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Tina Hermann vom WSV Königssee glücklich: Zum zweiten Mal Europameisterin im Skeleton.

Tina Hermann und Hansi Lochner jubeln: EM-Gold

Während die Rodler eine Woche vor ihrem Saisonhöhepunkt – der Heim-WM in Oberhof – Rennpause hatten, traten die Bob- und Skeleton-Piloten zu ihrem sechsten Weltcup-Wochenende im sächsischen Altenberg an. Als »race in race« wurde dabei gleichzeitig eine Europameisterschaft ausgefahren.


Bob

Der Führende im Zweierbob-Weltcup, Johannes Lochner aus Schönau am Königssee, nahm wie zum Saisonstart den Thüringer Erec Bruckert als Anschieber in seinen »kleinen« Schlitten. Zuletzt hatte er mit Georg Fleischhauer dreimal in Folge gewonnen, jüngst vor einer Woche an gleicher Stelle. Diesmal rangierte der Schönauer nach einer leichten Bande gleich am Start erstmal auf Rang 3, nur eine Zehntel hinter der Spitze. Im zweiten Lauf touchierte Lochner erneut die linke Startbande, erzielte oben dennoch die Bestzeit und rauschte mit einem sauberen Run deutlich an die Spitze – 44 Hundertstel vor dem Briten Brad Hall. Danach konnten Friedrich/Schüller (EM-Bronze) und die halbzeitführenden Schweizer Vogt/Michel die bayerisch-thüring‘sche Kombo nicht mehr knacken. Somit durfte der Berchtesgadener neben dem vierten Weltcup-Sieg in Folge EM-Gold feiern.

»Gerade hier mal wieder ganz vorn zu sein, ist fürs innere Wohl schon gut. Das war ja von Anfang nicht meine Lieblingsbahn, aber es wurde mit der Zeit immer besser. Jetzt macht es mir hier richtig Spaß, ich kann etwas probieren, es ist nicht so automatisiert wie auf anderen Bahnen«, so Lochner. Zur Frage, was am Start los war, meinte der 32-Jährige: »Ich wollte es im zweiten Lauf besser machen, bin einen Schritt zu weit gelaufen, war wohl ein wenig übermotiviert. Dadurch kam ich nicht rechtzeitig an die Seile. Aber letztlich war die Startzeit top.« Im Vierer tags drauf verpasste Hansi Lochner mit dem Töginger Florian Bauer, Erec Bruckert und Christian Rasp vom WSV Königssee EM-Bronze um 21 Hundertstel. Brad Hall gewann vor Francesco Friedrich und Michael Vogt.

Die beiden Rosenheimer Christoph Hafer und Tobias Schneider vom BC Bad Feilnbach landeten bei Schneefall im Zweier auf Rang 5, im Vierer wurde Hafer mit Michael Salzer (BC Stuttgart), Kevin Korona (MSC Magdeburg) und seinem Vereinskollegen Tobias Schneider Sechster: »Das Feeling ist bei diesen Winter-Verhältnissen natürlich top, das macht deutlich mehr Spaß – auch fürs Herz und Auge. Man kann bei diesen Schneerennen aber wenig rausziehen. Es geht um die Frage, ob man die Spur trifft oder nicht. Dass es am Schnee lag, dass wir nicht weiter vorn landeten? Nein, diese Ausrede lasse ich nicht gelten.«

Skeleton

23 Skeleton-Damen aus 14 Nationen nahmen ihren Bewerb in Sachsen in Angriff. Starker Schneefall stellte die Athletinnen vor eine erhebliche Herausforderung, um den Eiskanal mit 1 413 Metern Länge gut zu bewältigen. Vorwochensiegerin Tina Hermann vom WSV Königssee überzeugte auf einer ihrer Lieblingsbahnen erneut und holte sich in ihrem 70. Weltcup-Rennen mit zweimal Laufbestzeit den EM-Titel. Silber ging an Janine Flock aus Österreich, Bronze an BSD-Rookie Susi Kreher. Die frischgebackene Junioren-Weltmeisterin Hannah Neise musste nach einer Krankheit diese Woche mit Rang 10 zufrieden sein. »Heute war es nicht ganz so einfach für mich, darum freue ich mich generell über den Sieg«, meinte Tina Hermann im Anschluss. »Im ersten Lauf war es keine gute Leistung, darum habe ich gezittert. Im zweiten wollte ich unbedingt zeigen, dass ich hier gut fahren kann. Jetzt freue ich mich extrem auf die schöne Bahn in St. Moritz und dass ich dort noch eine WM bestreiten darf.«

Für Felix Keisinger läuft es weiter nicht gut – nur Rang 14 im Weltcup-Bewerb, Rang 8 bedeutete das in der EM-Wertung: »Mir fehlen heute die Worte. Wenn man nicht in den Top-Ten ist, nach Lauf eins, als Deutscher, kann man sich ja nur verbessern. Aber das konnte ich nur bei der Kreisel-Ausfahrt, das ist schon sehr bitter. Unter normalen Umständen wäre ich jetzt extrem sauer. Das heute ist eher komplette Ratlosigkeit und eine enorme Enttäuschung. Ich weiß nicht, was ich verändern könnte oder anders machen soll. Am Material kann ich nicht mehr viel machen.« Für Deutschland gab es EM-Silber und Bronze durch Olympiasieger Christopher Grotheer und Axel Jungk, Gold ging an den Briten Matt Weston.

Hans-Joachim Bittner