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»Theater ist ganz einfach das Leben«

Hallein - Sie mag Apfelstrudel, und auch das Spanferkel mit Kraut, das zum Empfang der Schauspieler auf der Pernerinsel serviert wurde, schmeckte Noëlle Ginefri gut. Die Zeit zum Genießen solcher Schmankerl ist bis 30. August für die Französin jedoch rar. Die 58-Jährige entwirft für die Salzburger Festspiele das Bühnenbild für »Peer Gynt«. Das Ibsen-Drama hat am Montag, 30. Juli, auf der Pernerinsel unter der Regie von Irina Brook Premiere.

Es geht über steile Treppen in einen Seitenflügel des seit 1992 mit Erfolg als Schauspielstätte revitalisierten Salinengebäudes. Eine junge Frau sitzt an einem schlichten Holztisch und strickt. Einen Treppenabsatz höher hat die aus Korsika stammende Noelle Ginefri ihren temporären Arbeitsplatz bezogen. Ein Block, Stifte und ein von ihr gebautes Modell der Bühne finden gerade so auf dem Mini-Schreibtisch Platz. An der Wand hängen Skizzen und Bühnenfotos.

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Ist die Pernerinsel ein Ort wie jeder andere zum Theatermachen? »Die Halle spielt eine große Rolle für meine Arbeit », sagt Ginefri, man sei auf der Pernerinsel eben nicht »im Theater«, sondern in einer Halle mit Geschichte. Das erste Mal, als die gelernte Theatermalerin die Pernerinsel besuchte, sei sie von der Größe der Bühne etwas schockiert gewesen. 45 Meter Länge und 14 Meter Höhe wollen bezwungen werden. Doch jetzt hat sie sich zusammen mit Regisseurin Irina Brook den Raum schon angeeignet. »Die Schauspieler und das Team müssen den Raum füllen«, ist die Französin überzeugt.

14-Stunden-Tage sind kurz vor der Premiere normal. »Man kann nichts vorarbeiten, es passiert fast alles in letzter Minute«, erzählt Ginefri und lacht. Wenn sie sich von der Technik oder anderen Problemen genervt fühlt, geht sie in den Zuschauerraum und verfolgt die Arbeit der Regisseurin. »Das sind tolle Momente, die alles andere wettmachen. Theater ist ganz einfach das Leben.« Heimweh kennt die Pariserin nicht, »dort wo ich einziehe, das ist dann einfach mein Zuhause«. Jetzt zur Festspielzeit ist es der Dürrnberg bei Hallein, zwei Häuser haben die Künstler bezogen. »Sehr malerisch ist es hier in Hallein, ich wohne direkt neben Schafen. Mir gefallen die Berge im Sommer, das kenne ich nicht«, schwärmt die Bühnenbildnerin. Keine Frage, dass die Mutter eines 26-jährigen Sohnes nach dem Ende der Festspiele noch ein paar Tage Urlaub in Hallein machen wird.

Henrik Ibsen schickte Per Gynt fast um die ganze Welt. Der Bauernsohn lügt viel, was ihn zunächst nicht am Karrieremachen hindert. Beim Probenbesuch fragt sich Peer Gynt gerade, ob er das »Haus der Furcht« besuchen solle - es könnte ja Spaß machen Am Boden schimmern blaue Licht-Balken, im Hintergrund dominiert ein klassisches Wandbild. »Malerei«, hatte Noëlle Ginefri zum Beginn des Gesprächs gemeint, »Malerei ist der Anfang eines jeden Bühnenbilds.« MEI