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Tischtennis-Star Boll ausgeschieden

London (dpa) - Timo Boll war nach dem niederschmetternden Aus im olympischen Tischtennis-Turnier am Boden zerstört. Durch die sensationelle 1:4-Niederlage im Achtelfinale gegen den Rumänen Adrian Crisan verpasste Deutschlands Topspieler seine wohl letzte Chance auf eine Olympia-Medaille im Einzel.

Niederlage
Timo Boll ist überraschend im Achtelfinale ausgeschieden. Foto: Bernd Thissen Foto: dpa

«Ich würde am liebsten losheulen. Ich bin sehr enttäuscht und werde einige Tage brauchen, um das zu verdauen», sagte Boll und fügte hinzu: «Jetzt drücke ich Dima die Daumen.» Sein Teamkollege Dimitrij Ovtcharov hatte es zuvor besser gemacht und war durch ein 4:0 gegen den gebürtigen Chinesen Weixing Chen (Österreich) erstmals ins Viertelfinale eingezogen. «Ich habe mich hier bislang gut präsentiert und konnte mit aggressivem Top-Spin punkten», meinte der 23 Jahre alte Hamelner, der für Fakel Orenburg in Russland spielt. Im Kampf um den Einzug in das Halbfinale ist an diesem Dienstag der Däne Michael Maze der Gegner. «Da stehen die Chancen 50:50», sagte Ovtcharov.

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Boll schaute nach der Pleite, durch die seine schwarze Serie bei Olympia um ein neues Kapitel erweitert wurde, traurig drein. «Ich war optimal vorbereitet. Es war eine gewisse Nervosität da, obwohl es meine vierten Sommerspiele sind», bekannte der für Borussia Düsseldorf spielende Hesse.

Wenige Stunden nach seinem 4:0-Auftaktsieg gegen Außenseiter Noshad Alamiyan (Iran) hatte der Rekord-Europameister keine Chance gegen den fast fehlerlos spielenden Crisan, der in der Bundesliga für Werder Bremen an die Platte geht. «Timo hat sich natürlich mehr ausgerechnet. Er hat gar nicht so viel falsch gemacht, aber Crisan hat sehr, sehr gut gespielt», bilanzierte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Boll verlor nach teilweise packenden Ballwechseln mit 9:11, 11:8, 13:15, 10:12, 6:11 gegen seinen Angstgegner. Dabei unterliefen dem 31 Jahre alten Linkshänder zumindest in der Anfangsphase mehrere Flüchtigkeitsfehler. Crisan spielte sich danach in einen Rausch und beendete den großen Olympia-Traum des deutschen Spitzenspielers.

Der muss den Kopf in der «Penthouse-Suite» im olympischen Dorf nun schnell frei bekommen, denn in wenigen Tagen steht schon der Teamwettbewerb an. Trost wird er in erster Linie wohl von seiner Familie bekommen, die fast vollzählig nach London gereist ist. «Timo hat in den Schlüsselsituationen die Punkte nicht gemacht. Er hat jetzt ein paar Tage Zeit, um sich auf die Mannschaft vorzubereiten», erklärte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.