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Tatort: Sonnenwende

Ein Bauernhof im Schwarzwald wird zum «Tatort». Ein totes Mädchen und gefährliche Vaterlandsliebe sind der Stoff des neuen ARD-Krimis. Für ihn jagen Schauspieler durch den Wald. Und stoßen auf Verbrechen mit politischer Sprengkraft in idyllischer Umgebung.

Tatort: Sonnenwende
Franziska Tobler (Eva Löbau, l) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ermitteln im Schwarzwald. Foto: Benoit Linder/SWR/ARD Foto: dpa

Freiburg (dpa) - Die Bauern im Schwarzwald schwören auf Tradition und Heimattreue. Gepflanzt und geerntet wird naturnah und streng biologisch. Doch die ländliche Idylle trügt.

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Völkisches Gedankengut, Rassismus und der Mord an einem Mädchen rufen die «Tatort»-Kommissare Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner auf den Plan. «Sonnenwende» ist ihr zweiter Fall. Er zeigt den Schwarzwald von seiner dunklen Seite. Ausgestrahlt wird er am Sonntag (13. Mai) um 20.15 Uhr im Ersten.

Löbau (46) und Wagner (49) verkörpern in der populären Krimireihe der ARD seit Oktober vergangenen Jahres die beiden Freiburger Ermittler Franziska Tobler und Friedemann Berg. In «Sonnenwende» untersuchen sie den plötzlichen Tod eines Mädchens namens Sonnhild. Es ist die älteste Tochter einer Schwarzwälder Bauernfamilie, die nach strengen, altertümlichen Regeln lebt. Ermittler Berg kennt den Vater des toten Mädchens seit seiner Schulzeit.

«Das sind ja echt Hardcore-Ökos», sagt seine Kollegin, als sie dem Bio-Bauernhof im Schwarzwald einen ersten Besuch abstatten. «Die machen das richtig hier», meint der Kommissar. Dann kommt heraus, dass das Mädchen schwanger war und eine Abtreibung wollte. Ein Arzt gerät wegen des Verdachts der Fehlbehandlung ins Visier der Ermittler - ebenso die Familie. Hinzu kommen sogenannte Heimatfreunde, deren Vaterlandliebe gefährlich ist. Und die beiden Kommissare zweifeln schließlich an sich selbst.

Inszeniert hat den Fall der österreichische Filmemacher Umut Dağ (36). Er hat vor zwei Jahren am Bodensee mit «Rebecca» seinen ersten «Tatort» gedreht, nun setzte er im Schwarzwald ein Drehbuch von Patrick Brunken um. Er erzählt bildstark und atmosphärisch, lässt auch leise Töne und lange Sequenzen zu. In weiten Teilen erinnert der neue Schwarzwald-«Tatort» mehr an einen mystischen Fernsehfilm, als an eine klassische Krimi-Episode. Der Dramatik nimmt das nichts.

«Es ist eine spannungsgeladene Geschichte mit einem Konflikt, der aktuell ist und sinnbildlich für gesellschaftliche Veränderungen von heute: Völkisches und rassistisches Gedankengut kommt im Kleid von Heimatliebe und Traditionsbewusstsein daher», sagt Dağ. Erzählt werde nah an den dargestellten Menschen, anhand von Lebensgeschichten und Lebensumständen. Das Thema werde dadurch greifbarer und realitätsnah.

Es ist viel Stoff in den 90-Minuten-Film gepackt worden. So geht es unter anderem um die Nöte der Bauern, um Konflikte innerhalb einer Familie und an einer Schule, um nationalistische Umtriebe und um eine tödliche V-Mann-Affäre, in die verdeckte Ermittler und der Staatsschutz verstrickt sind. «Der ganze Dreck», sagt der Fernsehkommissar im Film. Ein einfacher «Tatort» ist es nicht geworden, thematisch wirkt er zeitweise überladen.

Zudem erfahren Zuschauer mehr über das neue Ermittler-Duo, von denen bislang wenig bekannt ist. «Ich hatte das große Privileg, deren persönliche Geschichte mit zu gestalten, die beiden Kommissare so dem Zuschauer näher zu bringen und nachhaltig für die Zukunft zu prägen», sagt Regisseur Dağ. Er hat dies zurückhaltend getan. Zu stark wird Privates nicht betont, es überlagert nicht das Kriminalgeschehen.

Hauptdarstellerin Löbau schätzt den Film. «Die Frage, wie gefährdet Demokratie und Gesellschaft durch Extreme sind, passt in die Zeit», sagt sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dieser «Tatort» wolle in die Tiefe gehen, statt einfach nur zu unterhalten.

«Die Dreharbeiten waren etwas Besonderes», sagt Löbau. Gespielt wurde, wie im ersten Fall auch, meist in der Natur. Verfolgungsszenen im Wald etwa hätten ihren ganz eigenen Charme. «Räuber und Gendarm spielt ja fast jedes Kind. Dass wir Erwachsene hierfür nun wieder in den Wald rausgehen durften, hat großen Spaß gemacht.»

Die Dreharbeiten für den dritten Fall haben nach Angaben des Südwestrundfunks (SWR) bereits begonnen, zu sehen ist er voraussichtlich im Herbst. Löbaus Kollege Wagner, der diesen Sonntag bei «Sonnenwende» eine Schlüsselrolle spielt, steht dabei nicht vor der Kamera. Krankheitsbedingt muss er nach Angaben des Senders, bis zu seinem «Tatort»-Comeback, eine Pause einlegen.

Tatort-Webseite

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