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Tote Hirschkälber: Staatsanwaltschaft prüft zwei Anzeigen

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Mehrere verendete Hirschkälber wurden im Frühjahr im Königssee-Bereich gefunden. Seither läuft eine große öffentliche Debatte. (Foto: Verein »Wildes Bayern«)

Berchtesgaden – Der seit Ostern andauernde Streit um die toten Rotwildkälber im Nationalpark Berchtesgaden geht in eine neue Runde. Der Verein »Wildes Bayern« hat nach eigenen Angaben zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Traunstein erstattet.


Update vom Freitag:

Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« den Eingang zweier Anzeigen des Vereins »Wildes Bayern« und des Deutschen Tierschutzbundes bestätigt. In der Sache geht es, wie berichtet, um das Auffinden von acht toten Hirschkälbern vor sechs Wochen im Königsseebereich.

Anzeige

Die Anzeigen richten sich zum einen gegen Unbekannt und zum anderen gegen den Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Dr. Roland Baier, wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. »Wir werden die Anzeigen nun einer Prüfung unterziehen«, sagte Oberstaatsanwalt Volker Ziegler dem »Anzeiger«. UK

Vorbericht vom Mittwoch:

Sind mutterlose Rotwildkälber, die im Laufe des Winters an Erschöpfung und Hunger eingehen, einfach Natur? Oder sind sie ein Zeichen dafür, dass im Nationalpark Berchtesgaden gegen Natur und Gesetz gearbeitet wird? Um diese Frage dreht sich der Streit, seit die Wildbiologin Dr. Christine Miller, Vorsitzende des Vereins »Wildes Bayern«, am Karsamstag am Ufer des Königssees acht verendete Rotwildkälber gefunden hatte.

»Aufklärung wurde versprochen – aber jedenfalls bisher nicht eingehalten. Eine Anfrage nach den Zahlen, die zur Klärung der offenen Fragen um die Bejagung des Rotwildes und das Überleben von Hirschkühen geführt hätte, wurde bis heute von der Nationalparkleitung nicht beantwortet, kritisiert Dr. Christine Miller und fügt an: »Irgendwann muss Schluss sein mit Zuwarten, Hinhalten und Ankündigen. Genug ist Genug.«

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Foto: Verein »Wildes Bayern«

Die Vorsitzende weiter: »Wir haben zusammen mit dem Tierschutz Strafanzeige wegen des Verdachts auf Verstöße gegen Tierschutz- und jagdgesetzliche Regelungen gestellt. Ebenso haben wir die Staatsanwaltschaft Traunstein gebeten zu prüfen, ob der Leiter des Nationalparks, Dr. Roland Baier, sich möglicherweise der Strafvereitelung im Amt und der Vernichtung von Beweismitteln schuldig gemacht haben könnte.« Die entsprechende Pressemitteilung des Vereins ging am Dienstag beim »Berchtesgadener Anzeiger« ein, der Text der eigentlichen Anzeige, die an die Staatsanwaltschaft gegangen sein soll, ist sogar auf den 29. Mai datiert. Dennoch ist bis zum heutigen Mittwoch Nachmittag bei der Staatsanwaltschaft Traunstein keine der angekündigten Anzeigen eingegangen, wie Oberstaatsanwalt Volker Ziegler dem »Berchtesgadener Anzeiger« bestätigte.

In der Nationalparkverwaltung weist man die Anschuldigungen weiterhin strikt zurück. »Nach sorgfältiger Prüfung der Angelegenheit mit allen beteiligten Förstern und Berufsjägern gibt es keinerlei Anzeichen auf ein Fehlverhalten von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung. Niemand war dabei, als in einem Jahrhundertwinter mit höchsten Schneelagen bis hinunter in die Täler die Jungtiere verendeten. Fest steht nur, dass dies nicht geschehen ist, weil die Muttertiere geschossen wurden«, so die Behörde auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«.

Der Nationalpark wirft dem Verein »Wildes Bayern« und der »Allianz für Wildtiere« auch unseriöses Handeln vor, das nur dem Zweck diene, Menschen, Einrichtungen und Behörden sowie die darin arbeitenden Menschen öffentlich zu diskreditieren. Seit 40 Jahren organisiere die Nationalparkverwaltung auf Grundlage der Nationalparkverordnung die Wildbestandsregulierung im Gebiet des Nationalparks als Untere Jagdbehörde. Hierbei orientiere sie sich streng an den gesetzlichen Vorgaben und Zielsetzungen für einen international nach IUCN-Richtlinien anerkannten Nationalpark.

Sämtliche Abschusszahlen für Rot-, Reh- und Gamswild im Nationalpark Berchtesgaden würden alljährlich unter www.wildtierportal.bayern.de veröffentlicht. Die Nationalparkverwaltung weiter: »Den haltlosen Anschuldigungen des Vereins 'Wildes Bayern' wie Abschuss führender Muttertiere, Vernichtung von Beweismitteln und Strafvereitelung im Amt bis hin zu Rücktrittsforderungen an den Nationalparkleiter entbehren jeglicher Grundlage. Die Nationalparkverwaltung wird diesen Vorwürfen mit aller Entschlossenheit begegnen.« Ulli Kastner