weather-image
21°

Taffe Frauen und verfallende Männer

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Stephan Bauer sorgte in der Kleinkunstbühne Laufen mit seinem Blick auf Mann und Frau für viele Lacher. (Foto: Höfer)

Stephan Bauer hadert. Mit dem Leben, dem Alter und den Frauen. Genauer gesagt mit einer: Sina heißt sie. Eigentlich eine Sahneschnitte. Alter 25. Und er? 40, sagt er zumindest. Was aber nicht stimmt. Tatsächlich ist der Württemberger 47. Egal. Es ist äußerst amüsant, was der Kabarettist zu erzählen hat über die Unterschiede von Mann und Frau im Besonderen und das Leben im Allgemeinen. Laufens Kleinkunstbühne war voll besetzt an diesem Abend, und die Gäste hatten viel zu lachen.


Nach sechs Single-Jahren hat Stephan Bauer endlich wieder eine Freundin. Es passierte an einer Kreuzung. Sie kam von links und hatte Schuld. »Mit einem gut inszenierten Verkehrsunfall lässt sich schnell Kontakt herstellen«, so seine Erfahrung. Man hat Adresse und Telefonnummer.

Anzeige

15 Jahre sind kulturell wie ein Jahrhundert

Warum, so fragt Bauer, lassen sich so viele junge Frauen mit älteren Männern ein? Das Geld jedenfalls kann bei ihm nicht der Grund sein. »In Wahrheit suchen sie den Vater«, weiß die Psychologie, denn 15 Jahre sind kulturell wie ein Jahrhundert. Die Musik, die Sprache. »Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer« zeigen an, dass etwas lustig ist. »Eine Generation schafft es, das Sprachniveau der Menschheit um fünf Jahrtausende zurückzuwerfen«, beklagt Bauer.

Aber er bewundert auch die jungen Frauen: taff, selbstbewusst und engagiert. So gesehen an der Baustelle, wo die Dixie-Klos nur mehr einsdreißig hoch sind, weil auch die Männer im Sitzen pinkeln sollen. Diese Anweisung kam von Polier Frau Hoffmann.

Sina arbeitet zwölf Stunden am Tag. »Du wolltest doch immer halbtags«, zeigt ein armer Künstler, der morgens um zwölf aufsteht, Verständnis. Stephan Bauer merkt seinen Verfall. Andere auch. »Kürzlich sollte ich im Restaurant ein Fünf-Minuten-Ei im Voraus bezahlen«, erzählt Bauer, der sich selbstverständlich professionelle Hilfe geholt hat. Psychotherapie, wo man erfährt, dass ein Minderwertigkeitskomplex auf Minderwertigkeit basiert. Trost erfährt Stephan Bauer am Frühstückstisch, wo »Der große Bauer« vor ihm steht, falls ihm Sina nicht einen Fruchtzwerg hinstellt.

»Meine Generation wollte noch die Welt retten«, behauptet Bauer. Und jetzt geht es um Bio-Dinkel. Alkoholfreier Oktoberfest-Saft ist ohne Frage ziemlich freudlos, denn was sind schon zwölf Vitamine gegen 56 Kräuter im Jägermeister? Bauer stellt die Frage an alle Vegetarier in der Kleinkunstbühne: »Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?«

Mit Sexualität und dem Nachwuchs beschäftigt sich Bauer, der im Laufe des Abends immer jünger wird. Jedenfalls sagt er das. Mitte 30 ist er, als er über Frauen spricht, die einen Hund, aber keine Kinder wollen. Dabei sei das doch etwas Wunderbares: »Neues Leben schaffen mit Dingen, die man im Haus hat.«

Stichwort Zuhause: »Wer von den Männern der Meinung ist, dass er daheim etwas zu sagen hat, melde sich.« Ein paar wenige Hände gehen nach oben. Eh klar: »Die wohnen allein.« Auch Stephan Bauer ist gerne allein zu Hause. Dann starrt er auf die Raufasertapete, weil sich da nichts wiederholt, »jeder Quadratzentimeter ist neu.« Frauen aber wollen immer so eine »Gedöns-Atmosphäre« mit Kerzen. Das einzig Gute daran ist, dass die sich selber vernichten. Andererseits mögen Frauen ganz gerne das »Arschloch-Syndrom«, weiß Bauer. Er selbst ist schüchtern und ängstlich. Zum Beispiel hat er Angst vor Haien. »Obwohl: Im Schwimmbad geht’s einigermaßen.«

Der Zug der Moderne fährt an Stephan Bauer vorüber

Junge Frauen schauen Kochshows, kochen aber können sie nicht mehr. »Wenn eine junge Mutter in der Nachbarschaft 'Essen' ruft, laufen die Kinder zum Auto«, hat Bauer beobachtet. Er ist der Ansicht, dass der Zug der Moderne an ihm vorüber fährt, und er Sinas ausschweifendem Leben nicht mehr gewachsen ist. Er fragt sich, warum er überhaupt noch mit ihr zusammen ist. Vermutlich ist es Trennungsangst.

Aber wie geht es weiter? Bauer schaut einige Jahre voraus, wo man sich auf Probe für 30 Jahre getrennt hat. Sein Blick auf die Republik verrät schon ein bisschen was über sein neues Programm, das im Herbst Premiere hat. Im Februar 2018 kommen immer noch Flüchtlinge, finden an der Grenze jedoch ein Schild: »Wir sind umgezogen«. Und bei Angela Merkel stellt sich schließlich heraus, dass es sich um Hape Kerkeling handelt.

Stephan Bauer schreckt auch vor Kalauern nicht zurück. Gut so. Sein Programm ist klug und äußerst witzig, er selbst ein sympathischer Typ. Laufen darf hoffen, dass er wieder kommt. Hannes Höfer