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The Hanging Stars: Das Beste aus zwei Welten

5.0
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The Hanging Stars
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Die Songs von The Hanging Stars sind weit verzweigt. Foto: Michael Wood Foto: dpa

Das Beste aus britischer und amerikanischer Popmusik der 60er und 70er Jahre ist für The Hanging Stars gerade gut genug. Mit ihrem zweiten Album findet die Band eine perfekte Mixtur.


Berlin (dpa) - Lange keinen passenderen Songtitel mehr erlebt: »On A Sweet Summer's Day«, der Opener des zweiten Albums von The Hanging Stars, evoziert tatsächlich herrlichste Sommergefühle.

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Da perlen die Gitarren so prächtig aus den Boxen wie einst bei den Sixties-Legenden Love oder The Byrds. Prägnante und doch unaufdringliche Sechssaiter-Soli lassen förmlich die Sonne aufgehen. Und der Harmoniegesang des Quintetts um Richard Olson hüllt den Hörer zusätzlich in eine kalifornisch warme, relaxte Stimmung. Vier Minuten und 16 Sekunden pure Folkrock-Magie - als Einziges irritiert, dass diese Band nicht von der US-Westküste, sondern aus London stammt.

Aber The Hanging Stars können noch viel mehr als nur ein typisch amerikanisches Retro-Klangbild bis ins kleinste Jingle-Jangle-Detail nachbauen. Schon im zweiten Song ihres Albums »Songs For Somewhere Else« (Crimson Crow/Cargo) ändern sie die Richtung und erinnern mit dem britischen Music-Hall-Sound von »Too Many Wired Hours« eher an ihre Landsleute The Kinks.

Danach überrascht »How I Got This Way« mit Countryrock der Jayhawks-Klasse. Für »Mean Old Man« wildern die Hanging Stars bei berühmten Spaghetti-Western-Soundtracks wie »Spiel mir das Lied vom Tod«. Und da sind erst vier der insgesamt 12 sehr abwechslungsreichen Lieder um. Später kommen auch Anklänge an die ebenfalls aus London stammenden Sixties-Folk-Koryphäen The Clientele oder die Schotten Teenage Fanclub hinzu, in teilweise opulenten Arrangements mit Bläser-Support.

Wie auf ihrem bereits herausragenden Debüt »Over The Silvery Lake« (2015) erweisen sich Richard Olson (Gitarre, Gesang), Sam Ferman (Bass), Paulie Cobra (Schlagzeug), Patrick Ralla (Gitarre, Keyboards, Gesang) und Joe Harvey-White (Pedal-Steel, Dobro) als Wanderer zwischen den Welten. In diesem Fall zwischen US-Folkrock und englischem Psychedelic-Pop, beides inspiriert von den goldenen 60er und 70er Jahren.

Herrliche Balladen voller Herzenswärme wie »Honeywater« oder »Water Song« können The Hanging Stars ebenfalls. Sehr gelungen auch »For You (My Blue Eyed Son)«, die euphorische Hommage an ein neugeborenes Kind.

Aus dem Nichts kommt diese tolle Band natürlich nicht - sie ging aus der Psych-Rock-Truppe The See See hervor, bei der Anfang bis Mitte dieses Jahrzehnts schon Olson, Cobra und Ferman aktiv waren. Unter der Regie des renommierten Produzenten Brian O'Shaughnessy (Primal Scream, My Bloody Valentine, Rumer, Beth Orton) ist ihnen nun mit »Songs For Somewhere Else« einer der ersten Höhepunkte des noch jungen Indiepop-Jahres 2018 geglückt.

Website The Hanging Stars