Tierschutzverein Bad Reichenhall: Durchstarten nach finanzieller Durststrecke

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Der neue Vorstand (v.l.): Schriftführerin Iris Finsterle, Vorsitzende Gabriele Schwaiger-Weiß, Kassierin Julia Wembacher und zweite Vorsitzende Sabine Brandmeier. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Bad Reichenhall – Gabriele Schwaiger-Weiß wird für zwei weitere Jahre Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad Reichenhall und Umgebung bleiben. Bei der Wahl im Kurgastzentrum blickten die Tierschützer, die das für den mittleren und südlichen Landkreis zuständige Tierheim führen, auf zwei ereignisreiche Corona-Jahre zurück, inklusive Katzenschwemme. Bald wolle man im Tierheim wieder durchstarten. Eine Großspende hatte die finanzielle Lage vor kurzem etwas entspannt.


»Es waren schwierige Zeiten, die das Tierheim durch den Ausbruch der Corona-Pandemie durchstehen musste«, brachte es Gabriele Schwaiger-Weiß gleich zu Beginn auf den Punkt. Nicht nur gesundheitlich und psychisch seien die Mitarbeiter betroffen gewesen, sondern vor allem finanziell – durch den Wegfall von Tierpensionen und Veranstaltungen wurde deutlich weniger Geld in die Kasse gespült. Hundespielstunden und Tierheim-Spaziergänge wurden abgesagt, im Lockdown mussten Besucher draußen bleiben. Dennoch: »Die Vermittlung unserer Tiere war insgesamt gut«, so Schwaiger-Weiß.

Als Rückschlag zu verzeichnen ist die Gemeinschaftsaktion der Tierschutzvereine im Berchtesgadener Land und in Traunstein. Diese hatten sich an die Gemeinden und Landratsämter gewandt, um auf die »massive Katzenschwemme« in den ländlichen Gegenden hinzuweisen, hauptsächlich auf Bauernhöfen, sagt Gabriele Schwaiger-Weiß. Sie prangert die Situation auf Bauernhöfen an: »Ein generelles Kastrationsgesetz wäre unbedingt notwendig.« Denn die nicht kastrierten Katzen trügen maßgeblich dazu bei, dass die Zahl der Fundkatzen nicht merklich zurückgehe. Aus einer Kastrationsverordnung wurde nichts, allerdings gab es eine Zusage der Bürgermeister, »bei extremen Fällen Hilfestellung zu leisten«. Lobende Worte hatte die Vorsitzende für ihr gesamtes Team übrig.

Keinen Erfolg für die Tierfreunde gab es bei den geplanten Quarantäne-Containern, die neben dem Tierheim aufgestellt werden sollten: Nach einem langwierigen Genehmigungsverfahren entschied sich der Deutsche Tierschutzbund dazu, die Baumaßnahme abzubrechen. Die Genehmigungen waren bereits gegeben, Bodenproben, die die Tragfähigkeit des Tierheimgeländes bescheiden sollten, standen noch aus.

»Nach einem Besuch von Mitarbeitern des Deutschen Tierschutzbunds wurden wir informiert, dass das Bauvorhaben abgesagt wird«, sagt Gabriele Schwaiger-Weiß enttäuscht. Eine Quarantänestation wäre für das Tierheim aber »enorm wichtig gewesen, da wir zu wenige Aufnahmemöglichkeiten haben«.

Große Spende

Einen »finanziellen Erdrutsch« verzeichnete der Verein im vergangenen Jahr. 200 000 Euro Einnahmen standen Ausgaben in Höhe von 230 000 Euro gegenüber, darunter 51 000 Euro für Tierarztbehandlungen. 2019 hielt sich der Verlust mit rund 3 000 Euro noch im Rahmen. 2020 bekam der Verein 9 000 Euro Corona-Soforthilfe ausbezahlt, dieses Jahr erhielt er noch einmal 7 500 Euro, zudem erst kürzlich eine Großspende in Höhe von 10 000 Euro. Damit ist nun auch die Chance gestiegen, einen lange gehegten Traum Wirklichkeit werden zu lassen: die Gründung eines Fördervereins. Die Spende betrachten die Vereinsverantwortlichen als notwendigen Grundstock, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass »Tierschutz nicht kalkulierbar« ist.

Im Frühjahr kommenden Jahres steht die Renovierung der Hasenvilla auf dem Plan. »Dachziegel des Tierheims müssen zudem erneuert werden und weitere Instandhaltungsmaßnahmen sind angedacht«, sagt Gabriele Schwaiger-Weiß.

Für den Vorsitz bei den abzuhaltenden Wahlen wollte sie sich eigentlich nicht mehr zur Verfügung stellen.

Das hatte Schwaiger-Weiß bereits 2019 bekundet. »Ich muss aber ehrlicherweise sagen: Ich schaffe es nicht, aufzuhören.« Das Tierheim sei ihr Lebensinhalt. »Ich stecke meine gesamte Freizeit in diese Arbeit«, sagt sie. Zwei Jahre wolle sie noch dranhängen, dann sei aber endgültig Schluss und Schwaiger-Weiß dann immerhin bereits 70 Jahre alt. Zur zweiten Vorsitzenden wählten die Mitglieder Sabine Brandmeier, Schriftführerin ist ab sofort Iris Finsterle, Kassierin wird Julia Wembacher.

Kilian Pfeiffer