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Theater in Traunstein – gestern und heute

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Das Foto zeigt (v. l.) Sigi Strohhammer, Albert Rosenegger, Sebastian Eisenreich, Willi Schwenkmeier, Christa Fuchs und Gerhard Brusche. (Foto: Heel)

Eine lebendige Stadt braucht ein Theater und Menschen, die gerne Theater spielen. Das war das Resümee, das Willi Schwenkmeier nach der ersten Veranstaltung des diesjährigen Traunsteiner Erzählcafés im NUTS zog. Vorausgegangen war eine gut zweistündige, lebhafte Gesprächsrunde, an der neben Schwenkmeier, der auch als Moderator fungierte, Christa Fuchs, Gerhard Brusche, Sebastian Eisenreich, Albert Rosenegger und Sigi Strohhammer teilnahmen und davon erzählten, wie sich das Theater in Traunstein seit den 50er Jahren entwickelt hat.


So erinnerte Schwenkmeier eingangs an den 1952 in Traunstein im Alter von 75 Jahren verstorbene Staatsschauspieler Friedrich Ulmer, der hier bereits Ende der 40er Jahre versucht hat, mit Stücken wie »Der Tod im Apfelbaum« das Theater in Traunstein »salonfähig zu machen«. Eine Zeit, in der auch Sigi Strohhammer zum ersten Mal mit dem Theaterspielen in Berührung gekommen war, etwa bei der Theatergruppe der Katholischen Jugend.

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Schmunzelnd erzählte er von seiner ersten Rolle in »Der Kasperl in der Schlangenhöhle«, oder wie er zusammen mit Fritz Wagnerberger in dem Singspiel »Der Rattenfänger von Hameln« im Vereinshaus, seiner damals zweiten Heimat, aufgetreten war. Mit toller Resonanz, wie er anmerkte, »es war jedes Mal bummvoll«. Ab 1964 habe er dann, so Strohhammer weiter, beim Veteranenverein in Haslach eine neue Heimat gefunden, im Gasthof Alpenrose, wo er auch Regie geführt habe bei Stücken wie »Der verkaufte Großvater« oder »Wegweiser zum Himmel«.

Auf ein langjähriges Engagement beim Theater konnte auch Sebastian Eisenreich zurückblicken, der in den 70er Jahren in Traunstein Dutzende Einakter wie »Musterung in Niedertupfenhausen« inszeniert hat und damit auch auf Tournee gegangen war, mit bis zu 1200 Zuschauern pro Vorstellung. Ein Erfolg, der sich mit der Gründung der Traunsteiner Heimatbühne im Jahr 1980 und der damit verknüpften Aufführung auch von Drei-Aktern wie »Der Schuasterwastl« zunächst fortgesetzt hat. Leider habe man es in der Folgezeit aber versäumt, wie Eisenreich einräumte, sich rechtzeitig um Nachwuchs bzw. junge Leute zu bemühen, »wenn der Liebhaber um die 40 ist, wirkt das nicht mehr so«, sodass 1997 Schluss war.

Ähnlich spannend und aufschlussreich waren auch die vielen Anmerkungen aus der Runde zu Themen wie dem Ende der 20er Jahre von Georg Truk gegründeten »Chiemgauer Volkstheater«, das von 1954 bis zu seinem frühem Tod im Jahr 1964 von dem unvergessenen Traunsteiner Schauspieler Georg Rückerl geleitet wurde und dabei zu einem der bekanntesten und beliebtesten Gastspieltheater im bayerischen Raum avancierte. Und natürlich kam die Rede an diesem Abend auch auf die legendäre Lore-Bronner-Bühne, die mit klassischem Theater à la G. B. Shaw oder Shakespeare den Traunsteinern eine Alternative zum Volks- oder Bauerntheater geboten hatte.

Was die gegenwärtige Situation des Theaterlebens in Traunstein betrifft, erinnerte Gerhard Brusche an die Anfänge des Salztheaters in den Jahren 1994/95, angeregt vom damaligen Oberbürgermeister Fritz Stahl. Allerdings werde das Salztheater trotz Riesenzuspruchs wie beim »Bayerischen Jedermann« auf dem Stadtplatz in Zukunft auf Freilichtaufführungen verzichten, das wetterbedingte Risiko sei einfach zu hoch und auch organisatorisch habe man mit (zu) vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Aber zum Glück, so Brusche abschließend, habe man eine neue Heimat im NUTS gefunden. Das bislang die Domäne von Albert Rosenegger war, der vor gut zehn Jahren mit seinen Stücken über Balthasar Permoser oder Hartwig Peetz entscheidend dazu beitrug, das NUTS auch als Theaterbühne zu etablieren. An Rosenegger lag es auch, ein wenig über die Entstehung seiner Stücke zu erzählen, etwa über das »Sterndeandl«, bei dem ihm eine Erzählung von Irene Peetz sozusagen den Weg gewiesen habe.

Zuletzt führten Gerhard Brusche und Michaela Lucke in einer szenischen Lesung noch die Posse »Die Liebesnacht oder Kleznbrot und Leberkäs« von Georg Truk vor, eine so amüsant wie vertrakt gereimte Dreiecksgeschichte um zwei Männer, die sich einer Frau wegen in die Haare kriegen.

Kurzum, für die zahlreich erschienenen Besucher war es ein so informativer wie unterhaltsamer Abend, der wie alle Veranstaltungen des Erzählcafés eine Zusammenarbeit des Katholischen Kreisbildungswerks Traunstein, der Stadtbücherei, der Stiftung Heimathaus und des Historischen Vereins war. Das nächste Erzählcafé findet am 14. Mai um 19 Uhr in der Zieglerwirtsstube des Heimathauses statt, Thema ist die »Mühlenstadt Traunstein«. Wolfgang Schweiger

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