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»Taxi, Taxi« – Lügen und Lachen

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Das Foto zeigt (v. l.) Monika Kloiber, Hermann Hipf und Volker Schweidler. (Foto: Kewitsch)

Männer schwindeln. Fast nie oder höchstens ab und zu. Sagt Hermann Hipf. Der muss es wissen. Erstens ist er ein Mann, zweitens hat er den berühmten britischen Lügenschwank »Run for your Wife« ins Bayrische übersetzt, ein wenig geschliffen, gefeilt und Regie geführt und auch umgesiedelt von unaussprechbaren Londoner Vororten nach Schwabing und Ramersdorf. Herausgekommen ist eine turbulente Komödie, deren Handlung ein höchst rasantes Tempo aufnimmt, die sich im Sekundentakt von einer Lüge zur nächsten hangelt, dabei nie aus dem Takt kommt, wohl aber gerne immer wieder mal knapp an zahlreichen Fettnäpfchen vorbeischrammt. Eine Farce, wie sie im Buche steht.


Schon das Bühnenbild zeigt schnell: hier wurde mit Sorgfalt auf Details geachtet, liebevoll inszeniert und dekoriert. Der Charme der 70er Jahre springt von den schrillen Tapeten bunt ins Publikum, das gute alte rechteckige Tastentelefon ist ebenso vorhanden wie der Ohrensessel.

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Nach dem grandiosen Erfolg des Stücks »Der Leichenschmaus« galt es für die Ruhpoldinger Heimatbühne, insgesamt 34 Proben zu absolvieren, bevor es zur erfolgreichen Premiere kam. Mit der Verwechslungskomödie »Taxi,Taxi« von Ray Cooney gelang Hermann Hipf und seinem Ensemble ein perfekter Wurf. Den beiden Hauptdarstellern Volker Schweidler und Michael Lindhuber wird einiges abverlangt, denn die ständigen kleinen Notlügen manövrieren sie immer weiter ins Abseits.

So mag es nicht verwundern, wenn selbst während der Proben »Auszeiten« benötigt wurden, um Beziehungen zueinander nachzulesen und die kleinen Lügen wieder ins rechte Licht zu rücken. Um es mit den Worten von Volker Schweidler zu sagen: »Geh leck, bei so viel Schwindeln soll sich noch einer auskennen!« Zur Handlung sei soviel verraten: Hauptdarsteller und Taxifahrer Johann Schmidt (perfekt authentischer Bigamist: Volker Schweidler) kommt aufgrund eines Malheurs mit seinem »Stundenplan« bei seinen beiden Gattinnen Maria Schmidt (sehr gut sich sorgend und textsicher: Marianne Plenk) und Barbara Schmidt (liebestoll und fehlerfrei: Monika Kloiber) mächtig ins Trudeln. Freund und Nachbar Stanislaus Gärtner (witzig und possenreich: Michael Lindhuber) vermag die jeweiligen Momente mit Improvisationstalent und Wortwitz zu meistern, doch die beiden Kommissare Lessing (schön spießig und echt: Hermann Hipf) und Trautner (steif und brillant: Simon Geierstanger) lassen sich von den »Konstruktionen« der beiden Freunde nicht täuschen. Oder etwa doch? Als ob dies alles nicht schon ausreichen würde, kommt im zweiten Akt auch noch der süße Jens-Josef Haslinger (Bobby) ins Spiel (herrlich schwuchtelig und humorig: Fritzi Fischer).

Allen gelingt das Spiel um die kleinen und größeren Lügen dieser unrechtmäßigen Doppelehe mit Perfektion. Die beiden Wohnungen im Bühnenbild meistern die Trennlinie zwischen Ramersdorf und Schwabing (viereinhalb Minuten), und die Telefonate steigern die Lacher im Publikum an den Rande des Tränenbereichs. Alle sieben Schauspieler sind über jeden Tadel erhaben, Sympathiepunkte gibt es obendrein. Fazit: wunderbare Lehrstunde in Sachen Notlügen.

Wer also herausfinden mag, wie oft sich die beiden Männer mit etwas »Schwindeln« rausreden und dabei versuchen ihren guten Ruf wahren, dem sei das Stück ans Herz gelegt. Die Ruhpoldinger Heimatbühne spielt das Stück nochmals am 9., 10., 15. und 16. März. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Tourist-Info Ruhpolding, Tel. 08663/8806-0, und im Reformhaus Zacher, Tel. 08663/9622. Weitere Informationen sind im Internet unter www.ruhpoldinger-heimatbuehne.de erhältlich. Udo Kewitsch