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Top-Musikanten und Entertainer: Die »Bayerischen Löwen« überzeugen im Traunsteiner NUTS

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Das Publikum wurde Zeuge der erotisch aufgeladenen Begegnung zwischen einem abgedrehten, ausgehungerten Stadt-Mädl und einem Bauern-Playboy. (Foto: Mergenthal)

Sie rocken mit viel Brass und »Voigas« die Bühne, spielen sich mit überschäumendem Temperament frech und energiegeladen quer durch alle Stilrichtungen und legen dabei eine köstliche, oft ironisch überspitzte, Show hin, die ihnen selber sichtlich Spaß macht: die »Bayerischen Löwen«. Die fünfköpfige junge Blechbläserformation aus Straubing begeisterte nun ihre Fans in der gut besetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


In Traunstein haben sie ihre aktuelle Tour mit dem neuen Programm »Durchblechte Nächte« begonnen. Darin gewähren die »Bayerischen Löwen« einen Blick hinter die Kulissen ihres turbulenten Musikantenlebens. Die fünf »Löwen« kennen sich größtenteils seit ihrer Jugend und der Schul-Big-Band. Seit zehn Jahren präsentieren sie ihren »weißblau getränkten Bavarian Unterground«, wie sie ihren unverwechselbaren Stil nennen, nicht nur in Bayern und dem übrigen Deutschland, sondern auch im Ausland und im Fernsehen. Immer wieder sind sie auch mit dem Parodisten Wolfgang Krebs und der Kultgruppe »Da Huawa, da Meier und I« unterwegs.

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Mit Lederhosen, Haferlschuhen, weißem Hemd, türkiser Krawatte und schwarzer Weste waren sie ein Blickfang auf der NUTS-Bühne und hatten auch einen gut gelaunten, jungen weiblichen Fanclub mitgebracht. Wenn Dominik Glöbl und Christian Striegl ihre Trompeten singen und röhren ließen, Franz Eisenschink und Florian Blöchl auf Tuba und Posaune Gelassenheit und Groove zelebrierten und Michael Wallner sich mit seiner übermütigen Basstrompete dazu gesellte, widerstand ihnen niemand mehr.

Der smarte Glöbl erwies sich dabei als begnadeter Entertainer und mimte kurios den Ansager in einem Festzelt. Die Stimmung in Traunstein sei ja bereits am Überkochen, stellte er kurz nach Beginn fest und kündigte an, deshalb jetzt das Konzert zu beenden, denn »wenn’s am Schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören«.

Die Traunsteiner hatten jedoch Glück: Das Konzert ging weiter. Das Publikum begegnete der notorischen Schnapsdrossel Willi, dargestellt mit treffend verlangsamten Bewegungen, auch in der Mimik, von Franz Eisenschink, und einem »Luschi« (»Uschi, vor dir kusch’ i«), der vor seiner dominanten Frau in ein Männerhaus flieht. »Von Sozialpädagogen umgeben, sich trotzdem Mordgedanken erheben«, führte der Text martialisch zur unvermeidbaren Katastrophe hin.

Eine Striptease-Show nach Art der Chippendales vermuteten einige, als zwei Bläser einen weißen Vorhang hielten und Kleidungsstücke umherflogen. Doch als der Vorhang fiel, betrat Blöchl als abgedrehtes, sexuell und emotional ausgehungertes Single-Mädl aus der Stadt die Bühne. Auf einer Fahnenweihe traf es seinen Traumprinzen – einen Bauernbuben (Dominik Glöbl), der in knallenger roter Hose seinen begnadeten Körper zur Schau stellte und sie natürlich mit seinem Trompetenzauber verführt.

Viele bekannte Alltagsszenen wurden aufgegriffen: die Erleichterungen, die eine beliebte Multifunktions-Küchenmaschine bringt, die leidigen Versuchungen des guten Essens, das sich als Speck auf den Hüften ansammelt und die Leiden eines Mannes, der sich im Liegestuhl im Garten eine Auszeit gönnen möchte, was die Arbeitsanweisungen der Ehefrau und der lästige Anruf des Versicherungsvertreters jedoch verhindern. Wie es bei einer Landfeuerwehr zugeht, die leider kaum mehr richtige Brände zu löschen hat, dafür aber die Brände in den Kehlen, erfuhren die Zuschauer ebenfalls.

Stilistisch beziehen die Löwen Einflüsse aus Rock, Soul, Pop, Latin, Hip-Hop, echter bayerischer Volksmusik und volkstümlicher Musik mit ein. Auch als A-cappella-Gesangsgruppe nach Art der Comedian Harmonists waren sie formidabel, erzeugten ihre Rhythmen dabei teils mit bajuwarischen Urlauten oder Schmatzgeräuschen. Zackige Ostinati wechselten mit wohlig warmem Bläsersound, Stimmungs-Kracher mit nachdenklich-poetischen Liedern: In einer Art Schulabschluss-Blues etwa ermutigten die Blechbläser dazu, an sich selber zu glauben und auf sein Herz zu hören.

Sie brachten die NUTS-Besucher zum Mitsingen und bedankten sich mit zwei Zugaben. Gespannt sein darf man auf das nächste Programm »Glück im Spiel, Blech in der Liebe«, mit dem sie in einem Jahr nach Traunstein kommen wollen. Am Ende des Auftritts im NUTS gab es davon schon eine Kostprobe, die die Sehnsucht nach Sonne, Leben und Freiheit anstelle von stupidem Arbeitstrott besang. Veronika Mergenthal