weather-image
-1°

»Theater-Virus stärker als Corona-Virus«

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Fertige Bühnenbilder werden von den Mitarbeitern derzeit wieder abgebaut, ob und wie es ab 7. Januar weitergeht, ist noch unklar. (Foto: Hudelist)

Wenig überrascht zeigte sich der Intendant des Salzburger Landestheaters, Carl Philip von Maldeghem, dass für die Theater in Österreich der Lockdown nicht am 6. Dezember endete.

Anzeige

»Wir haben den November genutzt, um spielbereit zu sein«, vier Neuproduktionen wie »Schöne Bescherungen«, »Cinderella« oder das Kinderstück »Heidi« hätten zwar sehr gut in die Weihnachtszeit gepasst, »das können wir natürlich im Januar auch spielen, aber zu Ostern wird’s dann ein bisschen schwierig«.

Wie in Deutschland ist auch in Österreich der komplette Kulturbetrieb heruntergefahren, nach dem Ende des zweiten Lockdowns dürfen aber in Österreich seit dem gestrigen Montag zumindest die Museen und Bibliotheken wieder öffnen, für Maldeghem ist das in Ordnung, »natürlich denkt man sich, Museen gehören zur gleichen Welt wie wir, aber man kann in Museen halt größere Abstände herstellen«. Sobald es die Infektionszahlen zulassen würden aber auch die Theater wieder spielen wollen.

Alleine im Monat November habe das Landestheater auf Ticketeinnahmen in Höhe von 500 000 Euro verzichtet, zusammen mit dem Dezember sei der Verlust dann in Millionenhöhe, »aber wir sind froh, dass wir von der Politik Unterstützung erhalten«, soll heißen, auch die Theater bekommen 80 Prozent des Umsatzes vom November 2019 vom Staat ersetzt, im Dezember werden es nur mehr 50 Prozent sein. Die Gehälter aller 280 Mitarbeiter wie Schauspieler, Bühnentechniker und Verwaltungsmitarbeiter seien gesichert, weil alle Angestellte des Landes Salzburg sind, »für die freien Künstler und Mitarbeiter ist es aber deutlich schwieriger, weil die außerhalb der Strukturen leichter durch die Raster fallen«, so Maldeghem.

Zu kämpfen hatte das Landestheater vor dem Lockdown auch mit Bayerischen Infektionsschutz-Verordnungen, »die erste Verordnung aus Bayern hatte ja tatsächlich den Besuch von Kulturveranstaltungen untersagt, es wurde aber sehr schnell in der zweiten Verordnung wieder geöffnet«. Maldeghem geht aber davon aus, dass, wenn das Theater am 7. Januar wieder öffnen darf, dann auch die bayerischen Besucher wieder kommen dürfen, die immerhin ein Drittel des Publikums ausmachen. Der Intendant ist sich sicher »am Ende wird das Theater-Virus stärker sein als das Corona-Virus«.

Premieren in den Herbst 2021 verschoben

Den Ausfall von Premieren im November habe man ausgleichen und nachholen können, »aber weil jetzt auch der Dezember ausfällt, wirbelt das doch den gesamten Spielplan für diese Saison durcheinander«. Bereits jetzt sind einige Produktionen in die Spielzeit ab Herbst 2021 verschoben, »damit sind auch einige Investitionen nicht umsonst«, sagt der Intendant des Landestheaters, aber es schmerze ihn trotzdem, »weil Theater gerade rund um Weihnachten auch ein Ort der Freude und des Trostes ist«. Einen Live-stream, also eine Aufführung nur für Publikum zuhause vor dem Bildschirm, kann sich Maldeghem nicht wirklich vorstellen, »denn Theater lebt sehr davon, dass man sich begegnet, aber wir haben alle vier Premieren, die es gegeben hätte, aufgezeichnet, und wir haben derzeit online einen Adventskalender und da könnte sich hinter einem Türchen durchaus auch ein Stream verbergen«.

Theater nur für geimpftes Publikum?

Während Fluggesellschaften und entfernte Reiseziele schon damit liebäugeln, im nächsten Jahr nur noch oder vorrangig Gäste willkommen zu heißen, die gegen das neuartige Corona-Virus geimpft sind, will das der Intendant des Landestheaters seinem Publikum nicht vorschreiben, »wenn wir wieder öffnen, müssen wir erst einmal wieder Vertrauen schaffen, auch mit unseren Hygienekonzepten, die sich bewährt haben, denn es gab keine Infektionsausbreitung in einem Theater«, und das bei immerhin 500 000 Besuchern von August bis Oktober in den österreichischen Theatern.

Proben gehen weiter

Alleine im Monat November hätte es am Landestheater vier Premieren geben sollen, die Oper »Cinderella«, geschrieben von der 15-jährigen Komponistin Alma Deutscher, die Theaterfassung von Erich Kästners Erzählung »Der kleine Grenzverkehr«, (das Thema ist aktueller denn je), das Kinderstück »Heidi« sowie das Weihnachtsschauspiel »Schöne Bescherungen«. Während die Aufführungen also bis 7. Januar ruhen, sind Schauspieler und Balletttänzer weiter am Proben, im eigenen Probenzentrum im Stadtteil Aigen. Auf der dort originalgetreu nachgebauten Bühne haben in diesen Tagen die ersten Proben für das Flüchtlingsstück »Die Ersthelfer« begonnen, außerdem sind die Balletttänzer unter der Leitung von Reginaldo Oliveira im ersten Stock im Training, mit laufenden Corona-Tests mehrfach abgesichert.

Das Landestheater Salzburg hat ein eigenes Ensemble für Schauspiel, Ballett und Musiktheater, also für Oper, Operette und Musical. Das Repertoire des Hauses besteht aus zeitgenössischen und klassischen Werken mit 400 Vorstellungen pro Spielzeit. Das Gebäude mit 707 Plätzen wird im Sommer auch von den Salzburger Festspielen für Schauspielaufführungen genutzt. Michael Hudelist