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The fast and furious Bavarians

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Ehepaar Gugg im Partnerlook: Ingrid und Michael vor ihrem campingtauglichen VW-Transporter. (Foto: Fischer)
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Druckluftschrauber statt Bohrer: Zahnarzt Dr. Michael Gugg ist ein leidenschaftlicher Autobastler. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Ein seriöses Ehepaar mittleren Alters, das in einer alten Schrottlaube Tausende Kilometer durch Nordeuropa gurkt, um im Eismeer zu schwimmen, sich mit einer Ziege am Lenkrad fotografieren zu lassen und Röntgenfilme im Murmansker Meer zu entwickeln. Das klingt doch total verrückt. »Für uns ist so was normal«, sagen Ingrid und Dr. Michael Gugg. Die Berchtesgadener starten in wenigen Tagen bei der »Baltic Sea Rallye«. Zu den extravaganten Teilnahmebedingungen zählte unter anderem eine Spende für einen wohltätigen Zweck.


Im richtigen Leben ist Dr. Michael Gugg Zahnarzt. Seine Frau Ingrid assistiert ihm in der Praxis. In der Freizeit sucht das Ehepaar die Action. Weil es Michael Gugg seit ein paar Jahren ziemlich im Rücken zwackt, werden die Athletik-Kicks seltener, das schräge Abenteuer häufiger. »Wir wollen immer wieder raus aus der Komfortzone«, sagt Ingrid Gugg. »Jeder weiß, dass das Verrückte für uns normal ist«, fügt ihr Mann hinzu.

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Da kommt den beiden die irre Rallye durch Skandinavien gerade recht. »Ich habe die Veranstaltung zufällig im Internet entdeckt«, erzählt der Zahnarzt. Für die Guggs stand sofort fest: »Das ist perfekt. Da machen wir mit.« Perfekt deshalb, weil es für Michael Gugg zum Teil eine Reise in seine Vergangenheit ist. Denn er wurde im schwedischen Norrbotten, 80 Kilometer vom Polarkreis entfernt, wo sein Vater Hans als Zahnarzt praktizierte, geboren. »Ich war dort bis zum sechsten Lebensjahr und bin seitdem regelmäßig in Skandinavien«, erzählt Dr. Gugg.

Das ist aber nur einer von mehreren Gründen, warum die Guggs geradezu prädestiniert für die Baltic-Sea-Rundfahrt sind. Ein weiterer ist die Autoaffinität des Berchtesgadeners. Michael Gugg schraubt leidenschaftlich gerne an Klassikern und Oldtimern herum. Seine Fahrzeuge wechselt er dabei häufiger als mancher seine Bettwäsche. »Bei hundert habe ich aufgehört zu zählen«, sagt Gugg. Bevorzugte er früher italienische und britische Modelle, fährt er inzwischen auf luftgekühlte Typen aus Deutschland und die französische Marke Simca ab. »Hauptsache, simpel und mechanisch«, betont Michael Gugg. Eigentlich wollte er Automechaniker werden. »Aber da werden die Fingerchen so schmutzig, deshalb studierte ich Zahnmedizin«, scherzt der Dentist.

Am VW-Transporter musste Michael Gugg eine Menge machen. Er investierte nicht nur viel Zeit in die alte Kiste, sondern auch noch etwas Geld. Sogar eine Profi-Werkstatt musste ran. »Das sollte technisch schon in einem guten Zustand sein. Immerhin muss es mehrere Tausend Kilometer auf oft schlechten Straßen durchhalten«, sagt er. Die erste Hürde wird sowieso gleich die Fahrt zum Startort, dem Hamburger Fischmarkt. Stichwort: Abgasplakette.

Außerdem sind die Guggs begeisterte Camper. Wegen der erwähnten Kreuzschmerzen und einiger Vorgaben seiner Frau musste Michael Gugg den VW-Transporter auch im Innenraum optimieren. Das Auto verfügt nun über eine Schlafmöglichkeit mit einer bequemen Matratze und eine Kochstelle. »Den Preis für die spartanischste Übernachtung werden wir wahrscheinlich nicht gewinnen«, scherzt Dr. Gugg.

Beide Guggs freuen sich schon auf die große Fahrt. Ihr Teamname lautet übrigens »The Bavarians«. Die Rolleneinteilung steht schon fest. »Meine Frau ist eine ausgezeichnete Fahrerin«, lobt Michael Gugg, den wiederum seine Frau Ingrid als fähigen Mechaniker und halbwegs talentierten Navigator bezeichnet. Besonders auf Russland sind die beiden gespannt. »Ich nehme ein paar Röntgenfilme mit. Mal sehen, ob man die wirklich beim U-Boot-Friedhof in Murmansk im Wasser entwickeln kann«, sagt Michael Gugg. Alles ganz normal halt. Christian Fischer