weather-image
19°

Terrorverdächtiger soll monatelang in Türkei gewesen sein

0.0
0.0
Terrorverdächtiger in Leipzig gefasst
Bildtext einblenden
Spurensicherung vor dem Haus in dem der bundesweit gesuchte Terrorverdächtige Syrer Dschaber al-Bakr festgenommen wurde. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
Terrorverdächtiger in Leipzig gefasst
Bildtext einblenden
Wohnhaus im Leipziger Stadtteil Paunsdorf. Die rechten Fenster gehören zur Wohnung, in welcher der flüchtige Terrorverdächtige Al-Bakr festgenommen wurde. Foto: Jan Woitas Foto: dpa
Festnahme in Leipzig
Bildtext einblenden
Die Polizei fasste den 22-jährigen Syrer in der Wohnung eines Landsmanns. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
Polizeieinsatz in Chemnitz
Bildtext einblenden
Der 22-Jährige war seit einer Anti-Terror-Razzia am Samstag in Chemnitz auf der Flucht. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
Polizeieinsatz in Chemnitz
Bildtext einblenden
In Chemnitz wurde ein Mann in Gewahrsam genommen, der Kontakt zu dem Syrer gehabt haben soll. Foto: Bernd März Foto: dpa
Löcher für kontrollierte Sprengung
Bildtext einblenden
Spezialisten der Polizei ließen den gefundenen Sprengstoff in extra ausgehobenen Löchern kontrolliert detonieren. Foto: Polizei Sachsen Foto: dpa
Polizeieinsatz in Chemnitz
Bildtext einblenden
Die Polizei geht davon aus, dass der jungen Mann einen «islamistisch motivierten Anschlag» begehen wollte. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa

Wo sich der Terrorverdächtige Syrer in den Monaten aufhielt, bevor er ins Visier des Verfassungsschutzes geriet, ist bis dato nicht gesichert. Einem Zeitungsbericht zufolge führt die Spur in die Türkei - und vielleicht sogar nach Syrien.


Leipzig/Berlin (dpa) - Der unter Terrorverdacht in Leipzig festgenommene Syrer Dschaber al-Bakr soll sich vor seinen Anschlagsvorbereitungen in der Türkei aufgehalten haben.

Anzeige

Der 22-jährige mutmaßliche Bombenbauer habe Deutschland im Frühjahr bis zum Spätsommer verlassen, berichtete die «Welt» am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Geprüft wird demnach auch, ob er von der Türkei aus nach Syrien reiste und sich dort in einem Ausbildungslager islamistischer Terroristen schulen ließ. Vor dem Hintergrund des Falls ist eine Diskussion über mehr Kompetenzen für die Geheimdienste bei der Überprüfung von Flüchtlingen entbrannt.

Laut «Welt» kehrte Al-Bakr erst Ende August nach Deutschland zurück. Nach Angaben der Behörden wurde er seit Mitte September vom Verfassungsschutz beobachtet, nachdem es Hinweise auf Anschlagsplanungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Infrastruktureinrichtungen in Deutschland gegeben habe. Zuletzt war er im nordsächsischen Eilenburg gemeldet. Aus der Wohnung dort war er aber nach Angaben von Nachbarn schon vor rund einem Jahr ausgezogen.

Nach seiner Rückkehr aus der Türkei hat der Syrer dem «Welt»-Bericht zufolge nach einer neuen Wohnung in Sachsen gesucht. Dabei soll er andere Asylbewerber um Hilfe gebeten haben, die allerdings misstrauisch geworden seien. Auch habe er über auffällig viel Bargeld in US-Dollar verfügt, hieß es.

Nach einem missglückten Zugriff der Polizei am Samstag in Chemnitz war Al-Bakr am Montag in Leipzig festgenommen worden. In der Chemnitzer Wohnung, in der er sich aufgehalten haben soll, fanden die Ermittler 1,5 Kilogramm hochgefährlichen Sprengstoff, Zünder und Metallteile. Laut Verfassungsschutz hatte er die Berliner Flughäfen im Visier.

Die drei Syrer, die ihn am Wochenende zunächst bei sich in Leipzig aufgenommen, dann aber als Terrorverdächtigen erkannt, überwältigt und der Polizei übergeben hatten, müssen nun um ihre Sicherheit fürchten. «Denn eine solche Tat wird sicherlich vom IS nicht vergessen», sagte der Leiter der Leipziger Syrienhilfe, Hassan Zeinel Abidine. Unter ihren Landsleuten in Deutschland sei «die mutige Tat der Syrer» sehr gewürdigt worden.

Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (beide CDU) dankte auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) den Syrern für ihre Hilfe. «Sie hätten «mit ihrem beherzten persönlichen Eingreifen entscheidend dazu beigetragen», Al-Bakr «dingfest» zu machen. «Herr Jung würde sich gern mit den drei Neu-Leipzigern persönlich treffen», sagte sein Sprecher. Allerdings wisse man nicht, wo die Syrer derzeit seien und wie man mit ihnen in Kontakt treten könne.

Unionspolitiker bekräftigten angesichts des Falles ihre Forderung nach einer lückenlosen Überprüfung aller Flüchtlinge. Auch all diejenigen, die bereits im Land seien, müssten «auch unter Beiziehung unserer Nachrichtendienste» überprüft werden, sagte Parteichef Horst Seehofer.

SPD-, Linke und Grünen-Politiker warnten dagegen vor einem pauschalen Verdacht gegen geflüchtete Menschen. Schon jetzt hätten die Geheimdienste im Verdachtsfall Zugriff auf sensible Daten von Asylsuchenden, sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke.

Syrer stellen Terrorverdächtigen

Kaum bekannt: Die Jedermann-Festnahme

«Mutter des Satans» - der Sprengstoff TATP

Wie Dschaber al-Bakr die Ermittler in Atem hielt

Bahnhöfe und Flughäfen sind Zielscheiben des Terrors

Wie ein Syrer die Festnahme von Al-Bakr erlebte

BAMF setzt bei Flüchtlings-Check auf Behördennetzwerk

Islamistische «Gefährder» in Deutschland