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Talent und Berufung

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Im Zusammenwirken mit ihren Dozenten wuchsen die jungen Stipendiaten der Chiemgauer Interferenzen über sich hinaus (von links): Malina Ciobanu, Bianca Pomparau, Razvan Popovici, Iulia Goiana, Alexander Buzlov und Soma David-Kacso. (Foto: Benekam)

Bereits zum dritten Mal haben junge Musiktalente ihr Können bei zwei Konzerten – einem im Haus Sawallisch in Grassau und einem im Kulturzentrum Traunstein – der SoNoRo-Interferenzen, dem vor zwölf Jahren als Ableger des rumänischen SoNoRo-Festivals gegründeten Jugendförderprogramm für besonders begabte Jugendliche im Alter von 13 bis 30 Jahren, bewiesen. Die Konzertbesucher staunten über das bereits hohe spieltechnische Niveau der Stipendiaten aus Rumänien, Belgien, Spanien und Deutschland.


Wie erfüllend es sein muss, Talent und Berufung auszuüben, wurde beim Vorspiel der »Barcarolle für Klavierquartett« von Camille Saint-Saëns deutlich: Mikko Pablo (Violoncello), Indira Nezami (Klavier) und Iulia Goiana (Viola) zelebrierten das Werk zusammen mit der Dozentin Tatiana Samouil (Violine) mit spürbarer Musizierfreude.

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Die schwungvollen Motive, aufbrausend kraftvoll, dann wieder sacht abflauend, schienen Wind aufkommen zu lassen und passten so ganz zum Wetterumschwung, der sich zu Konzertbeginn mit dunklen Wolken am Himmel angekündigt hatte: Frische Abkühlung nach lang anhaltender Schwüle – brillant und gefühlvoll interpretiert.

So auch die im Anschluss von Indira Nezami (Klavier) und Cornelius Zibro (Violoncello) interpretierte Schubert-Sonate, das Arpeggione für Violoncello und Klavier, welche die beiden mit für das Alter unfassbarer Souveränität zum Besten gaben. Beim Hörgenuss des Klaviertrio Nr. 2 in c-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy, welches Malina Ciobanu (Violine) und Cornelius Zibro (Violoncello) zusammen mit Dozentin Diana Ketler (Klavier) kredenzten, stellte sich die Frage, warum dieses Werk stets im Schatten des weitaus bekannteren Klaviertrios Nr. 1 steht. Im Sawallisch-Haus jedenfalls schien, gemessen am großen Applaus, die »Nr. 2« an erste Stelle zu rücken.

Mit gleich sechs Musikern auf der kleinen Bühne mussten die Gäste in der ersten Reihe achtgeben, nicht die Bogenführung der Streicher zu behindern. Die Publikums-Nähe störte jedoch nicht im Geringsten bei Mozarts Grande Sestetto KV 364. In diesem »Hit für Bratschisten« zeigte die junge Iulia Goiana an der Seite von Dozent Razvan Popovoci, Dozent Alexander Buzlov, Soma David-Kacso (Violoncelli), Malina Ciobanu und Bianca Pomparau (Violinen) ihr Können.

Nach einer kurzen Pause ging es passend zur fortgeschrittenen Abendstunde mit dem Notturno für Klaviertrio weiter, ein »spätes« Werk Schuberts, das hingebungsvoll von der Stipendiatin Bianca Pomparau im Zusammenspiel mit den Dozenten Diana Ketler und Alexander Buzlov dargeboten bei den Gästen großen Gefallen fand.

In der Reihe der bekannten Komponisten des Interferenzen-Programms war der französische Komponist Jean Cras eine hörenswerte Neuentdeckung. Sein äußerst variationsreiches und vielschichtiges Trio für Violine, Viola und Violoncello mit impressionistischen Klangfarben war der heimliche Höhepunkt des Konzerts, wobei dem Werk der Ort seiner »Entstehung« – ein Schiff – deutlich anzuhören war. Den Violoncello-Part meisterte der junge Soma David-Kacso neben Razvan Popovici und Tatiana Samouil mit Bravour.

Mit fulminanter Dramatik setzten Stipendiaten und Dozenten in großartigem Zusammenspiel noch einen klangvollen Schlusspunkt: Brahms Klavierquartett Nr. 1 in g-Moll op. 25 hätte Wolfgang Sawallisch, der gerade als hervorragender Brahms-Dirigent bekannt war, sicherlich sehr gefallen. Christian Ratiu (Viola) und Alenandru Lazar (Klavier) begeisterten mit bemerkenswerter Virtuosität und schienen im Zusammenspiel mit den Dozenten Tatiana Samouil und Alexander Buzlow regelrecht über sich hinauszuwachsen.

Riesenapplaus für ein rundherum gelungenes Kammerkonzert im Rahmen einer großartigen Idee. Kirsten Benekam