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Thielemanns spannender Schubert

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Frank Peter Zimmermann und Christian Thielemann beim Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy. (Foto: Creutziger)

Romantik war das programmatische Losungswort beim Orchesterkonzert der Osterfestspiele mit Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle. Dafür standen die Komponisten Carl Maria von Weber, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert.


Locker fließend und munter gestimmt gestaltete Thielemann mit den Dresdner Musikern die »Jubel-Ouvertüre«, 1818 von Carl Maria von Weber in symphonischer Instrumentierung komponiert und angedacht, den Kurfürsten Friedrich August von Sachsen zu dessen 50-jährigem Regierungsfest zu bejubeln. Kennmelodie ist die Hymne »Heil Dir im Siegerkranz«, die als »God save our gracious Queen« Englands Nationalhymne ist und zu verschiedenen Zeiten mit anderen Textunterlagen auch in anderen europäischen Ländern patriotisch eingesetzt wurde.

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Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll op. 64 gehört zu den beliebtesten Stücken der Violin-Literatur. »Es soll ein Konzert sein, dass sich die Engel im Himmel freuen«, hat sich der Komponist dafür zur Aufgabe gemacht. Seit dem großen Erfolg bei der Uraufführung gehört es zum obligaten Repertoire jedes namhaften Geigers. Frank Peter Zimmermann war hier der ausgewählte Solist, der den Virtuosenanspruch und seinen Ruf als Spitzengeiger bravourös unter Beweis stellte. Die von Anfang an präsente Violine intonierte das Hauptthema, das vom Orchester übernommen und weitergeführt wurde. Im weiteren Verlauf vollführten Violine und Orchester ein intensives Wechselspiel.

Diese Interpretation offenbarte, wie relativ Tempoanweisungen des Komponisten aufgefasst werden können. »Allegro molto appassionato-Andante-Allegro molto vivace« sind die Vorgaben für die drei Sätze. »Più presto-Sempre più presto«, immer schneller, hatten sich Zimmermann und Thielemann im zügiger vorwärtsdrängenden Ablauf auf die Stirn geschrieben. Dabei war nicht auszumachen, ob Zimmermann der energische Antreiber war oder ob Thielemann ihn und das Orchester durch das Stück jagte. Jedenfalls blieben die schwärmerische Melodik, die verträumte Empfindung weitgehend unterbelichtet. Gewiss gab Zimmermann in der großen Kadenz und bei einigen weicheren Solopassagen nach und ließ ein wenig Raum für aussingende Bögen, aber insgesamt war es bei aller instrumentaler Brillanz eher eine musikalische Hetzjagd, die romantischen Zauber verweigerte.

Umso beeindruckender geriet nach der Pause Franz Schuberts große viersätzige C-Dur-Symphonie D 944. Von der ersten bis zur letzten Note fesselte das spannende Spiel der Musiker. Es schien, als würden die Klangformen, die dynamischen Abläufe und die rhythmischen Akzente neu aufgemischt. Thielemann formte mit der Staatskapelle einen fantasiereichen Farbenbogen, bei dem energisch beschwingte Motorik, von feinen Rubati unterlaufen, immer neue Reize und Akzentuierungen zeitigte. Zu Beginn betörte das Hornmotiv, kontrastreiche Themen bildeten überraschende Effekte und liedhafte Sequenzen schmeichelten. Exquisite Soli bereicherten das Zusammenklingen. Mit Eleganz spann sich flotte Rhythmik und vielfältig differenzierte Dynamik durch die symphonischen Sequenzen. Marschmusik klang ebenso an wie Wienerische Tanzfreuden. Mit flammendem Drive zog das Finale die Spannung nochmals an.

Als nachhaltige Freude über das Gehörte blieb der Eindruck, dass Thielemann hier mit der Sächsischen Staatskapelle ein erneuertes Bild dieses Werks vorgeführt und den großen Wurf dieser Schubert-Symphonie auf das Schönste bestätigt hat. Elisabeth Aumiller