Taufe des neuen Elektromotorboots »Königssee«

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Das neue Fahrgastschiff »Königssee« ist ein »Schwesterschiff« des Elektromotorbootes »Marktschellenberg« und mit einer Länge von 22 Metern eines der beiden größten Fahrgastschiffe am Königssee. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)

Schönau am Königssee – Im Einsatz ist die »Königssee« schon seit einiger Zeit. Doch die Taufe des neuen Elektromotorbootes der Königsseeschifffahrt musste im letzten Jahr pandemiebedingt ausfallen. Die gab es nun auch nicht mehr, aber immerhin zu einer Segnung durch Pfarrer Herwig Hoffmann traf man sich am Freitag im kleinen Kreis an der Seelände. Staatsministerin Michaela Kaniber vertrat die bayerische Staatsregierung.


Zunächst sollte die kirchliche Segnung in der Bootshütte bei der Werft der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH stattfinden. Witterungsbedingt und aufgrund einer publikumsleeren Seelände entschied man sich in letzter Minute dafür, die Feierlichkeit dort abzuhalten. Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH, begrüßte alle persönlich: Staatsministerin Michaela Kaniber, Landrat Bernhard Kern, Bürgermeister Hannes Rasp, Pfarrer Herwig Hoffmann, Bootsbaumeister Sebastian Maltan, den technischen Leiter der Schifffahrt Michael Brandner sowie die beiden Kapitäne Florian Hallinger und Sebastian Lenz.

11 000 Arbeitsstunden

Staatsministerin Michaela Kaniber erinnerte in ihrer Ansprache an die Schiffsweihe des Elektromotorbootes »Marktschellenberg« vor vier Jahren unter der Schirmherrschaft des jetzigen Ministerpräsidenten Markus Söder. Sie verstehe, scherzte Kaniber, dass Finanzminister Albert Füracker, der sich entschuldigen ließ, diesmal nicht gekommen sei, »denn die Bilder von damals kann kein Mensch mehr toppen«. Dafür bewies die Ministerin mit ihrer Teilnahme, dass sie größten Wert auf den Segen Gottes legt. Michaela Kaniber fragte dann noch mal nach, wie Schiff auf Berchtesgadenerisch heißt, und hörte sofort den Dialekt-Namen »Schäffe«.

»Es geht nicht nur um die Menschen, die das Boot jetzt benutzen, sondern auch um die, die es gebaut haben und die, die es täglich steuern«, sagte die Ministerin. Sie wünscht sich, dass in den nächsten Tagen viele Gäste kommen, um den schönsten See Bayerns, Deutschlands, Europas und der Welt zu sehen. »Das ist eine Sehnsucht, die wir durch Corona jetzt viel mehr in uns spüren.«

Man hat der Ministerin aufgetragen, ein paar Worte zur Sicherheit und Ausstattung des Bootes zu sagen. So erfuhr man, dass die Passagiere nicht nur durch Radar und andere Vorkehrungen sehr sicher seien. Zudem tut man mit dem Einsatz eines Elektromotorbootes wieder etwas für die Sauberkeit des Sees. »Deshalb ein Vergelt's Gott an die, die das Boot gebaut haben.« 11 000 Arbeitsstunden in der Werft am Königssee fielen dabei an. Herausgekommen sei ein »meisterliches Werk«, nur die Schiffsschale ist aus Stahl und kommt aus einer Werft in Niederkassel bei Bonn und die Elektrotechnik ist von der Firma Siemens.

»Wir freuen uns, dass wir die größte Flotte der Bayerischen Seenschifffahrt haben, und die soll weiter wachsen und gedeihen«, wünschte sich Michaela Kaniber. Die Ministerin versprach in ihrem Beitrag, als Mitglied der Staatsregierung und auch als Stimmkreisabgeordnete für »meinen«, wie sie sagte, und »unseren Königssee« alles zu tun.

Ein historischer Tag

Landrat Bernhard Kern bezeichnete den 21. Mai mit Eröffnung der touristischen Betriebe als einen historischen Tag. Es sei ein gutes Zeichen, dass man jetzt die Schiffssegnung vornehmen könne. Kern bedankte sich bei allen, die dieses Schiff gebaut haben. »Jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns wieder raustrauen.«

Der Landrat hatte im Rahmen der Segnung selbst erst erfahren, dass die Schifffahrt am Königssee 19 Elektroboote im Einsatz hat. »Das ist fantastisch, wir werden das brauchen und auch nach der Coronapandemie werden wir das brauchen, dass wir uns ein wenig erweiterter aufstellen, vielleicht braucht man mehr Manpower und Frauenpower dazu.« Michaela Kaniber verstand diesen Hinweis als Ruf nach mehr Personal. Allerdings hat die Ministerin nach eigenen Angaben gehört, »dass es keine weiteren Stellen geben soll«.

Schönheit und Qualität

Hannes Rasp ist nach eigenen Worten nicht nur stolz darauf, Bürgermeister »der schönsten Gemeinde Bayerns« zu sein, sondern er sei auch stolz darauf, in der Gemeinde eine Werft zu haben. »Wir haben die südöstlichste Werft und die höchstgelegene Werft in Deutschland.« Ein Boot mit so viel Liebe zum Detail zu bauen, faszinierte den Bürgermeister. Jedes Teil sei überlegt und nichts auf billig gemacht, »es ist auf Schönheit und Qualität gebaut worden«. Der Rathauschef hatte die Werft während des Baus selbst besucht und zollte den Arbeitern einen »Riesenrespekt«. Seit sieben Monaten sei man nun eingeschränkt und so passe der Zeitpunkt der Segnung gut, »weil wir ab heute wieder öffnen dürfen«. Rasp wünschte den Schiffsleuten immer eine unfallfreie Fahrt und dem Schiff immer eine »Handbreit Wasser unter dem Kiel«.

Als Zeichen des Dankes überreichte der Bürgermeister zwei Wappen der Gemeinde Schönau am Königssee an Michaela Kaniber als Vertreterin des Freistaates Bayern und an Michael Grießer, den Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Die Wappen sollen am Bug des neuen Schiffes montiert werden.

Erst Segnung, dann Rundfahrt

Die Segnung des Bootes lag in den Händen von Pfarrer Herwig Hoffmann. Der Geistliche ging zunächst auf die Besonderheit und Schönheit der Landschaft, aber auch auf die Bedeutung des Schiffsverkehrs vor allem auch für Bergsteiger ein. Pfarrer Hoffmann sprach ein Gebet und spendete den göttlichen Segen, anschließend besprengte er das Boot »Königssee« mit Weihwasser.

Michael Grießer lud zu einer kleinen Rundfahrt im neuen Elektroboot »Königssee ein«. An der sogenannten »kleinen Echowand«, bei der Falkensteinerwand, hielt das Schiff an und Kapitän Florian Hallinger ließ mit seinem Flügelhorn das Echo vom Königssee erschallen. Man dankte ihm mit kräftigem Applaus.

Bernhard Stanggassinger