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Theaterbesuch mit Tiefenwirkung

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Die Mitwirkenden des »Theater DU und ICH« bei ihrer Aufführung zum zehnjährigen Bestehen in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: B. Heigl)

Das »Theater DU und ICH« feierte ein kleines Jubiläum in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, das Stadtrat Karl Schulz – der Beauftragte für Menschen mit Behinderung der Stadt Traunstein – so treffend als »außergewöhnlich erfolgreiches Theater-Ensemble« beschrieb. Seit zehn Jahren gibt es nun dieses wunderbare gemeinsame Theater-Projekt von Menschen mit und ohne Behinderung, dessen Vorstellungen meist so gut wie ausverkauft sind.


Mit dem neuen Stück »Familienbande«, wie immer aus der schwungvollen Feder von Michael Felsenstein, der auch die Regie führte, das Klavier spielte und immer wieder weiterhalf, wenn einer seiner Schauspieler nicht weiterwusste, kamen die Zuschauer wieder in den Genuss eines Theaterbesuchs mit Tiefenwirkung, aber mit optimistischer Haltung, wie es Karl Schulz so gut zu formulieren wusste.

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Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein Familienbetrieb kommt ins Straucheln, als die Eltern in Rente gehen wollen, die jüngere Schwester dem älteren Bruder vorziehen und diese als Nachfolgerin einsetzen. Der Bruder hat das Nachsehen und ist darüber zutiefst verletzt. Wie sich dieses Problem löst, das alle Beteiligten in helle Aufregung versetzt und sogar eine Straftat nach sich zieht – diese wird mit Hilfe von zwei eindrucksvoll dargestellten Polizisten (Tobias Straßhofer und Angelika Gollinger) aufgedeckt –, sei hier nicht verraten. Verraten muss man aber unbedingt, dass die Haupt- wie die Nebenrollen perfekt besetzt waren und die schauspielerischen Leistungen oft ganz erstaunlich waren.

Sylvana Scharrer überzeugte das Publikum in der Rolle der resoluten Chefin und Mutter, die ihre Führungsaufgabe sehr dominant ausfüllte, aber menschlich noch einiges zu lernen hat. Julian Melendez als ihr Sekretär versuchte mit Witz und Schlagfertigkeit dem herrischen Treiben die Spitze zu nehmen, was ihm gut gelang und er deshalb die Lacher im Publikum auf seiner Seite hatte. Frau und Tochter des verstoßenen Sohnes Frank – mit Tiefgang gespielt von Andreas Brenner – haben es ab dem Moment nicht leicht mit ihrem Familienoberhaupt, weil sich dieses gedemütigt fühlt und entsprechend sauer ist. Da versucht Sabine, gespielt von Melanie Opitz, mit einem Lied die Stimmung im Elternhaus zu heben. In »Sofies Lied« verrät sie dem Publikum ihre Träume und dass Musik ihr immer weiterhilft. Dass das so ist, hörte und sah man der jungen Darstellerin an, die mit ihrer außergewöhnlichen Stimme die Zuschauer verzauberte.

Jede Menge Theaterblut bewies auch Sonja Rauschenbach als Frau von Frank, die nicht nur glaubwürdig telefonieren und zuhören konnte, sondern auch noch größere Textmengen souverän und ausdrucksstark bewältigte. Feinsinnig und nachdenklich trat Tochter Claudia, gespielt von Claudia Hailer, in dem Stück in Erscheinung, wobei man ihr den inneren Konflikt anmerkte. Aber wo ein Konflikt ist, da ist meist auch eine Lösung nicht weit, und die Familienbande erstarken zum Schluss des Stückes hin wieder, ja wurden sogar noch stärker, als die Familienmitglieder begriffen, dass man immer zwei Möglichkeiten hat.

Der Leiter des Heilpädagogischen Zentrums Ruhpolding, Karl-Heinz Basalyk, hatte dann zum guten Schluss noch für jeden der Mitwirkenden lobende und respektvolle Worte, mit denen er seine Freude und Hochachtung über die gelungene Aufführung und die jahrelange gemeinsame Arbeit der Schauspieler und des Vereins mit strahlendem Lächeln zum Ausdruck brachte. Barbara Heigl

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