Von Straßensanierungen bis Baugebietsausweisung

»Wir haben seit 2008 rund eine Million Euro für Straßensanierungen ausgegeben«, erinnert Haas weiter. Mit dem Tachinger Feld, mit Thalwies-Frauenanger und Gessenhausen wurden drei neue Baugebiete mit zusammen 39 Bauplätzen ausgewiesen für junge Familien, was zugleich zum Erhalt von Schule und Kindergärten beigetragen habe. Ende 2018 hatte die Gemeinde zwar fast genauso viele Schulden wie 2008, inzwischen gebe es aber trotz vieler Investitionen 1,5 Millionen Euro Rücklagen und noch einmal so viel Mehrwert an Grundstücken und Immobilien. »Zum Erhalt eines lebenswerten Orts gehören für mich auch Einkaufsmöglichkeiten.« Daher habe sie alles darangesetzt, die beiden Dorfläden zu erhalten. Auch der flächen- deckende Breitbandausbau habe großen Raum eingenommen.

Die Gemeinde habe das Bauhofgebäude erworben, umgebaut und mit Geräten und Fahrzeugen neu ausgestattet. »Vorausschauend haben wir für alle Buben und Mädchen Betreuungsplätze im Kindergarten geschaffen, dort längere Öffnungszeiten eingeführt, für niedrigere Kindergartengebühren gesorgt und eine Krippengruppe eingerichtet.« Heuer eröffne man zudem noch einen Waldkindergarten.

Während ihrer Amtszeit sei ein neues Sanitärgebäude am Strandbad Tengling entstanden. Auch der Campingplatz in Taching habe sich positiv entwickelt. Für die beiden Feuerwehren gab es drei neue Fahrzeuge. Darüber hinaus hat sich Haas einst nicht nur für das Einrichten des Sozialfonds und der Bürgerhilfe eingesetzt, sondern auch für gemeindliche Beauftragte, die sich seit einigen Jahren »in bewundernswerter Weise um Senioren, Behinderte, Jugendliche und Familien kümmern«. Regelmäßigen und persönlichen Einsatz fordern auch die interkommunalen Projekte, die ja in Schwung bleiben sollen.

Vereine können jetzt besser gefördert werden

Die Gemeinde könne die Vereine jetzt auch finanziell deutlich besser unterstützen als zu Beginn ihrer Amtszeit. Möglich sei zum Beispiel, den Sportvereinen in Taching und Tengling mit je einem sechsstelligen Zuschuss bei der Modernisierung ihrer Sportanlagen unter die Arme zu greifen. Die ehrenvolle Rolle der Schirmherrin bei Vereins-Jubiläen sei ebenso erfreulich gewesen wie die angenehmen Gespräche bei Gratulationsbesuchen bei Mitbürgern. ca