weather-image

Texte vereinfachen und für alle verständlich machen

5.0
5.0
Lebenshilfe-Werkstätten Traunreut: Texte vereinfachen und für alle verständlich machen
Bildtext einblenden
Prüfungsassistentin Raffaela Kroiher, die beiden Prüfer Fabian Steinmaßl und Tobias Baumgartner sowie Übersetzerin Christina Thomas (von links) sind künftig dafür zuständig, dass in den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten Texte und Infoblätter in »Leichter Sprache« verfasst werden. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Viele Texte sind für einen Teil der Bevölkerung nur schwer zu lesen und dadurch auch schlecht zu verstehen. »Leichte Sprache«, also eine vereinfachte Ausdrucksweise im Deutschen, soll helfen, dass auch Menschen mit Behinderung, mit Lernschwierigkeiten, mit Sprachstörungen aller Art, mit Demenz, mit Migrationshintergrund, Kinder und andere Personenkreise Zugang zu Texten erhalten, die sie sonst nicht verstehen.


In den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten gibt es seit kurzem eine ausgebildete Übersetzerin für »Leichte Sprache« und zwei Prüfer, deren Aufgabe es ist, Texte auf ihre Verständlichkeit hin zu untersuchen.

Anzeige

Im Moment sind die Werkstätten zwar aufgrund der Corona-Krise geschlossen, die Aufgabe, Texte in leicht verständliche Sprache zu übersetzen, wird aber auch nach der Krise enorm wichtig sein. Tobias Baumgartner und Fabian Steinmaßl sind Beschäftigte der Oderberger Werkstätten. Sie waren kürzlich zusammen mit Raffaela Kroiher vom Pädagogischen Dienst der Werkstatt auf einer Schulung in Augsburg, wo sie auf ihre künftige Aufgabe vorbereitet wurden. Beide sind nun Prüfer für »Leichte Sprache«.

Christina Thomas vom Pädagogischen Fachdienst der Südwerkstatt hat ebenso wie die beiden Beschäftigten eine Ausbildung gemacht und zwar zur Übersetzerin. »Leichte Sprache« besteht aus kurzen Sätzen mit einfachen, klar verständlichen Worten. Außerdem ergänzen Bilder den Text, um seine Verständlichkeit noch zu erhöhen.

»'Leichte Sprache' war für mich zunächst erst einmal schwere Sprache«, erklärt Christina Thomas. Ganz selbstverständlich benutze man oft Fremdworte, Fachbegriffe und Ausdrücke, die in »Leichter Sprache« durch einfachere Wörter ersetzt oder in einem Nebensatz beziehungsweise anhand eines Beispiels erläutert werden müssen.

Durch die »Übersetzung« in »Leichte Sprache« werden Texte in der Regel länger. Eine kürzlich herausgegebene Zusammenfassung des neuen Abrechnungsmodus für das Mittagessen in den Werkstätten beispielsweise wird in einem Infobrief für die Beschäftigten auf zehn Seiten erläutert. Die Betreuer bekommen die gleichen Informationen in einem normal geschriebenen Dokument mit zwei Seiten. In den Augen von Christina Thomas ist es enorm wichtig, dass die Beschäftigten in den Werkstätten mit unterschiedlicher Beeinträchtigung verstehen, was sie lesen, beispielsweise wenn es um ihre Arbeitsverträge geht: »Ich kann doch nichts unterschreiben, was ich gar nicht verstanden habe.«

Tobias Baumgartner erläutert, was nun die Aufgabe von ihm und Fabian Steinmaßl als Prüfer ist: »Wir lesen etwas durch und schauen, ob es wirklich leicht und gut zu verstehen ist.« Alle zwei Wochen treffen sie sich mit der Prüfassistentin Raffaela Kroiher und nehmen sich einen Text vor. Diese Tätigkeit ist für sie ziemlich anstrengend, es sind in der Regel ungewohnte Inhalte, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen.

Wenn sie etwas darin nicht verstehen, streichen sie die Passage an und schreiben dazu, warum diese Stelle noch überarbeitet werden muss. Der Text geht dann zurück an die Übersetzerin, die nachbessern und ihnen das Ergebnis erneut vorlegen muss. Erst wenn alles passt, kann er veröffentlicht werden. In Zukunft sollen nicht nur wichtige Dokumente wie Verträge in »Leichter Sprache« verfasst sein, sondern beispielsweise auch Beiträge in der hausinternen Zeitung der CLW »Buntes Fenster«.

Christina Thomas erklärt: »Mir geht es darum, dass unsere Beschäftigten mitreden können bei den unterschiedlichsten Themen, dass sie wissen, wovon die Rede ist, und danach besser eigene Entscheidungen treffen können. Kurz: Es geht um Mitbestimmung, Mitentscheiden und Teilhabe.« mix