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»Tödliche Gemälde« machen Lust auf mehr

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Konrad Bernheimer an seinem Schreibtisch im Arbeitszimmer neben einem Porträt von Velasquez. (Foto: Giesen)

Konrad O. Bernheimer, in unserer Region unter anderem bekannt als Eigentümer der Burg Marquartstein, ist Deutschlands bedeutendster Kunsthändler Alter Meister. Für die meisten wohl völlig unerwartet hat er nun seinen ersten »Kunstkrimi« unter dem Titel »Tödliche Gemälde« geschrieben, erschienen im Langenmüller Verlag, München.


Um es vorweg zu nehmen: es handelt sich nicht nur um einen raffinierten, spannenden Krimi, sondern der Leser kann viel über alte, berühmte Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert erfahren, auch über die ganz eigene Klientel von manchmal überaus begüterten Kunstsammlern, aber auch solchen – jedenfalls im Krimi – denen jedes Mittel recht ist, um in den Besitz dieser hoch begehrten Objekte zu gelangen. »Die Handlung der Geschichte ist völlig frei erfunden«, sagt Bernheimer. Sie spielt in den Kunstmetropolen Paris, London, Venedig, Rom etc., und der Leser wird durch genaue Ortsbeschreibungen nicht nur durch ganze Stadtviertel mitgenommen, sondern auch in die exklusivsten Restaurants dieser Städte, wobei dabei nach den Worten des Autors alles authentisch ist. Bernheimer beschreibt die exquisiten Gerichte mit den passenden Weinen so detailliert, dass jeder Gourmet seine Freude haben dürfte.

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Handlung nichts für schwache Nerven

Die Handlung der Kriminalgeschichte ist dagegen nichts für schwache Nerven. Im Mittelpunkt steht der Kunsthändler, Geheimagent und Bonvivant John Blumenstein. Er liebt nicht nur wertvolle, alte Gemälde, sondern in ihm schlummert eine außerordentlich sadistische Seite mit tiefer Lust am Töten. Sein Traum ist es, alte Gemälde, wie zum Beispiel den Tod des Heiligen Sebastian, den mehrere berühmte Künstler gemalt haben, die Ermordung des Holofernes durch Judith oder »Das Martyrium des Heiligen Laurentius«, 1488/90, von Tizian (er stirbt durch Rösten auf dem Grill) in der Realität nachzustellen. John Blumenstein, der auch mit seinen zahlreichen Geliebten eher ungewöhnliche Sexpraktiken bevorzugt, sucht sich den Gemälden ähnlich aussehende Personen aus, freundet sich mit ihnen an und lockt sie sehr geschickt an Plätze, an denen er in aller Ruhe seine Taten ausführen und sich am puren Anblick dieses »Kunstwerks« ergötzen kann. Lediglich sein verhasster Zwillingsbruder Martin, der eine völlig andere Karriere eingeschlagen hat – nämlich als Kriminalkommissar für Sonderermittlungen – kommt seinem Bruder gefährlich nahe. Natürlich kann nicht viel mehr verraten werden. Jedenfalls ist das Ende ganz unerwartet… .

Geschichten hinter den Bildern

»Warum haben Sie jetzt angefangen, Krimis zu schreiben?«, möchte ich bei einem Gespräch mit Konrad Bernheimer in seinem Arbeitszimmer in München wissen. »Die meisten Besucher eines Museums gehen heutzutage an Gemälden mit noch dazu recht grausamen Heiligengeschichten einfach vorbei, schauen gerade mal den Titel an, aber nie genau hin. Dabei erzählen diese Bilder höchst interessante Geschichten nicht nur über persönliche Schicksale, sondern auch über die damalige Zeit«, sagt der 70-jährige Autor. Grund ist nach seiner Auffassung, dass den meisten Menschen heutzutage das historische und religiöse Wissen um diese Darstellungen verloren gegangen ist. Ein Krimi wie dieser kann interessierte Zeitgenossen dazu bringen, solche Altarbilder mal wieder genau anzuschauen und sich mit der Geschichte dahinter zu beschäftigen. Dafür sei vor allem das Alte und Neue Testament von Bedeutung, eine Lektüre, die früher selbstverständlich jeder kannte.

Selbst nie mit Fälschungen konfrontiert

Konrad Bernheimer selbst habe in seinem jahrzehntelangen Leben als Kunsthändler bisher nie etwas mit Fälschungen oder gar Kunstraub zu tun gehabt, sagt er. »Die Verbrechen sind reine Fantasie«. Sehr genau hat er sich vor dem Schreiben bei verschiedenen Fachleuten informiert, zum Beispiel bei dem bekannten Pathologen und langjährigen Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin an der Münchner Universität, Professor Dr. Wolfgang Eisenmenger. Bei einem Besuch in der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums in der Ettstraße erfuhr er dann so einiges über tatsächlich geschehene, völlig abseitige Formen des Mordens. Im speziellen Fall über die Wirkung von hoch dosiertem Insulin und Curare, dem südamerikanischen Nervengift, das John Blumenstein so gute Dienste leistet.

Trotz aller Grausamkeiten sind »Tödliche Gemälde« dank der Beschreibungen kultureller Highlights und kulinarischer Genüsse auch ein humorvolles Vergnügen, denn Bernheimer versteht es, den eigenen Berufsstand und »die Welt des großen Geldes« leicht ironisch auf die Schippe zu nehmen. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht der letzte Krimi dieser Art des Kunsthändlers bleibt.

Schon vor sieben Jahren wurde Bernheimer als Autor bekannt, als er im Jahr 2013 seine Biografie »Narwalzahn« schrieb, die inzwischen in der 3. Auflage und auch in englisch erschienen ist. 2019 veröffentlichte er im Piper Verlag »Gebrauchsanweisung fürs Museum«, dem auch die Beschreibungen der Bilder im Krimi entnommen sind.

Der Kunstkrimi »Tödliche Gemälde« von Konrad Otto Bernheimer ist im Langenmüller Verlag, München, erschienen, auch als Hörbuch. Christiane Giesen